Heimatliches Liederfest vereint Sachsen und Böhmen an der Günther-Ruh

Die 12. Auflage des Wander- und Musiktreffens in Vejprty wird am 4. Juli vorbereitet. Das grenzüberschreitende Kulturformat wird mit Trägern eines Gedächtnisbartes eine besondere Facette erleben.

Bärenstein / Vejprty. Das Dutzend der einzigartigen Liederfeste an der Günther-Ruh von Vejprty (Weipert) vollendet sich: am 4. Juli werden sich wandernde Musikanten und Heimatfreunde zur Neuauflage des geselligen Formats in der idyllischen Naturkulisse des Zechengrundes einfinden. Auch die Neuaflage wird die Beliebtheit dieser von Sachsen und Böhmen organisierten Veranstaltung beweisen. Der Einladung an die Erinnerungsstätte an den namhaften Sänger des Erzgebirges im früheren Stadtteil Grund folgten regelmäßig Tausende Gäste.
Dabei muss heuer mit einem erhöhten Aufkommen bartragender Zeitgenossen gerechnet werden. Der facettenreiche von Mundart und Musik gespickte Programmplan erfährt eine besondere Nuance:  Die aus Anlass des 2026 gefeierten 150-jährigen Geburtstags von Heimatsänger Anton Günther initiierte Gaudi-Aktion, sich nach Vorbild des erzgebirgischen Originals einen Gedächtnis-Bart wachsen zu lassen, wird an traditionsreicher Stätte ihr Finale erfahren.

Zum Liedersingen an die Günther-Ruh im tschechischen Weipert ist Musiker Jörg Heinicke aus Buchholz regelmäßig dabei. Foto: Christof Heyden

„Als wir im Januar den Aufruf zu dieser Challange gestartet haben, ahnten wir nicht, auf welch aufgeschlossene Resonanz diese Idee stößt“, so Georg Seidel, der zu den Impulsgebern des Annaberger Kunst- und Kulturvereins zählt. „Nach anfänglich verhaltenen Reaktionen wuchs die Unternehmungslust der Zeitgenossen.Mit dem großen Liedersingen am 17. Mai auf dem Markt in Annaberg-Buchholz wurden wir von zahlreichen Akteuren überrascht, die an diesem Selbstversuch teilnehmen. So reifte der Entschluss, das Treffen an der Günther-Ruh als Schauplatz zu nutzen, den Enthusiasmus der Teilnehmer zu würdigen. Unterdessen erreichen uns via Sozialer Netzwerke Fotos von Teilnehmern wie aus Passau und Füssen.“ 

Laut Regieplan werden die bebarteten Herren gegen 14 Uhr auf die Naturbühne gebeten, um sich dem abschließenden Urteil einer Jury zu stellen. „Die wird aus Vereinsfreunden von Kunst- und Denkmalpflegeverein bestehen, aber vor allem auch dem Publikum“, so Georg Seidel. „Wir wollen in zwei Kategorien werten: zum einen den Sieger ermitteln, dessen Bartwuchs dem Original des Mundartdichters am nächsten kommt und jenen mit dem originellsten Gesichtsschmuck.“

Die Vorbereitungen für das Treffen laufen auf Hochtouren. Zum jüngsten Organisatorentreff im Kulturhaus Vejprty brüteten die Akteure des gastgebenden Denkmalpflegeverein Weipert mit Vertretern der Kommunalverwaltungen und einigen das Liederfest tatkräftig unterstützenden Mitbürgern in der Sommerhitze über dem Ablaufplan. „Wir sind eine eingespielte Gruppe von knapp 20 Mitstreitern. Dieses Team steht beispielgebend für eine gelebte Nachbarschaft über den Grenzbach hinweg“, so der Vorsitzende des Denkmalpflegevereins und einstiger Mitbegründer des Liedersingens Uwe Schulze.

Das Orgteam bei kühlenden Getränken zum Treff im Kulturhaus Vejprty. Vorn links der Kulturmanager Petr Kratochvil, neben ihm Uwe Schulze. Roman Kuberka rechts, ist helfender Einwohner und Bürgermeisterin Jitka Gavdunova hinten rechts dolmetscht. Jana Srbecka hinten links ist Gastronomiechefin. Foto: Christof Heyden

Trafen sich anfangs einige deutsche Enthusiasten an dem 1938 geschaffenen Erinnerungsort, vereint er zunehmen die Erzgebirger vieler Siedlungsregionen und deren Gäste. „Zu würdigen ist die tatkräftige unbürokratische Unterstützung der beiden Kommunen, und denen voran die Bürgermeister Sylvio Wagner und Amtskollegin Jitka Gavdunova“, so Schulze. Die tschechische Stadtchefin bringt sich dabei als versierte Managerin und zugleich Dolmetscherin ein. Seit einem Jahrzehnt zählt auch der Kulturmanager von Vejprty, Petr Kratochvil zu den umsichtigen Mitgestaltern, der sich von Aufbau der Biergarnituren bis hin zum Aufbau der Dixi-Häuschen verantwortlich fühlt

„Bewegend ist für mich, dass sich auch tschechische Einwohner tatkräftig für unsere Veranstaltung engagieren. Dazu zählen beispielsweise die Bewohner der staatlichen Sozialeinrichtung, die von einer gesundheitlichen Beeinträchtigung betroffen sind. Stellvertretend sei Roman Kuberka genannt, der Jahr für Jahr beim Auf- und Abbau hilft. Und ohne die Gastronomin des Kulturhauses Jana Srbecka und ihrem Mann, Koch Vaclav, wäre unser Fest gastronomisch ärmer. Auch diesmal bringen sie tschechischen Gerstensaft heran und werden typische böhmische Imbissvarianten vorbereiten“, so der Vorsitzende. (hy)     

Bereits 0 Mal geteilt!

WEITERE BEITRÄGE AUS DIESER KATEGORIE

Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

Beiträge mit ähnlichen Schlagwörtern