Gedanken kennen keinen Lockdown

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Kulturmanagerin Constanze Ulbricht hat gut Lachen. Zwei dicke Ordner mit Beiträgen von 40 Autoren sind das Resultat der 12. Auflage des Nachwuchsliteraturwettbewerbs Erzgebirge. Foto: Christof Heyden

Der 12. Nachwuchswettbewerb für junge Autoren des Erzgebirges hat mit dem Juryurteil sein Finale gefunden. So erfreulich die Resonanz, die Preisträgerveranstaltung am 14. März muss jedoch abgesagt werden.

Marienberg. Die Preisträgerentscheidung zur 12. Auflage des Literatur-Nachwuchswettbewerbs „Trau Dich“ für junge Autoren im Erzgebirge ist gefallen. Mit Kristin Liebscht aus Schlettau spricht die Jury einer 14-jährigen Autorin den Hauptpreis zu, die mit ihren Beiträgen in allen drei Kategorien punkten konnte. Bereits im Vorjahr sicherte sich die Erzgebirgerin den Siegertitel im Bereich Mundart.  Unter den insgesamt 16 von der Jury vergebenen Haupt- und Förderpreisen geht der für Lyrik an Hannah Linke aus Bieberstein, Ondine Anfelder aus dem Kurort Oberwiesenthal darf sich über den Hauptpreis im Genre Epik freuen.  

Insgesamt 40 Einsendungen wurden von jungen Leuten zwischen zehn und 21 Jahren der Jury eingereicht. Sie kommen aus dem gesamten Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen, so Stützengrün, Aue-Bad-Schlema, Stollberg, Raschau-Markersbach und Oberwiesenthal, wie auch aus Hilmersdorf, Flöha, Freiberg oder Biberstein. Selbst aus Berlin kam eine Einsendung. Hier war eine Enkelin bei Oma und Opa in den Ferien zu Besuch im Erzgebirge und hat von unserem Aufruf erfahren.

Die Corona-Pandemie erwies sich im Zuge des vorgegebenen Themas „Von der Seele schreiben“ als das die jungen Autoren aktuell bewegende Lebensgefühl. „In ihren Arbeiten reflektieren die teilnehmenden Schreiber ihre Gefühle und Gedanken und zeigen viel Mut, diese aufzuschreiben und diese dann auch noch bei einem Wettbewerb einzureichen“, so Constanze Ulbricht, Kulturmanagerin der Baldauf-Villa Marienberg und Organisatorin des Wettbewerbs. Überschriften wie „Tut mir Leid-Corona Zeit“, „Im Zoo des Lebens“, „Die Hoffnung erlischt nie“ oder „Liebes Tagebuch“ sind Beispiele, was junge Leute in den Fokus rücken. Und auch in den Beiträgen „Träumen dürfen“, „Was Hoffnung macht“, „Leben oder Leiden“ oder „Ticktack… Die Zeit“ werden Sorgen und Nöte aber auch freudige Erlebnisse aufgegriffen.  

Die Knirpse der Kita Neuer Bahnhof Ehrenfriedersdorf haben Geschichten von ihren Erzieherinnen aufschreiben lassen und wussten selbst gemalte Bilder beizusteuern. Foto: Christof Heyden

Gerade unter dem Gesichtspunkt der Rahmenbedingungen freuen sich die Veranstalter über die gute Teilnahme und Substanz der Arbeiten. „Gerade die jungen Leute vermissen Kunstangebote und kulturelle Erlebnisse. Man spürt, wie wichtig diese für unser Leben sind. Das lassen die jungen Leute spüren“, so Constanze Ulbricht. Die verweist dabei auch auf einen positiven Aspekt des Lockdowns. „Wir beschäftigen uns wieder mehr in der Familie miteinander, es wird viel gemeinsame Zeit miteinander verbracht, wir lesen wieder häufiger in Büchern, Hausmusik ist angesagt, es wird mehr gebastelt oder gemeinsam bei einem Spaziergang die Natur erkundet.“

Ein weinendes Auge können die Veranstalter indes nicht unterdrücken. „Auf Grund der aktuellen Lage können wir die feierliche Ehrung der Preisträger leider nicht in einer würdigen Auszeichnungsveranstaltung durchführen. Die war für den 14. März geplant“, so Ulbricht. „Wir bitten dafür um Verständnis. Unsere Autoren erhalten in diesen Tagen Post mit der Mitteilung, wer einen Preis erhalten hat. Unser Dank gilt allen Teilnehmern für die prima Arbeiten.“