Hennecke schuftete in Augustas Revier

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Der wissenschaftliche Mitarbeiter dess Bergbaumuseums Oelsnitz, Heino Neuber, infromierte in seinem Vortrag über die Geschichte des Schachtes und erklärt die Namensgebung Kaiserin Augusta.Foto: Christof Heyden

Wegen Umbau geschlossen und doch Besuchermagnet: Das Bergbaumuseum Oelsnitz feierte jetzt den vor 150 Jahren erfolgten ersten Spatenstich für den Kaiserin-Augusta-Schacht.

Oelsnitz/Erz. Volles Haus trotz leerer Ausstellungsräume: Knapp 100 Gäste folgten der kleinen Jubiläumsrunde an legendärer Wirkungsstätte.  Aus gutem Anlass wurde wurde zu einer Zeitreise in die Geschichte des Steinkohlebergbaues eingeladen. Genau vor 150 Jahren erfolgte der erste Spatenstich des Kaiserin-Augusta-Schachtes. Indes: Die Namensgeberin wurde auch nach Inbetriebnahme 1869 nie im Revier gesehen. Doch dafür sorgte Adolf Hennecke Jahrzehnte später an dieser Stelle mit seinen Rekordabbauleistungen für Schlagzeilen in der DDR und sorgte so mit dafür, dass das Bergwerk nie abgerissen wurde.

Die markante Szenerie mit Schachtturm in Oelsnitz. Foto: Christof Heyden

Museumsmitarbeiter Heino Neuber wusste in seinem hochinformativen launischen Redebeitrag die Wandlung einer Schachtanlage am Beispiel des Kaiserin-Augusta-Schachtes zu skizzieren. 1869 angelegt durch die Fürsten von Schönburg, hatte der angeregt durch Fachleute das Leistungsvermögen dieses Bergwerkes erkannt. Indes war Steinkohle zum damaligen Zeitpunkt noch längst nicht als das Antriebsmittel einer aufstrebenden Wirtschaft bekannt. Erst ab 1885 werden die damaligen Besitzer schwarze Zahlen schreiben, bis dahin wurden enorme Summen zum Aus- und Aufbau des Industriezweiges eingesetzt.

Rund 100 Gäste folgten der Einladung zur Feierstunde. Foto: Christof Heyden

Dennoch, das Revier wird sich im Laufe der Zeit zu einem modernsten seiner Art in Deutschland entwickeln, innovative Ideen und führungsstarke Manger bringen gerade das Lugauer/Oelsnitzer Revier in den Blickpunkt der Branche. Neuber verweist auf den infrastrukturellen Vorschub durch den Bau der Eisenbahn. Das Transportmittel wird unabdingbar für die Region. Die hiesige Kohlebahn galt einst in Deutschland als die lukrativste ihrer Art.

Derzeit wird das Museum mit seinen einzigartigen Exponaten modernisiert. Foto: Christof Heyden

Mit Nutzung der Elektrizität erfährt der Abbau und die Verarbeitung einen weiteren enormen Aufschwung.Mit dem Verkauf an den Steinkohlenbauverein Gottes Segen in Lugau 1895 wuchs dessen Bedeutung für den Steinkohlenbergbau. Der sächsische Staat als Besitzer ließ hier 1920 schließlich den modernsten Kohlenschacht Deutschlands entstehen. Etwa 1,2 Millionen Tonnen Jahresleistung stehen für den Schacht zu Buche, klein aber fein, so der Fachmann.

Der letzte geförderte Hunt ist vor dem Haus aufgestellt. Foto: Christof Heyden

Durch die Aktivistenbewegung von Adolf Hennecke wurde das Steinkohlenwerk nach 1945 zum Ausgangspunkt und zum Symbol der DDR-Geschichte. Am 31. März 1971 förderten Kohlekumpel den letzten Hunt Steinkohle. Anschließend erfolgte der Aufbau des Bergbaumuseums als national bedeutende Stätte der Technikgeschichte. 1986 wurde das für 25 Millionen DDR-Mark umgestaltete Werk als Traditionsstätte eingeweiht und erinnert an ein stolzes Kapitel  Bergbaugeschichte aber auch eine Phase gesellschaftlicher Umbrüche.

Museumsleiter Jan Färber informierte über den Stand der Modernisierung des Bergbaumuseums. Foto: Christof Heyden

Museumsleiter Jan Färber berichtete zudem über den Stand der Museumserneuerung und die Planungen zur Teilnahme an der 4. Sächsischen Landesausstellung Industriekultur 2020. Oelsnitz wird dann mit seinem Beitrag das thematische Kapitel „Schauplatz Kohle“ vorstellen.