Zeitreise durchs Revier

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Die vor 90 Jahren entstandene Ansicht Hohndorf von Willibald Mayerl verlockt dazu, den Standort des Malers in der Natur zu suchen. Foto: Cristina Zehrfeld

Bekannte Fleckchen des Erzgebirges neu entdecken – dazu lädt der Katalog „Industrielandschaft – Westsächsische Industriegeschichte im Spiegel der Kunst“ ein.

In erster Linie dokumentiert der gerade erschienene Katalog „Industrielandschaft – Westsächsische Industriegeschichte im Spiegel der Kunst“ eine Doppelausstellung des Jahres 2017. Im Bergbaumuseum Oelsnitz und auf dem Schloss Schlettau wurde mit über 130 Kunstwerken aus den letzten 150 Jahren gezeigt, wie die Industrialisierung unsere Region verändert und geprägt hat. Kurator Alexander Stoll sieht in dem Katalog deshalb vor allem eine Arbeitsgrundlage: „Die Auswahl der Werke wird über die Ausstellung hinaus festgehalten und bietet damit einen ersten Zugriff auf dieses Thema.“
Doch man muss kein Kunstkenner sein, um der 168 Seiten starken Publikation einen besonderen Reiz abzugewinnen. Liebhabern des Erzgebirges gestatten die Landschaftsbilder von Annaberg bis Aue, von Oberscheibe bis Olbernhau, von Hohndorf bis Hammerunterwiesenthal eine echte Zeitreise durchs Erzgebirge. Vor allem der Bergbau hat die Landschaft massiv verändert. Deutlich wird das zum Beispiel in etlichen Bildern der Steinkohlereviere Zwickau und Lugau-Oelsnitz. Dabei wurde so stark in die Natur eingegriffen, dass Kurator Matthias Hempel postuliert: „Das Erzgebirge ist sehr schön, aber es ist auch eine zu hundert Prozent von Menschen geschaffene Landschaft.“ Er verweist dabei auf Halden und Talsperren, auf die radikale Abholzung einstiger Laubbäume und ihren Ersatz durch Nadelgehölze, auf Straßen, Schienenwege und Industrieanlagen.

Auf Heinrich Hartmanns 1932 entstandener Kohlezeichnung „Schächte I“ ist der Turm des heutigen Bergbaumuseums. erkennbar Foto: Jörn Michael

Der künstlerische Blick darauf reicht von romantischer Verklärung und Bewunderung bis zu unverkennbarer Kritik. So sind die Schächte bei der Hohndorf-Ansicht von Willibald Mayerl fast unscheinbares Beiwerk in einer idealisierten Landschaft. Bei Lutz Voigtmann ist das Pumpspeicherwerk Markersbach hingegen der alles dominierende Bildmittelpunkt. „Das idealisierte Bild vom Erzgebirge, bei dem man an kleine Häuschen und Hügeln denkt, wird hier zurechtgerückt. Es wird deutlich, wie stark die Landschaft von der Industrie geprägt ist“, so Alexander Stoll. Diese Publikation ist auf jeden Fall eine wahrhafte Einladung zur Landschaftserkundung.

Der Katalog „Industrielandschaft“ beinhaltet Fotos aller auf der gleichnamigen Doppelausstellung gezeigten Werke. Er ist zum Preis von 24,95 Euro im Bergbaumuseum Oelsnitz erhältlich.