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Was wird da im Kämmerlein gebastelt? Reinsberg gab die Antwort.

Zum 22. Mal ist in Reinsberg eine Ausstellung für Hobby und Freizeit organisiert worden. 45 Teilnehmer stellten einem wissbegierigen Publikum ihre liebsten Beschäftigungen vor. Von Aquarellmalerei bis Zugbetrieb reichten die liebsten Beschäftigungen.

Reinsberg. Der imposante Luxuskreuzer Titanic ankerte am Wochenende im Gemeinschaftszentrum Reinsberg. Das mehrhundertfach kleinere Modell des legendären Unglücksschiffes führte die private Flotte des Freibergers Ulf Krause an und gehörte zu dessen sehenswerten Schaustücken der 22. Messe für Freizeit und Hobby. An der Backbordseite hatte der gewiefte Bastler mit Schildkrötenschiff und Spiertorpedoboot zwei weitere Modelle aus seiner Heimwerft mitgebracht. Der frühere Konstrukteur gehörte zu den 45 Teilnehmern der sehenswerten Ausstellung, die der Einladung des Reinsberger Schützenvereins 1791 folgten.

Hobbymesse in Reinsberg. Ulf Krause aus Freiberg ist Großreeder: auch die Titanic gehört zu seiner Modellflotte. Foto: Christof Heyden

„Vor über 25 Jahren von einer Touristikinitiative in unserer Gemeinde begründet, führen wir nun als Gastgeber diesen Treff regelmäßig am Wochenende nach dem 3. Oktober durch“, freute sich Thomas Aurich mit seiner 60 Mitglieder zählenden Interessengemeinschaft über die große Resonanz des zweitägigen Formats bei Ausstellern und Publikum.

„Wir wollen jenen eine öffentliche Plattform geben, die in ihrer Freizeit auf unterschiedlichste Weise tätig sind. So als Holzkünstler oder Handarbeiterinnen, die dem Modellbau frönen oder als Kleinproduzenten von Leckereien wie Honig und Marmelade ihre Freude haben. Hier erhalten sie die Gelegenheit, einmal zu zeigen, was oft im stillen Kämmerlein stattfindet.“

Hobbymesse in Reinsberg- Bei Helga Haschlar aus Roßwein bekommen Jeans ein zweites Leben als Rucksack oder Tasche. Foto: Christof Heyden

Von Jugendtagen an der Bastlerfreude verschrieben, zählen Schiffsmodelle zur größten Friemel-Leidenschaft von Ulf Krause. „Diese aber erst seit 25 Jahren, zu DDR-Zeiten waren Modellbauanleitungen für Schiffe kaum zu haben“, so der Freiberger. Die Titanic hat er in knapp drei Jahren binnen 800 Stunden mit etwa 7.000 Einzelteilen zusammengesetzt.

Ausrangierte Jeans versteht Helga Haschlar in neuem Zuschnitt ein zweites Leben zu geben. „Diese Bekleidungsteile eignen sich, daraus Rucksäcke, Beutel und Taschen zusammenzusetzen“, erzählt die Roßweinerin. „Gefragt sind kleine Umhängetaschen für Handys. Vor Jahren habe ich eine Nähmaschine im Internet erstanden, die bis zu zwölf Lagen des Stoffes bearbeiten kann, ohne dass die Nadel bricht, sie ist mein wichtigstes Arbeitsgerät.“

Taschenbaumler nennt die frühere kaufmännische Angestellte ihre vorgestellte Designlinie. „Material habe ich, bis ich 100 werde. Verwandte und Bekannte geben ihre Exemplare gern an mich ab, bevor sie sie wegwerfen.“

Hobbymesse in Reinsberg. Karin Hummitzsch aus Hainichen ist leidenschaftliche Keramikerin. Sie versteckt nicht ihre Tonarbeit, vielmehr bedeckt sie die mit einem nassen Tuch. Foto: Christof Heyden

Unikate Keramikarbeiten entstehen in der Wohnung von Karin Hummitzsch. „Seit 1995 betreibe ich im kleinen früher als Kinderzimmer dienendem Hobbyraum das Arbeiten mit Ton“, so die Hainichenerin. „Indes verfüge ich nicht über eine Drehscheibe. Dies vom Platzbedarf her, aber auch der Überlegung, keine Massenware herstellen zu wollen“, so die frühere Handelsökonomin. „Ich beziehe speziellen Ton, den ich für ein neues Werkstück dem Backen ähnlich auswalze und dann Einzelstücke daraus schneide, die ich entsprechend zu Vasen, Blumentöpfen und anderen Designstücken modelliere. Herzstück ist mein Brennofen, den angeworfen, saust der Stromzähler ganz schön“, sagt sie lachend.

Schon früh sei ihre Leidenschaft für dieses Tun geweckt worden. „Auch deshalb, weil zu DDR-Zeiten schwerlich an formschöne Stücke erschwinglich heranzukommen war. Da reifte die Idee, es selbst zu versuchen.“

Hobbymesse in Reinsberg: Thomas Göhler aus Dresden fertigt Holzgeschenke unterschiedlichster Art. Foto: Christof Heyden

Mit seinen Holzkunstarbeiten will auch Thomas Göhler eines Tages hauptberuflich Fuß fassen. „Zunächst betreibe ich mein Hobby im Kleingewerbe, erschließe mir die Interessanten, Daher bin ich erstmals in Reinsberg mit dabei“, erzählt der Dresdner, im Alltag als Handelsreisender unterwegs. „An Corona-Stillstandtagen reifte die Überlegung, sich zu profilieren.“

Vor Ort weckte er etwa die Neugier für seine Krafttiere in der Hosentasche, geldstückgroße, aus feinstem Holz geschnittene und per spezieller Brenntechnik verzierte Talismänner und Glücksbringer.

Das obligatorische Voting des Publikums über die reizvollste Präsentation ergab folgende Wertung: Platz 1 für Steffi Schönberg und ihre Patchwork-Arbeiten (Mitte), Platz 2 sieht Elke Wellhöfer mit ihrer Quilling Papiergestaltung auf dem Treppchen und Lothar Seidel wusste mit seinen Flaschenpyramiden zu begeistern. Foto: Thomas Aurich

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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