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Stell-Dich-Ein von Isetta, Corvette und Co

Kraftstofffressende Kutschen haben zum Tag der Deutschen Einheit den Schellenberg erklommen. Die 32. Auflage des Oldtimertreffens zählte 700 rollende Teilnehmer und 3.000 schaulustige Besucher.

Augustusburg. Von AWO bis Zündapp, von Audi bis Zastava – der Schlosshof der Augustusburg gehörte seit den Morgenstunden den zwei-, drei- und vierrädrigen Oldtimern namhafter Modellschmieden. Mit der Neuauflage des in Wendetagen begründeten Stell-Dich-Eins von Fahrzeugliebhabern und Sammlern wurden am sonnenbestimmten Feiertag motorgetriebene Exemplare in den Blickpunkt gestellt, die vor 1970 gebaut worden waren.

32. Auflage des Oldtimertreffens auf Augustusburg. Mit Cabrio-Wartburg ist Familie Wussak aus Bautzen herangerollt. Foto: Christof Heyden

Angesichts einladender Wetterbedingungen erreichten schon am Vormittag rund 500 Motorräder und Pkw sowie Kleintransporter das Jagd- und Lustschloss. Damit waren zwei Stunden nach Start so viele Mobile renommierter Fahrzeugschmieden aus unterschiedlichsten Regionen Deutschlands herangeeilt, wie in früheren Jahren zu Regenwettertagen begrüßt wurden.

Zur Schar der regelmäßig teilnehmenden Akteure gehörte Christian Lorenz. Der Chemnitz Reichenbrander steuerte ein Motorfahrrad der Marke Wanderer, mit welchem er die Fanschar zu begeistern verstand. „Eine knappe Stunde habe ich für die 25 Kilometer benötigt, den Schellenberg zu erklimmen“, so der 67-Jährige. „Das mit Motor getriebene Damenrad habe ich selbst aus gefunden Teilen aufgearbeitet“, so der frühere Fahrzeuglackierer, der sich zu den Urgesteinen dieses Treffens zählt und zahlreiche Markenfreunde begrüßte. „Es ist Baujahr 1931 mit Sachs-Antrieb, der in leistungsstärkerer Version später hinzugekommen ist.“

32. Auflage des Oldtimertreffens auf Augustusburg. Christian Lorenz radelte mit Motoruntersützung von Reichenbrand den Schelleneberg hoch. Sein Wandererrad war gesuchtes Fotomotiv. Foto: Christof Heyden


Die Neuauflage des Oldtimertreffen zeigte, dass das Stell-Dich-Ein mehr als die Präsentation von Exemplaren der Modell- und Zeitgeschichte ausmacht. Allesamt feiern Kraftfahrer und Fans ein Wiedersehen als motorsportbegeisterte Großfamilie. Da rückten Erinnerungen in den Fokus, wurde in Benzingesprächen an den ersten Urlaub mit Trabi oder Wartburg erinnert, sich über Tricks und Kniffe ausgetauscht, bei Pannen Selbsthilfe zu leisten.

Für die jüngere Generation verband sich zugleich ein Sprach- und Lesetest: wer erkennt schon noch die auch einst auf Oststraßen zu findenden Москви́ч (Moskvitch) oder Жигули (Shiguli) an ihren Logos?

32. Auflage des Oldtimertreffens auf Augustusburg. Stell-Dich-Ein auch von Besitzern der Mikrocars wie Janus und Isetta. hier mit Wolfgang Wießner, links, Arno Gey und Armando Thamm. Foto: Christof Heyden

Arno Gey tuckerte mit seiner Isetta 300 von Döbeln kommend den Schlosshof an, um sich mit Markenkollegen Armando Thamm und den ebenfalls ein Mikro-Car namens Janus lenkenden Wolfgang Wießner zu treffen. „Acht Uhr gestartet, benötigte ich knapp eine Stunde, war mit rund 60 kmh unterwegs“, so der Teilnehmer.

„Das Dreirad mit Lenkrad und Dach hatte ein Verwandter schon in den 1950er jahren bis nach Palermo gesteuert, ab 1962 ließ er es dann runde 40 Jahre vergessen stehen. Und nun gehört es mir“, erzählt der Döbelner. Pkw-Experte Armando Thamm fügt hinzu, „dieser Typ ist rund 162.000 Mal gebaut worden und verkörpert eine Erfolgsgeschichte, die nicht abzusehen war. Denn vordem wurde der sogenannte Barockengel bei BWM hergestellt, der indes preisintensiv vom einfachen Volk nicht nachgefragt wurde. Der kleine Flitzer indes war ein Volltreffen.“

Das von Wolfgang Wießner vorgestellt Modell Janus wissen Fachleute als Besonderheit darzustellen. „Es stammt aus dem Hause Zündapp, eigentlich einem Motorradhersteller. Davon wurden knapp 7.000 Exemplare gefertigt, von denen heute noch rund 50 rollen“, so Armando Thamm weiter.

32. Auflage des Oldtimertreffens auf Augustusburg. Stell-Dich-Ein von Fahrzeuglenkern und Sammeln von Mobilen, die vor 1970 gebaut sein mussten.Vorn dran ein legenädrer Saparosz. Foto: Christof Heyden

Markentreu sammelten sich die Chauffeure von Wartburg, Trabant und Skoda, aber auch Mercedes, Ford und Opel. Die Schar der Zweiradlenker von DKW, D-Rad, Standard, NSU und Jawa fachsimpelte vor der Schlosskapelle. Tuckernde Kraftprotze amerikanischer Nobelmarken wie Cadillac rangierten die Veranstalter in den Wirtschaftshof, wie tschechische Tatra-Regierungsautos oder russische Wolgas bestaunt worden.

Auch Feuerwehrlöschmobile und Bulli-Reisekutschen fanden neben dem Brunnenhaus einen Stellplatz. In dem reift noch immer ein spezieller Whiskytrunk für das anstehende Jubiläum. Und während die Oldtimer teils mit Benzingemisch aufgetankt wurden, ließen sich die Zweibeiner Radler und Grillwaren zum Sound der Dixi-Band aus Magdeburg schmecken.

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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