Schnüren, bis die Luft wegbleibt

Korsett und Emanzipation heißt der Titel der kommenden Sonderschau im Museum Die Weberei Oederan. Die Ausstellungmachenden um Leiterin Michaela Kruse rücken das ungezählte Frauengenerationen bekleidende Leibstück als Versteifungsutensil in den Fokus.

Oederan. Dabei gilt ihr Interesse aber mehr als dem Modegeschmack im Wandel der Zeiten, sie sehen in dem die Körperform bildenden Unterkleid vielmehr ein textiles Zeitstück, welches Frauen dem gesellschaftlichen Zeitgeist verpflichtet, bis zur Atemlosigkeit einschnürt und in ihrer Intention sinnbildlich für deren Mitwirkungsmöglichkeiten und Moment der Selbstbestimmung einengt.

„Das Korsett formt die Frau nach bestimmten Idealmaßen, modellierte den Körper wie eine lebendige Skulptur“, so die Oederanerin. „Doch hinter der eleganten Fassade verbirgt sich Zwang. Es schränkt nicht nur die Bewegungsfreiheit der Frauen ein und setzt sie dessen Struktur geschuldet, einem eher massiven Mitwirken aus. Es steht für ein Schönheitsideal, das Natürlichkeit aber eben auch das gesellschaftliche Engagement einschränkt und Frauen im Privaten sieht.“

Michaela Kruse und Andreas Seltmann bauen die Ausstellung Korstell & Emanzipation auf. Foto: Christof Heyden

Mit der Ausstellung wollen die Gastgeber die enge Verbindung von Kleidung, Körperbild und gesellschaftlicher Stellung beleuchten. „Wir rücken kluge, emanzipierte Frauen ins Rampenlicht, die die mit dem Schönheitsideal verbunden Zwänge aufgebrochen haben, die sich mutig und unabhängig vom der Männerwelt geformten Weltbild widersetzten. Stellvertretend mit Persönlichkeiten wie Louise Otto Peters, Henriette Goldschmidt und Auguste Schmidt skizzierten wir, wie diese im 19. Jahrhundert die Frauenrechtsbewegung begründeten und damit Grundlagen für einen langen, bis ins heute anhaltenden Weg zur Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern in Bewegung brachten. Man denke etwa daran, dass in der Bundesrepublik Frauen noch die Zustimmung des Ehemannes bedurften, um einer Arbeit nachzugehen.“

Die Ausstellung widmet sich der Geschichte der Textilien und Frauenbewegung zugleich. Foto: Christof Heyden

In der Schau widmen sich die Gestalter dem Aspekt von Mode und Politik, sie porträtieren die engagierten Vorreiterinnen und Etappen dieses Werdegangs. Sie wollen Konflikte und den schweren Werdegang verdeutlichen, wie sich Frauen in der Ehe, im Studium und in der Erwerbstätigkeit die Akzeptanz erarbeiteten, es selbstverständlich wurde, selbst für den Broterwerb zu sorgen. „Das schafften sie als starke Persönlichkeiten und in einem Netzwerk der Frauen aber auch um umsichtiger Männer“, so Kruse. Reizvolle Schaustücke verdeutlichen den Modeaspekt, geben aber auch den Anstoß, sich des komplexen Themas zu nähern.

Die Schau berichtet von Vorreiterinnen der Emanzipation: so der ersten Frauenärztin Deutschlands Hermine Heusler-Edenhuizen. Foto: Christof Heyden

Die Sonderausstellung Korsett & Emanzipation ist vom 14. Juni bis 13. September 2026 zu sehen. Sie ist eine Gemeinschaftsvorhaben zwischen Kerstin Hopfensitz, Kuratorin der Ausstellung Körper.Gefühl.Freiheit in Stuttgart, dem Miedermuseum in Heubach (Baden-Württemberg) der Loise-Otto-Peters-Gesellschaft in Leipzig und dem Museum die Weberei Oederan. (hy)

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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