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Designer mit Faible für heimischen Zungenschlag

Alle Jahre wieder rücken die Akteure des Mundarttheaters Gehringswalde die erzgebirgische Lebensart in den Blickpunkt. Neben Mundpropaganda setzen sie auf die Gestaltungs-Ideen des Illustrators Ralf Brenner.  

Wolkenstein. Auch 2026 werden die Mimen ihr Publikum mit einer launigen Lustspiel-Inszenierung im hiesigen Zungenschlag unterhalten. Wenn die Hobbyschauspieler um Vereinschef Jens Wünsche und Regisseur Andreas Loos ihre Wortkunst ins Rampenlicht rücken, hat auch Ralf Brenner seine Visionen im Spiel. Der Kommunikations- und Produktdesigner zeichnet mit für die Werbung der Theatertruppe verantwortlich.
Seit den ersten Aufführungen liefert der gebürtige Zschopauer echte Handarbeit für die Bühnenkünstler. Papier, Bleistift und Aquarellfarben sind zunächst die Arbeitsmittel im heimischen Atelier Wolkenstein, seine kreative Idee zum jeweils gespielten Mundartstück umzusetzen.

„Die Inspiration schöpfe ich aus dem Gespräch mit dem Autor Andreas Loos, der mir sein Szenario vorstellt, dabei auf Handlungsschwerpunkte und Eigenheiten der jeweiligen Rollen aufmerksam macht“, so Ralf Brenner. Damit ist er als Illustrator zumeist der erste, dem der seit Jahren bewährte Stückeschreiber sein neuestes Werk anvertraut. „Oft noch, bevor das Ensemble die Rollenbücher bekommt“, so der Grafiker.

Grafik- und Produktdesigner Ralf brenner kreiert die Plakate und Werbebilder für das Mundarttheater Gehringswalde. Foto: Christof Heyden


Dieser ersten abstrakten Annährung folgt der Besuch einer Probe. „Da ist die Grundidee eines Motivs bereits in meinem Kopf, in Skizzen entwerfe ich die Optik der Charaktere und filtere szenische Handlungshöhepunkte. Mit dem Vor-Ort-Besuch bekomme ich eine Bestätigung, einen entscheidenden Moment der Story einzufangen. Dann wird die Bildaussage ausgearbeitet, mit Details und Text aufs Papier gebannt und nachfolgend in eine Druckvorlage gebracht“, so der 63-jährige Gestaltungsfachmann. „Hin und wieder lege ich im Nachgang noch kleine Korrekturen an, etwa hinsichtlich des Kostüms und der Details in der Ausstattung.“ 

Im Berufsalltag genießt Ralf Brenner einen überregional geschätzten Ruf: sein Metier sind beispielsweise grafische Darstellungen für Erzeugnisse von Unternehmen der Erzgebirgischen Holzkunst, er tüftelt an deren Präsentationen und gestaltet Messeauftritte. Zu den renommierten Firmen zählen Wendt & Kühn in Grünhainichen, Björn Köhler in Eppendorf oder die Räuchererzeugnisse aus Crottendorf. In jüngerer Zeit hat er als Illustrator beispielsweise das Kinderbuch über die Entstehung und Zeitreise der legendären Elfpunkte-Engel mit verfasst.

Diese elf Akteure des Mundarttheaters Gehirngswalde bringen erzgebirgische Mundart auf die Bühne. Foto: Christof Heyden

„Die Zusammenarbeit mit den Mundarttheaterakteuren ist für mich ein willkommener Ausgleich im Arbeitsalltag. Sie verkörpert mit der Darstellenden Kunst eine Nische. Die Spielidee eines Autors grafisch umzusetzen ist eine herausfordernde Abwechslung und befruchtet zugleich mein Tun“, stellt der Designer fest, der sein Diplom für Industrielle Formgestaltung an der namhaften Kunsthochschule Burg Giebichenstein in der Tasche hat. „Ohne selbst sattelfest im heimischen Zungenschlag zu sein, begeistert mich die Redeweise der Region“, so Ralf Brenner. „Mit meinem Beitrag will ich nicht allein ein Abbild der Schauspielszene schaffen, vielmehr diese überhöhen und die Abstraktion des Stücktes steigern“, so seine Intentionen. (hy) 

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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