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Dreifaches Splint ab! und die Kettensägen schnurren

19 Teilnehmer folgen rund um den Feiertag der Einladung des Teams um Sauensäger Andreas Martin zur Teilnahme am nationalen Blockhausen-Cups im Speedcarving.

Blockhausen. Die frischen Brötchen waren zum ersten Ferienwochenende an Frühstückstischen noch nicht aufgeschnitten, da surrten am Sonnabend in Blockhausen bereits die Kettensägen. Ein Duft frisch bearbeiteten Holzes verbreitete sich genauso, wie ungezählte Späne mit fester Hand und wachem Auge aus dem Naturmaterial herausgeschnitten wurden.

Im Erlebnisland für motorisierte Holzkünstler entstehen bis zum Feiertag am 3. Oktober einzigartige Skulpturen. Neben Akteuren aus mehreren Bundesländern zeigen auch Meister des Fachs aus Tschechien und Ungarn ihr Können im schnellen Schnitzen mit Kettensägen, Fräsen und Schleifmitteln.

Carving Cup Blockhausen:Schwerstarbeit mit Sackkarre: die Holzblöcke für den Carving-Wettbewerb werden zugeschnitten und an die Arbeitsplätze gefahren. Christian Schmidt, links und Oliver Leßmann sind Teilnehmer. Foto: Christof Heyden.

Noch ehe die Teilnehmer in den zeit- und formbestimmen Wettbewerbsmodus traten, hieß es das Ausgangsmaterial herzurichten. Bis zu 300 Kilogramm schwere Baumblöcke und Stämme hatten die Veranstalter bereitgestellt, aus denen wiederum kleinere Segmente geschnitten wurden. Zur Ausrüstung eines Kettensägen-Akteurs zählt zumeist eine Sackkarre, oft doppelt bereift, um derart Kolosse überhaupt in Position für ihr Schöpfertum bringen zu können.

Sylvia Itzen gehört zu den Akteuren, die wiederholt in Blockhausen weilen. „Mit einem zünftigen dreifachen Splint ab! unserer Runde sind wir ins Tagwerk gestartet“, zeigte sich die aus dem niedersächsischen Sprötze kommende Kettensägenexpertin startbereit. Unterstützt von Assistenten und Lebensgefährten Eric Peter wurden acht Arbeitsgeräte mit unterschiedlich großem Blatt zunächst geschärft, die Akkubetrieben auf ihren Ladezustand hin gecheckt. Auch umweltverträglicherer Sonderkraftstoff wurde aufgefüllt, wie die Schnitzer Bio-Kettenöl verwenden.

Carving Cup Blockhausen: Die normale Ausrüstung an Kettensägen eines Profi-Sägers. Foto: Christof Heyden.

„Die großen Blätter fürs grobe Ausblocken, die jeweils kleiner werden für filigraneres Schnitzen“, erklärt die 55-Jährige vereinfacht das Prinzip ihres Tuns. Längst zählt Sylvia Itzen zu den Meistern der Carvingszene in Deutschland, nimmt als Mitglied des Stihl-Carving-Teams-Deutschland an internationalen Wettbewerben teil.

Der jüngst zurückliegende Auftritt an einer Fernsehschau in Canada zählt sie zu einer prägenden Erinnerung. Im TV-Format „A Cut Above“ duellieren sich zwölf Teilnehmer über zwölf Runden – am Ende jeder Runde fliegt ein Teilnehmer raus. In der ARD-Mediathek ist ein TV-Beitrag über die Holzbildhauerin aktuell abzurufen. Befragt nach dem von ihr aktuell zu schaffenden Motiv binnen einer Frist von 60 Minuten konstatiert sie, dass das Holz eigentlich die Frage beantworte, sich Arbeitsprozess selbst die Formensprache erschließt.

Carving Cup Blockhausen: Bevor formvollendte Figuren entstehen muss auch Profi-Bildhauerin Sylvia Itzen ihr Arbeitsstück vorbereiten und etwa die Rinde abtragen. Foto: Christof Heyden.

Weniger unter Zeitdruck beteiligen sich weitere Holzakteure am kreativen Schaffensprozess. „In Absprache mit Andreas Martin gestalte ich mit Enrico Kletke ein Figurenpaar, welches auf dem Gelände von Blockhausen zukünftig als pfiffig-zünftiger Wegweiser aufgestellt werden soll“, berichtet Mandy Quanz aus Thalheim bei Mittweida.

Die versteht im Alltag als Softwareentwicklerin die Computermaus zu führen, beherrscht aber die schweren Kettensägen ebenso mit Leichtigkeit. „Mein Lebensgefährte weckte das Interesse für dieses Handwerk. Ohnehin am Schnitzen interessierte, wollte ich schneller vorankommen Sein Vorschlag: greif zur kettensäge“ verrät Mandy Quanz schmunzelnd. „Wir schaffen aus Roteiche einen im Widerstreit mit einer Hexe befindliche Drachen, der mit seinem Feuerschweif eine auf eine übergroße Gabel aufgespießte Bratwurst zu grillen versucht.“

Im Rahmen des Carving Cup Blockhausen gestaltet Enrico Kletke aus Thalheim bei Mittweida eine Skulptur als Wegweiser, die ziert auch eine Bratwurst. Foto: Christof Heyden.

Zu den Frühaufstehern des samstags gehörten Stefan und Bianca Arnold mit Töchterchen Luise. „Wir kommen aus dem Odenwald, verbringen ein paar Tage im Erzgebirge, um gezielt Blockhausen zu besuchen“, erzählen die Gäste aus dem Rhein-Main-Gebiet. „Ich habe die Tour zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ich begeistere mich für das Kettensäge, besitze selbst drei Exemplare. Hier will ich den Profis über die Schulter schauen“, sah sich Bianca Arnold für 400 Kilometer Anreise belohnt.

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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