Bei spätsommerlich warmen Temperaturen strömten am 20. und 21. September 2025 über 1300 Besucher in das Kulturzentrum Erzhammer, um die traditionsreiche Veranstaltung zu feiern.
Annaberg-Buchholz. Die 36. Annaberger Klöppeltage überzeugten einmal mehr mit einer beeindruckenden Vielfalt und Kreativität rund um die Kunst des Klöppelns. Das Erzgebirge zählt mit rund 20.000 aktiven Klöpplerinnen und Klöpplern zu den wichtigsten Klöppelregionen Deutschlands. Bei den Annaberger Klöppeltagen wurde erneut sichtbar, wie lebendig und facettenreich diese Kunstform heute ist. Die inzwischen europaweit etablierte Veranstaltung bot erneut ein abwechslungsreiches Programm mit faszinierenden Einblicken in die Klöppelkunst. Besucher konnten sowohl kunstvolle Spitzenarbeiten aus Garn, Draht und weiteren Materialien bestaunen als auch live bei der Entstehung dabei sein.

Ein besonderer Höhepunkt war auch in diesem Jahr die Verleihung der Goldenen Spitze für das Lebenswerk. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Gerlinde Wolf aus Schwarzenberg. In der Laudatio würdigte Steffi Schneider, Leiterin der Volkskunstschule des Erzgebirgskreises in Schwarzenberg, die Verdienste von Gerlinde Wolf und ihre wichtige Rolle in der Klöppelkunst und -gemeinschaft, besonders im Hinblick auf die Weitergabe und Vermittlung des Klöppelhandwerks im Erzgebirge.
Im Mittelpunkt der Klöppeltage stand auch 2025 der traditionelle Klöppelwettbewerb, der in diesem Jahr unter dem Motto „Lichtspiele“ ausgetragen wurde. Angesichts der außergewöhnlichen Vielfalt der eingereichten Werke stand die Jury vor einer besonderen Herausforderung. Die Arbeiten verbanden Licht, Struktur und Material in eindrucksvoll poetischer Form. Die Jury – bestehend aus Birgit Engel (Vorsitzende Sächsisch-Erzgebirgischer Klöppelverband), Janka Sprunk (Designer und internationale Fachexpertin) sowie Marion Riesche (Klöppellehrerin)– wählte schließlich folgende Arbeiten aus:
Platzierung Wettbewerb „Lichtspiele“ 2025
Kategorie „Nachwuchsarbeiten Kinder und Jugendliche“
Platz 1: Dienstags-Kinderklöppelgruppe Erzhammer, Leitung Manuela Fischer – „Was eine Taschenlampe doch so zaubern kann“
Platz 2: Kinder- und Jugendklöppelgruppe Geyer
im Schnitz- und Klöppelverein Thum e. V., Leitung Heike Kluge – „Abends am Meer“
Platz 3: Kinderferienklöppeln – Klöppelgruppe Grünhainichen, Leitung Renate Wolf – „Licht, Lichtspiele“
Kategorie „Erwachsene Einzelarbeiten“
Platz 1: Heike Kluge (Geyer) – „Zwischen Tag und Nacht“
Platz 2: Angelika Pischke (Erfurt) – „Lasershow“
Platz 3: Rosemarie Heideck (Erfurt) – „Sonnenuntergang“
Kategorie „Erwachsene Gemeinschaftsarbeiten“
Platz 1: Freitagsklöppelgruppe Stollberg – „Es war einmal – Romanze in s/w“
Platz 2: Gruppe unter Leitung von Helena Müllerová (Prag) – „Merry-go-round“
Platz 3: Gruppe unter Leitung von Angelika Pischke (Erfurt) – „Lichtspiele“
Zusätzlich wählte das Publikum seine Favoriten zum „Publikumsliebling“:
In der Kategorie „Publikumsliebling Erwachsene“ wurden Undine Scheinpflug und Ramona Kriwaczek aus Niederlauterstein/Marienberg und Olbernhau für ihre „Trilogie der Lichtspiele über Wasser, Stein und Schnee“ ausgezeichnet. In der Kategorie „Publikumsliebling Nachwuchsarbeiten Kinder und Jugendliche“ wurde das Werk „Abends am Meer“ der Kinder- und Jugendklöppelgruppe Geyer im Schnitz- und Klöppelverein Thum e. V. gewählt.

Begleitet wurde der Wettbewerb von mehreren besonders eindrucksvollen Sonderausstellungen:
Die diesjährige Personalausstellung zeigte erstmals die Arbeiten von Heike Müller-Otto aus Crinitzberg, die mit großer Finesse die filigrane Kunst der Spitze in exklusiven Schmuck zum Strahlen brachten. Ein weiterer Höhepunkt war die Präsentation historischer Spitzen aus dem Vereinigten Königreich, eine wertvolle Schenkung von Lia Baumeister-Jonker, die die Besucherinnen und Besucher in vergangene Zeiten entführte. Begeisterung weckte auch das kreative Mitmachprojekt mit Butzenscheiben für die Burg Abenberg, liebevoll aufgearbeitet von Irena Ring.
Internationale Akzente setzte die Ausstellung „Spitzenideen“ aus dem tschechischen Heimatmuseum Chomutov sowie die Präsentation der jungen Textildesign Marketa Fabianková aus Brünn, die den Blick über die Grenzen hinweg öffnete und neue Inspirationen schenkte.
Auch das Rahmenprogramm der Klöppeltage bot vielfältige Möglichkeiten. Besonders gefragt war der Kurs „Klöppeln untertage“ im Besucherbergwerk Markus-Röhling-Stolln, bei dem Schmuckstücke aus Edelstahldraht entstanden. Darüber hinaus luden zahlreiche weitere Kurse zum Mitmachen ein. Stadtführungen und Fachvorträge ergänzten das Angebot, darunter ein Vortrag von Janka Sprunk zur Entwicklung der Klöppelkunst von den Anfängen bis heute.
Mehr als 50 Klöpplerinnen und Klöppler aus dem sächsischen und böhmischen Erzgebirge zeigten ihr Handwerk. Zudem boten 24 Verkaufsstände mit Klöppelbriefen, Garnen und Zubehör viele Gelegenheiten zum Stöbern und Einkaufen.

Neues Thema kommender Klöppeltage steht fest
Die 36. Annaberger Klöppeltage haben erneut gezeigt: Klöppeln ist weit mehr als eine Tradition – es ist eine lebendige, inspirierende Kunstform. Das Kulturzentrum Erzhammer dankt allen Teilnehmenden für ihre kreativen Beiträge und freut sich schon jetzt auf die nächste Auflage dieser einzigartigen Veranstaltung. Das neue Thema des Jahreswettbewerb wurde bereits am Sonntag veröffentlicht und lautet „GRUNDverschieden“. (Daxecker)





