Mundart-Lyrik für sonnigere Tage

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Monika Tietze aus Crottendorf ist zu jeder Jahreszeit ein Fan der Natur un d bildet sie in Mundart-Gedichten ab. Foto: Christof Heyden

Mit dem Einzug der kälteren Jahreszeit legt Monika Tietze jetzt Leselektüre vor, in welcher die Crottendorferin in erzgebirgischer Mundart ihr Herz für die zurückliegenden Sonnentage schlagen lässt.

Crottendorf. Mit ihrem Büchlein „Wenn när noch wing Sommer wär“ dürfte sie eine aufgeschlossene Leserunde sowohl für die nun verblühten Wonnemonate als auch ihre literarischen Zeilen erwärmen. „Es ist das erste Bändchen, in welchem ich meine Arbeiten einmal zusammengestellt habe“, freut sich Monika Tietze. Die hat sich damit selbst einen spätsommerlichen Wunsch erfüllt, der sie seit Jahresbeginn 2017 intensiv beschäftigt habe.
So manchem Einheimischen ist die Autorin als Herrenschneiderin bekannt, führt sie in der Erzgebirgsgemeinde einen bei Kunden geschätzten Familienbetrieb. Doch über Ortsgrenzen hinaus wissen Kulturinteressierte, dass die 60-Jährige nicht nur mit Nadel und Faden gelungene Stiche zu setzen versteht.

Auch mit Buchstaben und Satzzeichen versteht die Meisterin geschickt zu hantieren. Das heimische Gemeindeblatt setzt auf deren Zuarbeiten im heimischen Zungenschlag genauso, wie diverse Publikationen des Erzgebirgsvereins regelmäßig Beiträge der Autorin veröffentlichen. An verschiedenen Gemeinschaftsprojekten der Erzgebirgsautoren ist Monika Tietze seit geraumer Zeit erfolgreich beteiligt. Zur jüngsten Schreibwerkstatt für Mundartbegeisterte gestaltete die Crottendorferin ein Seminar, gab anderen Hobbyschreibern der Region Tipps für ihre Freizeittätigkeit. 2014 wurde das Schaffen von Monika Tietze mit einer Sonderehrung des renommierten Kammweg-Literaturpreises gewürdigt.

„Gedichte und Geschichten in erzgebirgischer Mundart“, heißt das Werk im Untertitel. „Auf 72 Seiten habe ich 68 Arbeiten zusammengetragen und mit selbst gefertigten Fotos bebildert“, sagt die musisch interessierte Zeitzeugin. So reichen heuer die Geschichten von „An Afang vun enn neie Gahr“ bis hin zum „Weihnachtslichtle“. Neben Stift und Papier gehört ein Fotoapparat zu ihren unentbehrlichen Begleitern. Nicht nur mit geschultem Blick durch die Linse fängt sie die Schnappschüsse für ihre Wortbeiträge ein. „Per Videofunktion halte ich auch schon einmal Ideen fest, bin ich unterwegs, damit ich sie nicht vergesse.“ Unter der Woche bleibe kaum Muse, sich schreibend zu vertiefen, erklärt Monika Tietze. „Zumeist Sonntag früh bleibt mir die Ruhe, zu schreiben. Dafür bedarf es der Rast, des Innehaltens.“

Dank dieser Eigenheit, aus dem Alltagsstress herauszutreten bleibt ihr Auge auch an den kleinen Dingen des Lebens haften, die den Alltag eher unscheinbar bereichern. Sie erfreut sich an einer tüchtig sprießenden Blume genauso, wie sie die pfiffige Tierwelt schätzt oder liebenswerte Eigenheiten der Mitbürger aufgreift. Die Jahreszeiten bilden den strukturell roten Faden des Büchleins, den Monika Tietze mit ihren Naturbeobachtungen und persönlichen Erlebnissen, vor allem aber mit ihren Empfindungen verwebt. Die Lebensumwelt macht für sie den Sinn zu Reimen.

„Ich lausche mich hinein“ nennt sie ihr Arbeitsprinzip. Schon mit einem Blick aus dem Fenster der Schneiderwerkstatt hat sie, die über einen grünen Daumen verfügt und Gartenarbeit als weitere große Leidenschaft bezeichnet, ihr künstlerisches Futter. Eigentlich keine Blume oder Obstpflanze, die sie nicht in einem Vers zu beschreiben versteht.
„Im hektischen Alltagsgetriebe gibt mir schon der Gang in den eigenen Garten einen Ausgleich. Dabei bedarf es nicht einer spektakulären Sache. Eine Hummel erfreut mich mit ihrem Brummen genauso, wie die Farbenpracht eines Schmetterlings. Diese, meine Begeisterung, versuche ich in Worte zu fassen.“ Mit feinsinniger Wortwahl versteht Monika Tietze ihre Themen zu lyrisch blühenden Zeilen zu formen. Bleibt abzuwarten, wie begeisterungsfähig sich Leser auf das Spätsommererlebnis einlassen.