750 Wörter für 750 Jahre gesucht

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Das Organisationskomitee zum Ortsjubiläum im erzgebirgischen Gelenau ruft zu einem Mundartwettbewerb heraus. es werden 750 Wörter gesucht: Grafik: Gemeinde/Karnevalsverein

Gelenau. Das 2023 in Gelenau zu feiernde 750-jährige Ortsjubläum wirft schon jetzt ein Echo voraus. Mit einem Sprachwettbewerb wollen die Organisatoren eine die Festtage bereichernde Schallwelle auslösen: Gälner Worte sind gesucht. „Unsere Idee ist es, in den kommenden Monaten die 750 schönsten Begriffe unseres heimischen Zungenschlags zusammenzutragen“, erklärt Stephanie Wolf, die im Vorbereitungsteam die kulturellen Fäden mitzieht. „Via Facebook haben wir die Aktion gestartet. Die Gelenauer sind aufgerufen, unsere eingerichtete Datenbank mit den für sie beliebten und gebräuchlichen Wörtern anzufüttern, die wir dann zum Fest in einer kleinen Sprachsammlung zusammenfassen wollen.“

Kenner des hiesigen Dialekts wissen, dass gerade die Strumpfwirkergemeinde exemplarisch dafür steht, das im Erzgebirge einst zwischen jedem Berg und Tal eine andere variierende Redeweise gepflegt wurde. „In Gäln wird ja von hiesigen Sprachgewandten noch heute zwischen Ebedorf und Niededorf, also Ober- und Unterdorf und der Redeweise unterschieden. Zu unseren Eigenheiten gehört, etwa das „r“ nicht zu sprechen“, sagt Robby Schubert schmunzelnd. Der Mundartautor und Moderator gilt als engagierter Botschafter der Muttersprache.

„Zurückliegend ist ohnehin schon vieles verschwunden. Medien und Internationalisierung drängen unsere Sprechweise immer mehr zurück. Insofern checken wir, was unter den Leuten noch bekannt ist. Bekanntlich ist in Gelenau in den zurückliegenden Jahren sogar ein eigenes Wörterbüch entstanden, welches die innerhalb des Erzgebirgischen gesprochen Spracheigenheiten aufgreift.“
Der 26-Jährige zählt zu jenen Enthusiasten seiner Generation, die der hiesigen Sprechweise entschlossen ihre Stimme geben.
„Mir fallen Wörter von Abketschern bis Zimmemaahamme ein, oder Fusslzutscher oder auch zewengst. Oder der Uttelaadekuffe.“

Da ist kein Uttelaadekuffe dabei: aus dem Gelener übersetzt wir ein damit Otterlederkoffer bezeichnet, also ein Schlangenhautlederkoffer, wie der hochdeutsch Sprechende sagen würde. Foto: Christof Heyden

Unterdessen erlebt unter dieser Woche eine weitere Sprachaktion ihr Finale. Noch bis 9. November nimmt der 1. Gelenauer Carnevalsclub per Online-Aktion Vorschläge für das schennstes Gälner Wort des Jahres 2020 entgegen. Dabei haben die Narren mit Plaatsch (Tollpatsch), imrusn (umrennen) und gechn (jagen) ihre eigenen Favoriten schon benannt. Bleibt abzuwarten, welche weiteren Wörter über den Online-Auftritt der Karnevalisten eingereicht werden.