Künstler setzen die Sägen an

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Ronald Münch versteht als Grafiker und Maler auch die Werkzeuge eines Holzbildhauers zu führen. Der Chemnitzer ist zum zweiten Mal zum Symposium dabei. Foto: Christof Heyden

Im Chemnitztal geht es Kastanie, Pappel und Esche ans Holz: Bis Pfingstsonntag werden die Bäume in künstlerische Form gebracht. Einige Exponate werden anschließend versteigert.

Auerswalde. Ein schweißtreibender schöpferischer Schaffensprozess bestimmt aktuell die Szenerie im Chemnitztal: Sechs Akteure sind seit Wochenbeginn daran gegangen, mächtige Segmente von Kastanie, Esche und Pappel eindrucksvoll in Form zu bringen. Neben der Hängebrücke des Radweges in Auerswalde haben die Künstler ihr Lager für die Neuauflage des von der hiesigen Dorfgalerie initiierten „Open air“-Projektes „Unten am Fluss“ errichtet. Statt Pinsel, Leinewand und Firnis sind Säge, Bello und Motoröl unabdingbare Utensilien. Bis zum kommenden Pfingstsonntag wird jeder der Akteure eine größere und eine kleinteilige Arbeit aus dem Holzmaterial schaffen.

„Klar habe ich mir vorab einen Kopf gemacht und Skizzen gefertigt“, sagt Helge Meerheim. Das Vorstandsmitglied der Dorfgalerie zählt zu den geschickt mit den verschiedenen Kettensägen agierenden Künstlern. „Indes bestimmt das Material den Gestaltungsprozess, der uns sowohl körperlich als auch geistig fordert. Es ist ein fließender Prozess.“ Helge Meerheim gehört zu den Künstlern, die das Treffen im Vorsommer aus Anlass der 30-jährigen Bestehens der Galerie mit aus der Taufe gehoben hatten. 

Helge Meerheim, vorn, und Kollegen bei ihrem Sägewerk in Auerswalde. Foto: Christof Heyden

Angetan von der einzigartigen Atmosphäre zeigt sich auch Johannes Heuer, der ebenfalls ein Heimspiel erlebt. „Diese Openair mach Laune. Wo findet man solche Bedingungen, zwischen Fels- und Flusslandschaft in einer anregenden Künstlergemeinschaft aktiv zu sein“, so das Gründungsmitglied der Dorfgalerie Auerswalde. „Am Standort kommt vieles Anregendes zusammen, er ist wie ein Schmelztiegel für unser Tun.“

Theaterplastiker Robert Frenzel beim Sägen und Schleifen. Foto: Christof Heyden

Dem Ruf ans heimische Flussufer folgt auch Robert Frenzel. „Ich bin auf der anderen Seite des Gewässers aufgewachsen“, so der heute in Dresden agierende Theaterplastiker. „Das reizvolle dieses Symposium ist für mich, dass man seinen Gedanken sehr gut seinen freien Lauf lassen kann. Für mich ist die Teilnahme etwas zwischen Arbeiten und Urlaub. Sie bedeutet in jedem Fall: Raus aus dem Alltagstrott.“ Klar, ein gewisser Druck bleibe, schließlich solle etwas Brauchbares entstehen.   

Auch Ronald Münch wechselt derzeit das Atelier mit der Freiluftfläche. Der Chemnitzer Maler und Grafiker zeigt sich ebenfalls zum zweiten Mal für das Bildhauerprojekt konditionsstark. „Da ist schon eine Portion Kraft gefragt, die Säge zielgerichtet im Holz zu führen. Was ab ist, ist ab, nicht mehr reparabel. Das Material will beherrscht sein.“ 

Die Ergebnisse des künstlerischen Treffens können zum Aktionstag am Pfingstsonntag ab 10 Uhr bestaunt werden. Ein Teil der Arbeiten wird zudem für den guten Zweck versteigert. Mit dem eingenommenen Betrag soll die Tätigkeit der Dorfgalerie weiter finanziell abgesichert werden. Dabei laden die Gastgeber die Besucher ein, angesichts der knapp bemessen Parkplatzfläche mit dem Fahrrad zum Aktionstag herbei zu radeln.