In Falkenau steigt das Premierenfieber: Vorhang auf! heißt es drei Mal am kommenden Wochenende für die neueste Inszenierung des hiesigen Sommertheaters. Für turbulentes Geschehen sorgt diesmal eine Seniorenwohngemeinschaft.
Falkenau. Der demografische Wandel im Lande geht auch an den Akteuren des Sommertheaters nicht vorbei. Haben die Mimen zurückliegend Fernsehshow und Familienkrimi, Wendezeiterlebnisse und Windkraft ins Rampenlicht gerückt, arbeiten sich die Falkenauer heuer am Altwerden ab.
Ihre 15. Inszenierung spiegelt das Geschehen in einer Seniorenresidenz wider. Diese, in Mittelsachsen gelegen, ist keine gewöhnliche Behausung für einst schwer arbeitendes Volk. Vielmehr verleben spezielle Typen ihren finalen Lebensabschnitt in der gehobenen Wohngemeinschaft.

Da wäre das begüterte Ehepaar als Besitzer eines Weinbergs, die sich tagtäglich mit den verbliebenen Vertretern der Flower-Power und Woodstock-Generation um den Frühstückstisch streiten. Oder die ewigen Schwerenöter Willy und Harry, die hochbetagt den Schwestern und Mitbewohnerinnen liebeswürdig-aufdringliche Avancen unterbreiten, aber auch jene dementen Zeitgenossen, die längst die örtliche und terminliche Orientierung verloren haben. Der unfreiwillig ausgeübte Frühsport bestimmt genauso den Tageslauf, wie die gemeinsame morgendliche Zeitungsschau und das beaufsichtigte Medikamente-Einnehmen oder die obligatorischen Gruppentherapie-Gespräche zu Allerweltfragen.
In dieser scheinbar routinierten Gemengelage kommt es zu Konflikten, ja ungeheuerlichen Situationen. Die gipfeln im Inspektionsbesuch der Heimaufsicht in Person von Frau Müller-Reinhardt. Spätestens im Moment ihres unangemeldeten Kommens und dem Griff zur Kühlschranktür des im Wohnbereich platzierten Aggregats, kulminiert das Betreuungsgeschehen. Ein Eierlikör gefüllter Flachmann purzelt da samt knackiger Schokobecher heraus. Und als sich der mitbewohnende Urologe Dr. Engelbert Langhans ausgerechnet in die Bluse der Behördendame übergibt, erreichen die Blutdruckwerte in der Wohngemeinschaft Höchstwerte. Die Handlung nimmt ihre turbulente Fahrt auf.

„Wir nehmen das Sozialwesen ins Visier, schauen der reiferen Generation über die Schulter. Und klar werden dabei Aspekte überhöht“, erklärt Manja Mann, die erneut als Autorin und Regisseurin agiert. „Wir spüren nach, wie lebenswert dieses nicht immer selbst gewollte Miteinander ist, wie viel Platz für Selbstbestimmung in einer Gemeinschaft bleibt. Welchen Freiraum haben lebenserfahrene Bewohner, denen der Tageslauf genauso vorgeschrieben wird, wie die Dosierung ihrer Medikamente und wo Verbote, etwa das Untersagen von Genussmitteln, die Hausordnung ausmachen.“
Schaulustige dürfen sich auf eine fast dreistündige Aufführung des Zweiakters mit dem Titel „Chaos, Charme und erste Falten“ freuen. „Das Naturbad im Zechengrund bildet erneut die Kulisse unserer drei Aufführungen im 17. Vereinsjahr. Allein für die Sonntagveranstaltung sind noch Restkarten verfügbar“, so Manja Mann. Gespielt wird bei jeder Wetterlage. Aktuell pflegen 16 Akteure das ehrgeizige Hobby im elften Jahr des Bestehens des Vereins (hy)






