Seit 100 Jahren auch unter Tage studieren

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Das Lehrbergwerk Reiche Zeche in Freiberg gilt seit 100 Jahren als eine erste Adresse für die internationale Ausbildung von Bergleuten und Montanwissenschaftlern. Mit einem Festakt wurde im Maschinenhaus das Jubiläum gewürdigt. Foto: Christof Heyden

Mit einem Festakt wurde heute im Alten Fördermaschinenhaus des einstigen Silberbergwerkes das Jubiläum des Lehrbergwerks „Reiche Zeche“ der TU Bergakademie Freiberg stimmungsvoll begangen.

Freiberg. Festlich herausgeputzt nahmen heute Bergleute und Wissenschaftler, aber auch Landespolitiker und Vertreter der Stadt Freiberg sowie des Landkreises Mittelsachsen die betagte Reiche Zeche in Besitz. Aus erfreulichem Grund folgten Fachleute und interessierte Zeitgenossen dem nicht alltäglichen Stell-Dich-Ein: Das universitätseigene Bergwerk feiert als das Forschungs- und Lehrbergwerk der TU Bergakademie Freiberg (FLB) sein hundertjähriges Jubiläum.

Die Einrichtung gilt laut TU-Sprecher nicht nur in Deutschland, sondern auch innerhalb der Europäischen Union als einzigartig. Nachdem der Silberbergbau in Freiberg aus Rentabilitätsgründen eingestellt worden war, wurden die Schachtanlagen „Alte Elisabeth“ und „Reiche Zeche“ am 1. Mai 1919 als Lehrgrube der Bergakademie wiedereröffnet. Das Grubenfeld umfasst derzeit eine Fläche von vier Quadratkilometern mit einem Streckennetz von knapp 20 Kilometern auf fünf Sohlen in rund 230 Metern Tiefe.

Der Rektor der TU Bergakademie Freiberg Klaus-Dieter Barbknecht begrüßt zahlreiche Honoratioren des Bergbaugeschehens. Foto: Christof Heyden

Auf dem Forschungs- und Lehrbergwerk existieren derzeit 33 untertägige Versuchseinrichtungen und Labore, an denen fast 50 Partnerinstitutionen aus 26 Ländern forschen. „Hier werden hochqualifizierte Bergbauspezialisten hervorgebracht, die später die Ressourcenförderung, nicht nur in Deutschland, prägen werden“ sagte Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht, Rektor der Technischen Universität Bergakademie Freiberg.
„Sie haben hier ein ideales Experimentierfeld, wo sie lernen, ihrer Verantwortung gegenüber unserer Erde und ihren Ressourcen gerecht zu werden. Sie kennen den neuesten Forschungsstand bei der Suche nach gefragten Rohstoffen der Gegenwart.“
Die Studierenden würden in der Anlage einen authentischen Einblick in 800 Jahre Bergbaugeschichte erhalten.

Nach Information der Gastgeber wird das Forschungs- und Lehrbergwerk ebenfalls intensiv touristisch genutzt. Für die Landesausstellung zur sächsischen Industriekultur 2020 wird das Bergwerk als „Schauplatz Erz“ zurzeit aufwendig modernisiert. Bei einer Forschertour werden die Besucher Einblicke in die aktuellen Themen und Zukunftstechnologien der Freiberger Wissenschaftler erhalten.

Oberbürgermeister Sven Krüger, rechts, begrüßt Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt. Foto: Christof Heyden

Bei dem Festakt hielten der sächsische Umweltminister Thomas Schmidt, Dr. Ronald Werner, Abteilungsleiter des sächsischen Wissenschaftsministeriums, Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer und der Freiberger Oberbürgermeister Sven Krüger Grußworte. Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Helmut Mischo, Wissenschaftlicher Direktor des Forschungs- und Lehrbergwerks der TU Bergakademie. Unter den Fest-Gästen weilte auch die Botschafterin der Republik Chile Cecilia Mackenna Echaurren.