Das dem Komponisten gewidmete hochkarätige facettenreiche Kulturfest geht vom 4. bis 14. Juni 2026 in Zwickau über die Bühnen, Plätze und Teiche.
Zwickau. 1847 fand in Zwickau das erste Schumann-Fest statt, in diesem Jahr beleuchtet es den Komponisten aus der Perspektive der Literatur: Robert Schumann wuchs in Zwickau als Sohn des Verlagsbuchhändlers August Schumann in einem literarisch geprägten Hause auf. In seiner Zwickauer Schulzeit war das Thema Dichtung für ihn weit wichtiger als die Musik.
Bei wohl keinem anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts ist die Musik deshalb so sehr dichterisch geprägt wie bei ihm. Er komponierte ca. 300 Lieder für Solostimmen und 65 Chorlieder sowie zahlreiche großbesetzte Chor-Orchester-Werke. Aber auch bei seinen Klavier- und Orchesterwerken stehen häufig literarische Werke im Hintergrund, Melodien sind z. B. durch konkrete Gedichtzeilen beeinflusst.
Das Schumann-Fest 2026 startet am 4. Juni mit dem großen Eröffnungskonzert im Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“. Bis 14. Juni folgen unter anderem Klavierabende, musikalisches Kabarett, Fahrradkonzerte, ein Kindernachmittag oder das romantische Lichterfest rund um den Schwanenteich. Karten für einzelne Veranstaltungen sind ab sofort erhältlich.
SCHUMANNS FAUST
Das Eröffnungskonzert am Donnerstag, dem 4. Juni um 19.30 Uhr in der „Neuen Welt“ ist besonders opulent besetzt: Neben den Clara-Schumann-Philharmonikern Plauen-Zwickau wirken der Schauspieler Daniel Koch, fünf Gesangssolisten – darunter mehrere ehemalige Preisträger des Zwickauer Robert-Schumann-Wettbewerbs – und der Zwickauer Domchor (mit weiteren Chorsolisten) mit.
MUSIKKABARETT
Erstmals präsentiert das Zwickauer Schumann-Fest ein musikalisches Kabarett-Programm. Timm Beckmann, der als Pianist auch selbst in die Tasten greift, widmet sich gemeinsam mit dem Tenor Robin Grünwald dem ironisch-humoristischen Dichter Heinrich Heine und Robert Schumanns Beziehungen zu ihm. Begegnet sind sich die beiden nur einmal – 1828 in München. Aber warum nur einmal? Und was wäre, wenn …? 40 Gedichte von Heinrich Heine hat Robert Schumann vertont, aber die großen Künstler verbindet noch mehr: ein Jurastudium, die Begeisterung für Napoleon, die Stadt Düsseldorf und das Sterbejahr 1856.

FAHRRADKONZERTE – DAS SCHUMANN-FEST ZU GAST IM LANDKREIS
Zum vierten Mal begibt sich das Zwickauer Schumann-Fest radelnd in den Landkreis. Ziel ist in diesem Jahr der Ziegenhof in Kuhschnappel. Den heutigen Ortsteil der Gemeinde St. Egidien – Kuhschnappel – erwählte Schumanns Lieblingsdichter Jean Paul (1763-1825) als fiktive Spielstätte seines Hauptromans Siebenkäs.
Auf dem Weg gibt es fünf Konzertstationen: In der Kirche in Zwickau-Auerbach spielt Hedda Kürzinger Harfenmusik aus drei Jahrhunderten. Im Gymnasium „Prof. Dr. Max Schneider“ in Lichtenstein präsentieren die Sopranistin Alëna Kazantseva und der Pianist Timofei Kazantsev Lieder und Klaviermusik von Clara Schumann und Frédéric Chopin. Auf dem Ziegenhof Winter in Kuhschnappel bietet der Posaunenchor Marienthal unter Leitung von Matthias Grummet eine Bläserserenade mit Musik aus Romantik, Klassik und Pop. Der Rückweg führt in die Kirche St. Georgen in Glauchau, dort führt KMD Guido Schmiedel die Silbermann-Orgel von 1730 vor. Und in Schlunzig lässt Thomas Synofzik am Hammerflügel unbekannte Blumenstücke von Schumann, Lobe und Heller, die sämtlich vom Roman Siebenkäs Jean Pauls inspiriert wurden, erklingen.
Jeder kann mitradeln – doch die Teilnehmerzahl ist begrenzt; vorherige Anmeldung bis zum 1. Juni ist erforderlich. Das Anmeldeformular gibt es auf www.schumann-zwickau.de. Ein telefonische Anmeldung oder per E-Mail ist aus organisatorischen Gründen nicht möglich.
PREISTRÄGERIN GIBT KLAVIERABEND
Sie gehört zu den bedeutendsten Pianisten, die aus dem Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerb Zwickau hervorgegangen sind: Susanne Grützmann, Preisträgerin des Jahres 1981. Ihre Diskographie umfasst die Gesamteinspielung der Klavierwerke Clara Schumanns sowie mehrere CDs mit Klaviermusik Robert Schumanns. Ihr speziell zum Zwickauer Schumann-Fest entstandenes Programm für Sonntag, dem 7. Juni, im Robert-Schumann-Haus Zwickau vereint Klavierwerke von Schumann, die vom Gespensterdichter E. T. A. Hoffmann und dessen Vorbild Jean Paul inspiriert wurden.
