Auch in Augustusburg heißt es: Wu de Walder haamlich rauschen

Im Erzgebirge feiern die Einheimischen den 150. Geburtstag des Heimatdichters und Volksängers Anton Günther. Vielerorts wird dessen Lebenswerk gedacht. Auch in hiesiger Flur erinnert ein ehrgeizig sanierter Gedenkstein an den Liedermacher.

Augustusburg/ Flöha. Was lange währt, wird doch noch fertig- unter dieser Devise legte Rainer Hollstein mit einer Handvoll Enthusiasten in zurückliegenden Tagen Hand am Anton Günther Gedenkstein oberhalb des Zschopauflusses an. Der bedurfte der Aufarbeitung, hat doch der Zahn der Zeit vor allem mächtig an einem den Volkssänger abbildenden Relief genagt. Mit Drahtbürste, Harke und Besen, aber auch Gartenerde, Wasserkanister und einem Blumensortiment rückte er mit Familie Angelika und Enrico Schmidt dem Erinnerungsort zu Leibe. Die Natursteine wurden geputzt, die ihnen zu Füßen liegende Einpflanzung erneuert, Unrat beseitigt, ausgefallene Steine einer Stützmauer ersetzt. Mit den gärtnerischen Arbeiten fand eine zweistündige ehrenamtliche Aktion zu Mittag ihr Ende, die bereits Wochen zuvor ihren Anfang genommen hatte.

Rainer Hollstein pflegt die kleine Erinnerungsstätte im Augustusburger Forst. Foto: Christof Heyxden

Mit Rolf Büttner konnten die Initiatoren einen Künstler gewinnen, der sich des Reliefs annahm. Dabei schuf der Erdmannsdorfer als Bildhauer ein neues Bildnis in spezieller Formmasse. In verschiedenen Etappen, von der Suche nach einer zeitgenössischen Abbildung bis hin zum Gießen einer Gussplatte, in die Büttner das Konterfei des gebürtigen Gottesgaber Musikers modelliert hatte, stellte der Leiter der Volkskunstschule Oederan den wichtigsten Part des Vorhabens her. Bereits in der letzten Maiwoche setzte Rolf Büttner das neue Bildnis in die Erinnerungsstätte ein. In dieser Zeit hatte auch Ronny Hanke das Maß für die Ablage einer Einpflanzung genommen und die Einfassung aus Metall neu angefertigt. Ein Jahrzehnte alter Blechkastens war mittlerweile ebenso reparaturbedürftig.   

„Seit 15 Jahren ist mir diese kleine Erinnerungsstätte im Forst bei Augustusburg bekannt“, so der gebürtige Burkhardtsdorfer, der seit 2005 in Flöha lebt. „Gern wandernd, führt mich meine Route regelmäßig an diesen idyllischen Waldflecken, rund drei Kilometer von meinem zuhause entfernt. Seit rund sieben Jahren bemühte ich mich, Unterstützer für eine Initiative dafür zu starten, das Natursteinwerk, insbesondere die Bildtafel aus Sandstein mit dem zunehmend ausgewaschenen Konterfei des Anton Günthers, zu erhalten“, so der 81-Jährige. Regelmäßig kümmert er sich um den kleinen Naturschauplatz, hält in sauber.

Rolf Büttner hat das neue Bildnis nach einer historsichen Vorlage geschaffen. Foto: Christof Hexden

„Meine Nachfragen führten mich anfangs ins Flöhaer Rathaus, doch da der Gedenkstein offiziell auf Augustusburger Gebiet steht, galt es Bürgermeister Jens Schmidt zu konsultieren. Die Kommunalpolitiker bekundeten ihr Interesse, doch eine konkrete Lösung insbesondere für das Relief fand sich zunächst nicht“, so Rainer Hollstein. „Die sahen angesichts des fehlenden finanziellen Spielraums keine Reparaturmöglichkeiten.“

Dessen intensivierte Suche und ein Zeitungsbericht trugen dennoch Früchte. Dabei erwies sich das sportliche Netzwerk in Flöha als gewinnbringend. In Sportsfrau Angelika Schmidt fand Hollstein eine aufgeschlossene gut vernetzte Ansprechpartnerin. „Die hatte auch unsere Aktionen zur Verschönerung des städtischen Anblicks verfolgt, wusste davon, dass wir beispielsweise Bänke im Forst aufgestellt hatten. Also suchte sie zu mir in der gemeinsamen Sportgruppe den Kontakt“, berichtet Katja-Doris Hauser von der örtlichen Wählerinitiative WIFF Flöha/Falkenau. „Wir sehen in dem Bemühen um das Kleinod einen gelungenen Beitrag, ein Stück Heimatgeschichte zu pflegen“, so die Finanzverantwortliche der Vereinigung, die durch die Zusage, sich finanziell an Unkosten für das Vorhaben zu beteiligen, nachhaltig zum Gelingen beiträgt.     

Rolf Büttner bringt das neue Relief an, passt es ein. Foto: Christof Heyden

Max Oettel und Curt Schönherr gelten als Errichter des Gedenksteins. Einen Hinweis bietet der auf dem Gedenkstein eingeritzte Name „C. Schönherr“. Zeitzeugen erinnern sich, das vermutlich 1952 an mehreren Wochen die beiden hinaufgezogen sind, um die Stätte anzulegen. „Max Oettel, der wohl das Kopfbild-Relief Anton Günthers auf dem Felsbrocken gestaltet hat, lebte wie ich heute in Flöha“, so Rainer Hollstein.

„Jetzt sind noch kleine Nacharbeiten und schließlich eine gesellige Runde zum Finale geplant. Ich freue mich, bedaure indes, dass es so viel Zeit bedurfte.“ (hy)

Bereits 0 Mal geteilt!

WEITERE BEITRÄGE AUS DIESER KATEGORIE

Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

Beiträge mit ähnlichen Schlagwörtern