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Der Sportverein hält die Kühberger als Dorfgemeinschaft zusammen

Eine stimmungsvolle Zeitreise wurde das abendliche Stell-Dich-Ein der Kühberger aus Anlass des 60-jährigen Bestehens ihrer hiesigen Sportvereinigung. Ein nachbarschaftlicher Kundendienst der speziellen Art.

Kühberg. Waren die Einheimischen im Jahreslauf bereits zu verschiedenen Aktionen herausgerufen, gestaltete Werner Blaczik als langjähriger Vorsitzender heuer einen unterhaltsamen Lichtbildervortrag. Im Wissen um dessen informativ-geselligen Beiträge mit jeder Menge Lokalkolorit fanden nahezu 100 Wissbegierige in der Turnhalle als der sportlich-kulturellen Hauptwettkampfstätte des 230 Seelen zählenden Örtchens ein.

Rekorde, Ergebnisse und Trainingsmethoden rückten in dem rund dreistündigen Ausflug eher in den Hintergrund, vielmehr skizzierte der 76-Jährige die durch den Sport gepflegte nahezu familiäre Lebensart der Kühberger. Anhand ungezählter Zeitdokumente, Fotos und Sammelstücke tauchte die Versammlung in die Gründungsphase der Altvorderen ein.

60 Jahre Sportverein Kühberg. Manja Höbler begrüßte die Gästerunde. Foto. Christof Heyden

Bereits 1888 wurde durch Turner forciert, der Tv Kühberg gegründet. „22 Herren fanden sich dazu am 1. September des Jahres in Teubners Gasthof, der späteren Gaststätte Am Haltepunkt ein“, so Blaczik. Der hatte Fotos vom Gründungsprotokoll genauso parat, wie jenes durch den Eisenbahnbau 1894 entstandene Bahnhäuschen zeigte, die dem unweit gelegenen Lokal später den Namen gab.

Ein von 1904 erhaltenes Protokoll zeigt jene Vereine des oberen Erzgebirges, die sich einem Gauturnbund anschlossen. Die Kühberger waren seinerzeit mit 78 Mitgliedern, dazu vier Zöglingen, dabei. Die im Oktober des Jahres geweihte Turnhalle zeigt ein Schnapsschuss von 1908. Staunende Bemerkungen und auch Lachsalven lösten jene Motive aus, die von Eigenheiten berichten oder bekannte Mitbürger in der Blüte ihres Lebens wiedererkennen ließ. So die Herren der Turnerriege von 1912, oder der nachfolgenden von Übungsleiter Max Mareck geführten Frauenriege von 1927.

Interessantes Zeitdokument: die Liste der im Turngau Oberes Erzgebirge vertretenen Vereine.Neben Kühberg waren schon zahlreiche Ortschaften der Region mit dabei. Repro: Christof Heyden/ Sammlung Werner Blaczik

Das 40-jährige Bestehen des Tv wurde 1928 im Gasthof und Ballhaus Königslust (heutige Kerzenwelt) gefeiert, neben dem Männergesangsverein des Ortes spielte am 1. Pfingstfeiertag die Stahlhelmkapelle auf. Der sonntägliche Festtag begann 5 Uhr morgens mit dem Wecken durch die Annaberger Stadtkapelle. Nachfolgende Hitlerzeit samt Kriegswirren führten zur Auflösung der Vereinigung.

Der neuerliche Weckruf organisierter sportlicher Aktivitäten datiert auf den Deinstg, 3. September 1963. Zwölf Gründungsmitglieder, darunter zwei Frauen, hoben in der Gaststätte bergblick den Sportverein Kühberg aus der Taufe. Zum ersten Vorsitzenden wurde ieter Preißig gewählt. „Trägerbetrieb wurde wie in DDR-Zeiten üblich, der VEN Früchteverarbeitung Bärenstein“, so Blaczik.

Wer weiß schon noch, dass ein von Otto Pistorius geführter Ochse per gezogener Walze die Rasenplatzpflege an der Turnhalle übernahm, und in Gegenleistung das Heut futtern konnte. Als erfolgreichste und für Schlagzeilen in der Freien Presse sorgende Truppe des Vereins waren die Frauenfußballerinnen, die 1976 die Kreismeisterschaft des Altkreises Annaberg-Buchholz gegen vier andere Damenteams für sich entschieden. Das 1982 in Aussicht stehende Bezirkspokalendspiel in Lugau gegen Wismut Karl-Marx-Stadt wurde dennoch nie angepfiffen, weil die Kühbergerinnen aus unterschiedlichsten Gründen keine Mannschaft zusammen bekamen und das Transportproblem nicht klären konnten. Vom Fußballverband bekam der Verein seinerzeit daher ein Erziehungsgeld von 30 DDR-Mark aufgebrummt. 

60 Jahre Sportverein Kühberg. Die Einweihung der heute noch genutzten Turnhalle war ein Meilenstein. Repro Christof Heyden/Sammlung Werner Blaczik


„Am 1. Oktober 1990 erfolgte unter Nummer 53 der Eintrag der nunmehr Erzgebirgs-Verein 63 Kühberg genannten Interessengemeinschaft in das Vereinsregister“, zeigte Blaczik auch dieses Dokument.  Seither stehen in der Chronik Spielabende und Hexenfeuer genauso als Aktivitäten im Buche, wie Volleyball- und Tischtennisgruppe. Auch Bowling und Prellball wurde gespielt, wie zur Skiwanderung und Radausfahrt eingeladen wurde. Zu Hochzeiten 2015 gehörten dem Verein 85 Mitglieder an. Seit 1963 führten sechs Vorsitzende die Regie: Dieter Preißig, Franz Moritz, Klaus Bode, Olaf Sieger, Werner Blaczik und aktuell Manja Höbler.

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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