Die Stunden sind gezählt: am 11. 11. starten die Narren der Erzgebirgsgemeinde in die Fünfte Saison. Diese wird eine Jubiläumsausgabe, gilt es doch sieben Jahrzehnte Karneval tüchtig zu feiern.
Bärenstein. Mit einem karnevalistischen Frühschoppen und der traditionellen Schlüsselübergabe übernehmen die Narren die symbolische Regentschaft der Spaßgesellschaft auf Zeit. Mit der Inthronisation des Prinzenpaares David Theumer und Nadine Nestler und des Kinderpaares Jannik Wöllner und Wilma Ohly treten die Amtsträger der Gute-Laune-Gemeinschaft ihr Ehrenamt an.
Das Sächsische Haus wird erneut zum Sitzungs- und Erlebniszentrum für tolle Tage. Die Neuauflage des Faschingstreibens in der Gemeinde wird mit der Saison 2025/26 eine Jubiläumsausgabe: sieben Jahrzehnte Bärensteiner Karneval werden heuer gefeiert, für die das Motto gilt: 70 Jahre Narrengeschrei, Kostüm egal, Gedanken frei.
„Wir haben am Thema getüftelt, Ideen für das Programm entwickelt. Den Geburtstag unserer Interessengemeinschaft, die 84 Erwachsene und über 30 Kinder zählt, sehen wir als Gelegenheit, auf bewährtes zu setzen, aber auch neues zu bieten“, so Vorsitzender Yves Langhammer, seit drei Jahren als bislang siebter Präsident der Gildengeschichte
„Unverzichtbare Träger unsers Faschingsstaates sind Elferrat, Saal- und Kinderpolizei, Prinzen-, Girlie- und Kindergarde. Die Zeremonie der Faschingsparty werden wir auffrischen, dramaturgisch aufpeppen. Gerade der nachwachsenden Generation wollen wir den Faschingsgedanken mit zeitgemäßeren Inhalten und Musiken näher bringen. Gäste sind eingeladen, sich daher für die Abendveranstaltung am 15. November Karten zu sichern“, macht Yves Langhammer neugierig.
Die Saison steht unter dem Titel „Von Litfaßsäule bis Reel-Medien im Wandel der Zeit“ und nimmt die gesellschaftliche Kommunikation und sozialen Netzwerke ins Visier.

Sigrid Schreiter, Günter Köhler und Bernd Schlegel gehören zu den Karnevalisten, die in vielfältigsten Funktionen den Fasching im Ort pflegen, ob einst als Gardetänzerin und Prinzessin, als Elferratsakteur und Prinz oder Ehrenpräsident. Sie kennen Zeiten, in denen das Sächsische Haus angesichts von Publikumsmassen von weit über 1.000 Gästen schier aus seinen Mauern platzte, der Fasching die Gelegenheit war, in der gesellschaftlichen Ost-Wirklichkeit Dampf abzulassen und gerade in Büttenreden zwischen den Zeilen versteckte Kritik zu platzieren.
Karten waren Bück-Dich-Ware, dafür stand man Stunden vor Verkauf an. Chronisten berichten, dass unter Federführung der damaligen BSG Wismut ein Faschingsauschuss gegründet worden war und Willi Schmiedel den Schlachtruf kreierte: Wir machen Stimmung. 1969 kam sogar eine eigene Hymne, komponiert von den hiesigen Musikanten Erhard Richter und Karl Glaser erstmals zur Aufführung und begleitet seitdem die Narrengesellschaft. Stand BKK für Bärensteiner Karneval-Komitee, lautet der Name seit der Wende Bärensteiner Karnevalsklub.
Mit Franz Siegel und Annelie Brückner nahm das erste Prinzenpaar 1955/56 den Narrenthron von Bärenstein ein. Unbeirrt des Weltenlaufes wurden in sieben Jahrzehnten immer nachkommende Regenten des Spaßes gekrönt. Zugleich besagt die Chronik, dass das organisierte karnevalistische Geschehen drei Mal abgesagt wurde: 1960/61 wegen Heizungsproblemen im Sitzungspalast, erforderlichen Umbauarbeiten im Kulturhaus 1973/74 und unter dem Eindruck des Krieges im Irak 1990/91.

In der Tageszeitung Volksstimme wurde ausführlich von der Premiere 1955 berichtet, die mit einem Großen Maskenball angeführt von Franz I. von Bärenstein, seiner Anneliese sowie dem Elferrat begannen. Erstmals rückte Bürgermeister Kurt Merkel die Schlüssel heraus, wurden zum Ball die neun schönsten und originellsten Masken prämiert. Dem Faschingsball folgte tags darauf der große Fockenrummel, für den es sich zünftig zu verkleiden galt. Schon damals wurden zum Kindernachmittag über 600 Mädchen und Jungen begrüßt. Die Veranstaltung wird als beispielgebenden für alle Gemeinden des Kreises Annaberg gewürdigt. Vor allem auch deshalb, weil der Reinertrag von 20.000 Mark aus dem Spektakel dem Nationalen Aufbauwerk zugeführt wurde, um das Kulturhaus weiter auszubauen. (hy)





