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Wenn im Stadtmuseum Tabak verschnitten wird

Die ZeitWerkStadt Frankenberg war gefragter Treffpunkt für Schaulustige zur 24. Auflage des Tages des traditionellen Handwerks. Das Erlebnismuseum brachte Gewerke verschiedener Epochen mit wissbegierigem Publikum zusammen.

Frankenberg. Ein glühendes Schmiedefeuer wurde am Wochenende ungeachtet feucht-kühler Herbsteinlagen im Komplex der ZeitWerkStadt Frankenberg geschürt. Zum Tag des traditionellen Handwerks gestalteten die Akteure des Vereins Mittelalterliche Bergstadt Bleiberg vor den Toren des reizvollen Erlebnismuseums einen thematischen Gastbeitrag.

Werden in der Ausstellungshalle am Zschopauufer die Anfänge der Industriegeschichte in der Garnisonsstadt und regionale Erfindungen des 19. und 20. Jahrhunderts in den Blickpunkt gestellt, gaben die Zeitreisenden den Besuchern auf spezielle Weise Einblicke in Jahrhunderte alte Handarbeitstechniken. So verfolgten Wissbegierige den Schmied bei seiner hämmernden Arbeit, wurde Gästen die Herstellung von Seilen oder Schmuck vorgeführt.  

Schauplatz des Tags des traditionellen Handwerks war die ZeitWerkStadt Frankenberg. Die Bleiberg-Siedler bringen die Gerätschaften für Schmied, Seiler ua. Gewerke heran. Foto: Christof Heyden


Im Foyer des Zeitwerkstatt hatten zudem Mitglieder des hiesigen Heimatvereins zeitweilig einen speziellen Werktisch aufgestellt. Diesen nutzten Daniela Brode und Dietmar Palm als Arbeitsplatz und demonstrierten vor Schaulustigen eines der ältesten und wichtigsten Gewerke der früheren Barkasstadt: die Zunft der Zigarrenmacher. Erstmals bereicherten auf diese Weise die Mitglieder mit ihrer praktischen Vorführung das dazu im Museum gesammelte und per Schaustücke vorgestellte Gewerk.

„1842 suchte Kaufmann Friedrich Eduard Richter für sich und seinen Bruder Albrecht nach einem lohnenswerten Beruf“, berichtete Dietmar Palm. „Unter dem Eindruck, damals soeben 250 Stück Zigarren von schlechter und nicht rauchbarer Qualität bei einem Tabakfabrikanten gekauft zu haben, fiel der Entschluss, selbst bessere herzustellen. Die Firma und die Zunft wurden begründet, Generationen von Einheimischen verdienten sich den Tabak in Form bringend den Lebensunterhalt“, so der Vereinsvorsitzende. Der verweist darauf, dass nahezu jeder Frankenberger Familie noch bis heute in Beziehung zu dieser Handwerkskunst steht. „Doch die Zahl derer, die Zigarren auch für derart Schauzwecke herstellen können, ist auf gerade einmal eine Handvollgeschrumpft. In den 1970er Jahren hatte es für diesen Berufszweig ausgedampft.“  

1916 gilt als Höhepunkt im Werdegang dieses Zweigs. Mit 29 Betrieben und 1.601 Arbeitern war jeder 9. Einheimische hier tätig. Die Chronisten wissen zu berichten, dass dieser Beruf auch für Frauen und Töchter der Arbeiter sowie Gebrechliche durch sein Tätigkeitsprofil eine zusätzliche Erwerbsmöglichkeit bot.

Schauplatz des Tags des traditionellen Handwerks war die ZeitWerkStadt Frankenberg. Den Aktionstag wussten Alexander, links und Michael aus Crimmoitschau zu schätzen, krabbelten auch unter die ausgestellte Fahrzeugtechnik. Foto: Christof Heyden

Mit den zum Aktionstag real ausgeführten Handarbeitsbeiträgen wurde dem generationenübergreifenden Publikum ein alle Sinne ansprechendes Erlebnis geboten. Schauen, anfassen, hören, riechen und sogar schmecken hieß die Devise. Unter den heutigen eigenen Markennamen Frankenberger Stumpen und Rittergut findet das nur in kleinster Stückzahl selbstgedrehte Genussmittel seine Abnehmer.  

Der Aktionstag als auch der Schauwert der ZeitWerkStadt kam bei einer auch überregional anreisenden Gästeschar sehr gut an. Neben Dresdner, Jenaer und Altenburger Besuchern machte auch eine Mutti-Runde mit Kindern und Enkeln aus Crimmitschau ein Wochenende vor Ort verweilend Halt. Die Jungs Alexander und Michael wussten besonders die Gelegenheit zu nutzen, die Technik einmal anzufassen und rutschten wagemutig wie Kfz-Fachleute auf Rollbrettern unter die aufgebockten Kleintransporter zu Fahrzeuginspektion.        

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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