Hunte als Sympathieträger der Bergbautradition

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In Waschleithe hat Marko Klotz seine Liebeserklärungen auf dem Hof stehen: Bergbau und Fußball in Aue. Foto: Christof Heyden

Ehrenfriedersdorf. Nicht erst mit Zuerkennung des Unesco-Welterbetitels Montanregion Erzgebirge im Juli 2019 zeigen sich die Einheimischen zwischen Altenberg und Zwickau als dem Bergbau und den wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen der Vorgängergenrationen zugewandte Zeitgenossen. Noch vor den unterdessen initiierten Marketingkampagnen und welterbebasierten Fördermittelinitiativen wussten die Erzgebirger überlieferte Elemente des bergmännischen Brauchtums zu pflegen und den Werdegang einer Region mit pfiffigen Aktionen darzustellen.

So wundert es längst nicht mehr, dass vielerorts so mancher Erzgebirger auf den Hunt gekommen ist. In Vorgärten, an Straßenkreuzungen, in Museen, auf Firmenplätzen und natürlich an den 22 Standorten der Montanregion finden sich Exemplare das ältesten vierräderigen Fördergefäßes, das im Bergbau angewendet wurde.
Fachleute nennen den Förder-, Auslauf-, Gruben-, Stollen- oder Berghunt. Einst als unentbehrliches Arbeitsmittel des Alltags ungezählt verfügbar, sind Hunte indes kaum noch zu beschaffen. Es bedarf pfiffiger Überlegungen und eines belastbaren Beziehungsgeflechts, heute derart rares Gut aufzufahren. Kenner der Szene wissen, dass für jene einst bei Bergbaubetrieben wie in Ehrenfriedersdorf, Lengefeld oder Bad Schlema ausrangierten Karren unterdessen vierstellige Euro-Preise aufgerufen werden.

Ja, für die Falkenauer in Mittelsachsen war die Beschaffung eines Huntes eine Kraftanstrengung, die von Mike Glöckner initiiert worden war. Foto: Christof Heyden

Hunte wurden über mehrere Jahrhunderte im Bergbau zur Förderung der gewonnen Mineralien eingesetzt. Bis dahin wurde mit Trögen, Körben oder Laufkarren gefördert. „Die Herkunft der Bezeichnungen „Hunt“ oder „Hund“ ist demnach nicht eindeutig geklärt“, stellt Heino Neumann, 2. Vorsitzender des Vereins der sächsischen Bergmanns-, Knappen- und Hüttenvereine fest. Überliefert ist, dass die im Mittelalter verwendeten Hunte aus Holz beim Schieben durch den Huntstößer auf den Spurlatten besonders in Kurven ein bellendes Geräusch verursacht haben sollen.

Der Begriff wird auch im Zusammenhang mit dem alten Maß Hund genannt, welches einer Menge von 100 Körben entspricht. Eine andere, wissenschaftlich nicht zu untermauernde Erklärungsversion der Herkunft des Wortes „Hunt“ ist die Ableitung aus dem slowakischen Wort „hyntow“ für Wagen sein. „Bergleute waren mobil, sind über Ländergrenzen unterwegs gewesen, so sind sprachliche Eigenheiten ineinander geflossen“, so der Oelsnitzer. 

In Ehrenfriedersdorf hat Stadtgärtner Ronny Meyer zwei Hunte in Pflege, gemeinsam mit Sandra Drechsler pflegt er die Pflanzen, drei Mal wird im Jahr umdekoriert. Foto: Christof Heyden