Als noch Schachter in Bärenstein wohnten

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Das Foto zeigt Bärenstein 1956, in dem Jahr endeten die Bergbauarbeiten der Wismut. Foto: Chronikgruppe Bärenstein

Bärenstein gehörte nicht zu den namhaften Bergstädten des Erzgebirges, dennoch gab es Phasen intensiven Bergbaus. Nachdem der 1853 zum Erliegen gekommen war, schrieb die Wismut von 1946 bis 1956 ein Kapitel, dessen Spuren noch heute zu finden sind.

Bärenstein. Dem Vorkommen an Uranpechblende in hiesigen Revieren kam während der Phase des Kalten Krieges strategische Bedeutung zu. An jene Geschehnisse vor 75 Jahren erinnern die Mitglieder der umsichtig agierenden Chronikgruppe des Ortes.

„Ab Herbst 1946 begannen die ersten Vorbereitungsarbeiten und geologischen Erkundungen“, erzählt Christine Schmiedel. In einem Beitrag für das jüngste Amtsblatt berichten sie von diesen Ereignissen. „Nur noch älteren Einwohnern dürfte bekannt sein, dass der 1949 errichtete Wohnstandort Blockhaus-Siedlung oder jene 1951 aufgebauten Steinhäuser damals den herbeiströmenden Bergleuten und samt Familien Wohnmöglichkeiten boten.“

Vordem wurden die Ankömmlinge privat einquartiert. „So auch bei meinem Großvater, sie wurden im Volksmund als Schachter bezeichnet“, erzählt die gebürtige Hammerunterwiesenthalerin. Einen Schachter hatte auch die Familie von Rosemarie Meyer aufzunehmen. „Dazu eine russische Sekretärin, die in der Verwaltung arbeitete“, fügt die Bärensteinerin hinzu. Und Uwe Schulze als Bahnexperte weiß, dass die Fichtelbergbahn seinerzeit 1.000 Kumpel täglich transportierte. „Der Bahnhof Bärenstein wurde um die Weiche 6 und das Gleis 4 erweitert. Im Volksmund hält sich die Bezeichnung Kirche für die hergerichtete Erzverladung, die wie alle Anlagen streng bewacht wurde.“

Frost und Schnee stoppten seinerzeit zunächst die Tätigkeiten, bevor im März 1947 der Abbau zügig angegangen wurde. Die Grubenverwaltung hatte ihren Sitz in der beschlagnahmten Villa Geßner in Niederschlag. „In Bärenstein wurden zuerst an der Krötenherdstraße mehrere Häuer beschlagnahmt. Die betroffenen Familien mussten innerhalb weniger Stunden ihre Wohnungen räumen und Platz für russisches Personal machen. Später im Jahr 1948 wurde der Bau der Schwarz-Weiß-Kaue fertig. Die Bergleute mussten bis dahin in ihren Arbeitsanzügen nach Hause gehen“, schreiben die Chronisten. Erst ab 1958, als die SDAG Wismut ihren Baubetrieb längst eingestellt hatte, wurden die Besitzer der Grundstücke entschädigt. Dabei lagen die Beträge von 11 bis 15 Pfennige pro Quadratmeter unter den ortsüblichen Preisen. 

Das Foto zeigt Bärenstein in den 1960er-Jahren, vorn die Wismuthäuser, die noch heute den Standort bestimmten. Foto: Chronikgruppe Bärenstein/Repro Christof Heyden

Die Grube Neu Unverhofft Glück am Luxbach war kein neuer Schacht, aber das erste Bergwerk, das wieder den Betrieb aufnahm, berichteten die Chronisten. Dessen Belegschaftsstärke betrug zeitweise über 3.000 Mann. In den Wismut-Dokumenten wird dieser als Schacht 34 bezeichnet.
Ein weiterer mit Nummer 169 befand sich auf der Hutweide. Viele Jahre war die Spitzhalde ein sichtbares Wahrzeichen. Die sogenannten Stalinschächte 281 und 282 zählten später als das Zentrum des bis 1956 andauernden Bergbaugeschehens.

Zeitzeugen berichten, dass die Belegschaft ein buntes Völkchen ausmachte, Norddeutsche, Vogtländer, Berliner und Einheimische am Werk waren. Die erzgebirgische Mundart sei vorherrschend gewesen. Die Kumpel kamen aus Annaberg-Buchholz, Sehma, Neudorf, Königswalde, Mildenau und anderen Orten der Region. Die meisten hatten vordem nie etwas mit Bergbau beruflich zu tun.

In Bärenstein wurde das Sächsische Haus zum Kulturzentrum der Beschäftigten. Und ein weiteres Ereignis wissen die Chronisten zu benennen: die erfolgreiche Fußballmannschaft aus Bärenstein. Angesichts des zugezogenen Personals profitierte die Elf damals von talentierten Mitspielern. Als Höhepunkt gilt ein Pokalspiel gegen Dynamo Berlin, welches die Einheimischen mit 1:0 gewannen.