Am Abschlusswochenende konzertiert am Samstag, dem 13. Juni, das Klavierduo Glemser. Florian und Franziska Glemser spielen seit 2010 als Duo zusammen. Beide stammen aus Musikerfamilien. Auf dem Programm stehen Schumanns Bilder aus Osten op. 66, zu denen er von Friedrich Rückert angeregt wurde. 1844 veröffentlichte der Dichter und Orientalist seine Verwandlungen des Abu Seid, oder die Makamen des Hariri, die auf arabische Schelmenliteratur zurückgehen.
LICHTERFEST UND CHORKONZERT
Das Abschlusswochenende bietet neben dem Klavierduo noch zwei weitere Highlights. Am Freitag, dem 12. Juni wird der Park am Schwanenteich zur Bühne für das Romantische Lichterfest. Die beliebte Open-Air-Veranstaltung bietet auch in diesem Jahr sein besonderes gemütliches Flair, jede Menge Musik und Spaß für die ganze Familie. Hauptprogrammpunkt des Abends sind in diesem Jahr ElbtonalPercussion aus Hamburg, die das Schlagwerk in besonderer Weise präsentieren. Wer möchte, darf natürlich auch mit Tret- oder Ruderbooten über den Teich schippern.
Als krönender Abschluss des diesjährigen Schumann-Festes ist am 14. Juni der Leipziger Kammerchor zu Gast. Es erklingen romantische Chorlieder von Schumann und seinen Zeitgenossen u. a. auf Texte von Robert Burns oder Joseph von Eichendorff. Sie werden kontrastiert mit Stummfilmszenen aus A Dog’s Life von Charlie Chaplin, begleitet von musikalischen Improvisationen für Violine und Klavier.
KAFFEETAFEL, EIN DENKMAL IM RAMPENLICHT UND SYNTHESIZER-KLÄNGE
Am Montag, dem 8. Juni wird von 15 bis 17 Uhr gefeiert und zwar Geburtstag im Doppelpack. Das erste Geburtstagskind ist weithin bekannt: Robert Schumann. 216 Jahre würde er dieses Jahr werden. Das andere Geburtstagskind sieht ihm sehr ähnlich: Das Schumann-Denkmal auf dem Hauptmarkt. Der Leipziger Bildhauer Johannes Hartmann schuf 1901 die viereinhalb Meter hohe Denkmalsplastik, die am 8. Juni 1901 bei strahlendem Sonnenschein in Anwesenheit mehrerer Kinder und Enkel Robert und Clara Schumanns eingeweiht wurde. So feiert es in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag. Zu einem Geburtstagsfest gehört natürlich Musik: Zu den musikalischen Gratulanten gehören das Zwickauer Trio Muggefugg, das Jazzimprovisationen zum Besten gibt, und Akkordeonschüler des Robert Schumann Konservatoriums, die ein buntes Programm rund um das Instrument des Jahres von Bach bis Piazolla bieten. Alle sind eingeladen, mit zu feiern und gern auch die Lieblingstasse von daheim mitzubringen.

Das Robert-Schumann-Haus bietet von 10 bis 15 Uhr einen Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt. Zu erleben gibt es nicht nur die digital erweiterte Dauerausstellung, sondern auch die passende Sonderschau zum Schumann-Fest unter dem Titel Schumann und die Dichter und eine Ausstellung von Entwürfen zum Zwickauer Schumann-Denkmal, die es beim Wettbewerb im Jahre 1900 nicht auf den ersten Patz schafften.
Neben den Konzerten mit namhaften Künstlern bietet das Schumann-Fest aber auch kleinere Formate an, die u. a. den Nachwuchs in den Mittelpunkt rücken. So stehen am Dienstag, dem 9. Juni die Schüler des Robert Schumann Konservatoriums auf der Bühne des Konzertsaals im Robert-Schumann-Haus. Geboten werden Lieder und Klaviermusik Robert Schumanns.
Ein Konzert mit elektronischen Effekten und experimentellem Charakter bietet der Leiter des Robert-Schumann-Hauses, Thomas Synofzik, am Mittwoch, dem 10. Juni ab 18 Uhr höchst selbst. Robert Schumann gilt als einer der Pioniere der neuartigen Gattung des gesprochenen Melodrams mit unterlegter Klavierbegleitung: Auf Texte von Hebbel und Shelley komponierte er drei Werke dieser Gattung, die in diesem Programm zu erleben sind. Die Lesung dieser Gedichte von Katrin Reyersbach wird mit elektronischen und akustischen Klanginstallationen von Thomas Synofzik unterlegt.
Ein weiteres Angebot für die kleinen Gäste ist der Kindernachmittag am Donnerstag, dem 11. Juni ebenfalls im Geburtshaus des Komponisten. Im Zentrum des Nachmittags mit viel Musik und kleinen Spielen steht ein Kinderliedermacher der Schumann-Zeit – Hoffmann von Fallersleben. Aus seiner Feder stammen so berühmte Kinderlieder wie Der Kuckuck und der Esel oder Ein Männlein steht im Walde.
Informationen zum Schumann-Fest 2026 und den einzelnen Veranstaltungen sind unter www.schumann-zwickau.de zu finden. (PM)





