Auf Schuster Rappen und ein Mundart-Lied auf den Lippen

Die Erzgebirgische Liedertour verbindet die heimische Kultur- und Natur auf einzigartige Weise. Deren 16. Auflage zwischen Pöhla und Markersbach startete am vorletzten August-Sonntag. Mit dabei Eberhard Mädler, der die Route für etv unter die Füße nahm und auf 15 Kilometern und an neun Stationen spontane „Notizen am Wegesrand“ sammelte.

Pöhla/Markersbach. Das Zinnkammern-Besucherbergwerk bot mit seinen riesigen „Glück Auf“-Lettern im Großschwibbogen einen perfekten Startpunkt. Passend standen die „Radon Boys“ hier erstmals auf der Tour-Bühne. „Zur Premiere der Liedertour hatte ich auch schon mitgemacht“, erinnert sich Sänger Michael Schönfelder aus Großrückerswalde „aber bei `ner anderen Gruppe!“ Erzgesellen-Musiker Thomas Seidel freut sich, dass die Tour wieder im Westerzgebirge gastiert. „Früher musste man ja bis Wladiwostock, um dabeizusein“, so der Carlsfelder augenzwinkernd zur Begrüßung Punkt 10 Uhr.

Andreas Riedel, 2.v.l. und Co musizieren. Foto. Eberhard Mädler

Da wurden die Parkplätze bereits knapp und die Wandergruppen größer. Für die meisten ging es in Richtung der Wiese am Schäfereigut weiter. Nur einen Steinwurf entfernt von dort wuchs Haike Haarig auf. Für die jetzige Dresdnerin war ihr Auftritt eine bewegende Heimkehr: Sie brillierte im Duo Roter Mohn durch „Chansons vom Orient bis Paris“.

Derweil quoll der Biergarten des nahen Ephrahim-Hauses schon am Vormittag förmlich über. Am Wirtshaus im entlegenen Wiesengrunde musizierte das „Barggeschrei“ aus Oberwiesenthal. „Es gibt eine wachsende Rückbesinnung auf Mundart“, freute sich Mitstreiter Frank Thiemer. Die Helfer des Fördervereins „Villa-Baldauf“ hatten derweil an ihrem Infostand eine treue Bewachung … durch ihre Pudeldame Lilli aus Pockau-Lengefeld.

De Ranzn aus Buchholz in Aktion. Foto: Eberhard Mädler

Danach standen drei Kilometer Steilstrecke an – ohne Handyempfang und ohne Aussicht auf „Schwamme“. Pilzsucher Roy Georgi mit Blick in seinen leeren Korb: „Dabei ist die Mondphase gerade so günstig!“ Gute Aufnahmen für einen Magazin-Beitrag im Regionalfernsehen sammelte Frank Langer an der Station Bärskammweg. „Um alles zu filmen, darf ich die Runde mit dem Enduro-Motorrad abfahren“, sagt der Marienberger.

An der Hundsmarter-Einkehr am Fuße des Oberbeckens vom Pumpspeicherwerk Markersbach musizierte der Bandonionverein Carlsfeld. Zu dessen Überraschung schwangen Katrin und Klaus Müller zu Tangomelodien das Tanzbein. „Leider hatten wir nur die Wanderschuhe dabei“, ärgerte sich das Auerbacher Paar. Schmunzeln und mitsingen konnten sie und das Publikum danach zum Schneeschuhfahrer-Marsch mitten im Sommer.

Freie Fahrt für Schusters Rappen. Foto: Eberhard Mädler

Beim Abstieg aus 850 Höhenmetern lockte der versteckt liegende Almhof mit zünftigem Bedienungspersonal – in Lederhosen und Dirndl. Die gute Laune steuerte die Hauskapelle von Heiner Stephani bei, der alle bisher 16 Auflagen mitgestaltete. „Es können gerne nochmal 16 Stück werden“, so das Liedertour-Urgestein aus Olbernhau.

„Ausverkauft“ waren spästens 15 Uhr Kuchen und Melonen an der Wanderbank-Station. „Man kann halt schwerlich genau planen“, so Regina Vogel vom Erzgebirgszweigverein Raschau. Gemüse-Dips und insgesamt 500 Roster langten bis zum Abend, bis in den hinein der Buchholzer Jörg Heinicke & Freunde fröhlich musizierten.

Das Wandern ist der Erzgebirger Lust, Foto: Eberhard Mädler

Zugaben wurden ebenso von den Hundshübler Konzertinafreunden und De Ranzn aus Annaberg „erklatscht“, womit für sie am Sportplatz Pöhla erst 17.30 Uhr „Feierobnd“ war. Den gab es gleich daneben in der Schanzen-Arena schon „pünktlich“ 17 Uhr – mit Ausblick auf die 17. Erzgebirgische Liedertour. Selbige wird dann rund um Geyer am 15. August 2027 wieder Kul- und Natur verbinden. 

Zu den Klängen der Carlsfelder Bandonionfreunde wurde auch das Tanzbein geschwungen. Foto: Eberhard Mädler

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