Keine Zauberei: Silber aus Kupfer gewinnen

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Blick auf den Komplex der Saigerhütte in Olbernhau-Grünthal. Luftaufnahme: Kristian Hahn

Den Bau eines Saigerherds nach historischem Vorbild hat ein reizvolles Vorhaben zwischen der Saxonia Edelmetalle GmbH Halsbrücke und der Stadt Olbernhau zum Ziel. Weltkulturerbe soll erlebbarer gemacht werden.

Halsbrücke/Olbernhau. Saigern wie vor 400 Jahren -so lautet das Motto eines einzigartigen Projekts: den Nachbau eines historischen Saigerherds. Dafür haben die SAXONIA Edelmetalle GmbH und die Stadt Olbernhau eine Vereinbarung getroffen. Der Prozess, mit welchem die Saigerhütte Grünthal vor fast 500 Jahren Geschichte schrieb, soll nachvollzogen werden.

Beim Saigern handelt es sich um ein altes metallurgisches Verfahren bei welchem Silber aus Kupfer extrahiert werden kann. Dies geschieht mit Hilfe von Blei. Nicht nur das so gewonnene Silber ist wertvoll, auch die Qualität des Kupfers wird entscheidend verbessert.

Ziel des Projektes ist es das Hüttenwesen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Der Saigerherd sowie die Dokumentation des Nachbaus werden im Rahmen des Bergmanns-, Hütten- und Knappentages 2022 am 10. September in Olbernhau vorgestellt.

Die SAXONIA Edelmetalle GmbH ist ein Unternehmen mit jahrhundertelanger Tradition in der Gewinnung und Verarbeitung von Edelmetallen. Heute präsentiert es sich in den Kernbereichen Edelmetall-Recycling und Herstellung von Edelmetall-Produkten als anerkannter und zuverlässiger Partner der Anwenderindustrie. Die Hüttenleute der SAXONIA Edelmetalle GmbH in Halsbrücke werden nun herausfinden, wie die Altvorderen ohne Verwendung der heutigen Technik bereits zu hervorragenden Ergebnissen kamen. Sie werden saigern wie vor 400 Jahren.

Impression aus der Pressekonferenz mit Bürgermeister Beger (Halsbrücke) von links, Geschäftsführer Schlutzkus (SAXONIA Edelmetalle GmbH), Bürgermeister Haustein (Olbernhau) und Regiebetriebsleiter Brückner (Olbernhau). Foto: Di Colore / Vincent Lublink

Die 1537 gegründete Saigerhütte in Olbernhau-Grünthal ist Teil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří und ihre zahlreichen, historischen Gebäude bezeugen die Bedeutung des hier einst durchgeführten Saigerverfahrens. Das besondere Grünthaler Dachkupfer krönte 400 bedeutende Bauten in ganz Europa wie etwa den Stephansdom zu Wien, den Dom zu Berlin oder auch den Dresdner Zwinger.

Die kurfürstliche und später königliche Produktionsstätte arbeitete mit Rohstoffen aus einem weiten Umfeld, etwa Kupfer aus Katharinaberg /Hora Svaté Kateřiny und wurde von zahlreichen Interessierten besucht – einige Quellen nennen Zar Peter I. als wohl bedeutendsten Besucher.

Einzig das Verfahren selbst kann derzeit nur indirekt, also durch Diagramme, Bilder und nachgebaute, funktionslose Öfen und Herde vermittelt werden. Das Saigern selbst ist nicht sichtbar. Der im Projekt entstehende Saigerherd wird nach Abschluss des Projektes im Museum Saigerhütte Olbernhau-Grünthal ausgestellt. In Kombination mit den Filmaufnahmen wird dieser in die neue Dauerausstellung des Museums integriert und das Saigern so erlebbar.