Einzigartige Pflanzenwelt des Fadens

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In der Historischen Schauweberei Braunsdorf ist die Ausstellung Im Garten der Fäden zu sehen. In Anlehnung an die Landesgartenschau in Frankenberg werden florale Motive gezeigt. Eva Howitz und Lena Seik, links, sind die Gestalterinnen. Hier vergleichen sie die Grafische Vorgabe mit dem fertigen Stoffstück. Die Muster wurden in dieser Musterwand aufbewahrt. Foto: Christof Heyden

Das ist die Schau für Textilfans aber auch Naturfreunde: Die Ausstellung IM GARTEN DER FADEN widmet sich einem herausragenden Kapitel der Geschichte des Webens.  

Braunsdorf. Es gilt als Schatzkammer: das nahezu komplett  erhaltene und bisher wenig erschlossene Musterarchiv der Möbelstoffweberei Tannenhauer, heute Historische Schauweberei Braunsdorf. „Es umfasst die Entwürfe und Skizzen, Musterzeichnungen und Proben von fast 3.000 Dessins, die eigens für die Firma Tannenhauer entwickelt wurden, um sie vor Ort zu produzieren“, so Museumschefin Andrea Weigel zum Projekt.

Andrea Weigel mit einer sogenannten Kartusche: Einem Schaltplan für den Webstuhl. Foto: Christof Heyden

Die ehemalige Weberei im sächsischen Braunsdorf, gegründet 1883 in Chemnitz, war bis zu ihrer Schließung 1990 ein weltweit renommierter Betrieb. Vor allem war sie berühmt für ihre Biedermeierstoffe mit den typischen Pflanzen- und Blütenmotiven. Neben den immer gefragten Stilstoff en wurden ab 1945 auch moderne, zeitgenössische Dessins in der hauseigenen Musterabteilung entwickelt.
Diese Stoff e erhielten auf In- und Auslandsmessen zahlreiche Preise und Goldmedaillen und prägten eine ganze Ära der Formgestaltung in der DDR.

Dieses Muster gilt als zeitlos legendär, wurde auf Messen ausgezeichnet. Foto: Christof Heyden

IMGARTENDERFADEN ist vor allem eine künstlerisch-forschende Annäherung an dieses einzigartige Archiv. Das umfassende Werk der für die Vielfalt der Formen und Motive verantwortlichen Designer*innen, die Entwicklung der Stoffmuster und ihre Inspirationen werden auf assoziative Weise sichtbar gemacht. Der Präsentation geht es weniger um eine historisch genaue Aufstellung der Objekte, als vielmehr um die Installation eines Wunderkammer-ähnlichen Erfahrungsraumes.

Vorlagen aus der Pflanzenwelt werden mit den Motiven der Stoffmuster kombiniert. Bezüge zu Landschaft en und Topografien werden hergestellt, alte Geschichten nacherzählt und neue, zukünftige erfunden. „Die Gestaltung der Dessins bleibt zeitlos, ihre Kraft ist bis heute ungebrochen  und, nicht zuletzt durch die Authentizität des Ortes, immer wieder faszinierend“, so Andreas Weigel.

Die grafische Skizze für die mechanische Lochkarte eines Webstuhls. Wann muss der Faden wie durchs Gewebe geschossen werden. Foto: Christof Heyden

Tipp: Historische Schauweberei Braunsdorf – Technisches Museum, Inselsteig 16, 09577 Niederwiesa, OT Braunsdorf
Eröffnung am 20. April 2019, 17 Uhr Performance zur Eröffnung: Marthe Howitz (Rhythmikerin, Berlin)
Kuratorinnenführung am 19. Mai 2019, 11 und 15 Uhr (Internationaler Museumstag)
Geöffnet von April bis Oktober jeweils Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr und von November bis März jeweils Mittwoch bis Freitag, 10 bis 16 Uhr, jeden 2. und 4. Sonntag, 10 bis 16 Uhr