Bärensteins ältester Handwerkbetrieb schließt zum 31. Januar 2026 seine Tore. Mit der Geschäftsaufgabe endet eine fast 116-jährige Firmen- und Familiengeschichte: jene der Familie Pfeiffer.
Bärenstein. Steffen Pfeiffer führte den an der Annaberger Straße gelegenen KfZ-Meisterbetrieb mit Reifen und Autoservice seit April 1992 in vierter Generation. 34 Jahre sorgte er mit seiner Frau Ellen dafür, das Mopeds, Motorräder, Pkw, Kleintransporter und selbst Lkw wie geschmiert liefen. Kunden zeigen sich erstaunt, was der Fachmann auf engstem, von den Vorgängern einst begründeten Werkstatt-Gelände, für Besitzer von rollenden Untersätzen in diesen Jahren bewerkstelligte. Kenner der Szenerie wissen zu schätzen, dass der leidenschaftliche Schrauber auch schon Mal den Mobilen auf die Sprünge half, wenn eigentliche Geschäftszeiten geendet hatten.

Der 66-Jährige wird für seine geschickten Hände gerühmt: wenn der Steff ein Vehikel nicht mehr in Gang bringt, dann ist das Teil wahrlich nicht mehr zu retten. Gesucht wurde dessen Service Rund ums Auto von Einheimischen, aber genauso jenen aus der Region und selbst auf tschechische Stammkunden konnte sein Betrieb, nur wenige Meter vom Grenzübergang entfernt, zählen.
Über diesen kam 1909 sein Urgroßvater Anton Pfeiffer aus dem Böhmischen nach Sachsen. Von der Pike auf das Handwerk des Huf- und Kunstschmiedemeisters erlernt, eröffnete der 25-Jährige am 2. Mai 1910 seine Werkstatt.

Zunächst noch im Gebäude der Stellmacherei Bergelt. Manch Anekdote haben Augenzeugen von ihm überliefert, so, dass ein metallenes Ping, Ping seines Schmiedehammers gut zu hören war. Noch bevor er Werkzeuge herstellte, Pferde beschlug, landwirtschaftliche Geräte anfertigte, nutzte er die Morgenstunden, Kunstschmiedearbeiten auszuführen. So metallische Rosen. Türdrücker oder schmiedeeiserne Lampen. In seinen Wanderjahren soll er sogar dem Schah von Persien die Pferde beschlagen haben. Der Versuch, 1926 seine Schmiede in die Uferstraße zu verlegen, wurde noch von Anwohnern verwehrt. Also errichtete er das Wohn- und Geschäftshaus am heute bekannten Ort und eröffnete dieses 1928.

In jenem Jahr wurde hier auch eine unter mehreren im Ort befindlichen Tankstellen errichtet, die unter dem Namen EUCO firmierte, später zu Esso und zu DDR-Zeiten zu Minol gehörend. Per Handpumpe wurde fünfliterweise Benzin in Messebehälter gedrückt und in die Tanks der Autos abgelassen.
Sohn Wilhelm erlernte bei Anton das Einmaleins, genauso wie Lehrjunge Erich Lang. Dieser wurde später Bürgermeister von Bärenstein. Der Junior wurde zu unentbehrlichen Stütze, gerade nach dem 2. Weltkriegs wusste er das ungezählt herumliegende Militärgerät zu bergen und zu verwenden. Das half in Jahren des Mangels und der Knappheit von Ersatzteilen. Längst waren Pferdestärken von Kraftfahrzeugen abgelöst worden. Statt Wagenräder aufzuziehen, wurden Autoreifen montiert. Die zeitweilig ansässige Wismut wurde Großauftraggeber, so wurden Meißel hergestellt und geschärft.

Später wurde ein von Wilhelm initiierter Fuhrpark aufgebaut, in dem ein MAN-Lkw der Lastenträger war. Mit diesem wurden für Bärensteiner Betriebe Kohlen aus Borna und Espenhain herangeholt und hiesige Erzeugnisse abtransportiert. Und auch Sportler nutzten den Wagen, wenn für Auswärtsspiele die Ladefläche mit Sitzbänken bestückt wurde oder es mit Einheimischen zur Annaberger Kät ging.
Unberechtigte Vorwürfe, in Steuerangelegenheiten geschummelt zu haben, ließen Willy Anfang der 1950er Jahre nach Westberlin flüchten. Nachdem ein Dokument der DDR-Behörden ihm bescheinigte, dass der Verdacht unberechtigt war, kehrte er zurück. Dennoch verließ er 1959 die Heimat und zog ein Transportgeschäft in Nürnberg auf.

Der Vater Willy Pfeiffer übernahm 1960 die Firma und führte ihn hauptsächlich nach Feierabend und an Wochenenden als Kfz-Werkstatt weiter. „Die Volkswirtschaft ließ Privaten keinen Raum, man hat immer wieder versucht, den Familienbetrieb zu verstaatlichen und in ein hiesiges Kombinat einzubringen“, so Steffen Pfeiffer. Erweiterungen und Modernisierungen waren schwerlich möglich, so dass Reparaturen im Freien vorm Haus ausgeführt wurden. 1966 zeichnete seine Mutter Renate für die Tankstelle verantwortlich und führte sie bis 1995.
„Unser Dank gilt den Kunden und Geschäftspartnern, es war ein erfülltes Berufsleben“, zieht Steffen Pfeiffer Resümee, dessen Tochter und Sohn in anderen Berufszweigen ihre Erfüllung finden. „Ich gebe den Staffelstab der ältesten Unternehmung im Ort an das Cafe Neubert weiter“, stellt der Bärensteiner schmunzelnd fest. (hy)





