Brauchtumsspezifische Schwerstarbeit kommt auf die Oederaner und Gäste zu: am ersten Adventssonntag sollen unter der Devise „Diesmal geht´s doppelt rund“ gleich zwei Pyramiden angeschoben werden.
Oederan. Die jährliche Zeremonie des Adventsstarts wird zunächst ab 14 Uhr an der Pyramide auf dem Markt vollzogen. Das dreistufige Bauwerk aus Metall wurde in Gemeinschaftsarbeit der Bauschlosserei Klaus Richter aus Großwaltersdorf und der Firma Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz geschaffen. Die geschnitzten Figuren sind Ergebnis früherer Schnitzworkshops. Dabei wird die Besiedlungsgeschichte dargestellt. So drehen Ritter, Mönch, Bäuerin und Zinngießer ihre Runden. Auch Schankmagd, Holzsammler und Henker gehörten zur Besetzung.

Das Drehexemplar symbolisch in Schwung gebracht, wandert die Gesellschaft weiter zum Traditionsteil im Klein-Erzgebirge. Fünf lebendige gewordene Pyramidenfiguren, darunter die Typen Angela und Daniel, werden die Teilnehmer des Aktionsspaziergangs von der einen zur anderen Pyramide begleiten und an vier Stationen aus ihrem Leben erzählen. Im Klein-Erzgebirge wartet zur Neuauflage der das Veranstaltungsjahr beschließenden GLANZLICHTER-Veranstaltung neben Speis und Trank auch der Weihnachtsmann. Mit dabei sind die Oederaner Blasmusikanten und kleine Sängerinnen und Sängern aus der Kita „Oederaner KITZ“.

Die Mitglieder der Miniaturschau haben zusammen mit den Gästen einen erfreulichen Grund zu feiern. „Unsere vereinseigene Pyramide wird 60 Jahre alt“, weiß Horst Drichelt vom Verein zu berichten. „Am 3. Adventswochenende 1965 wurde sie das erstmal aufgebaut.“ Das vier Meter hohe und vier Teller umfassende Exemplar stellt ebenfalls den geschichtlichen Werdegang der Tuchmacherstadt dar. In den Jahrzehnten zogen Bergmann, Töpfer, Weberin und Salzfuhrmann an verschiedenen Standorten der Stadt, so vor dem Rathaus oder dem früheren Platz der Befreiung, auf. Als Entwickler dieses Modells gelten Heinz Klemm und Rolf Kunze, zwei Urgesteine des handwerklich-künstlerischen Volkskunstgeschehens. Die örtliche Schnitzergemeinschaft schuf die Figuren, unterstützt von Absolventen der hiesigen Spezialschule für Schnitzen. Seinerzeit wurde die Pyramide von einem Plattenspielermotor angetrieben.





