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Montag, 15. Dezember 2025

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Crottendorfer servieren Gericht im heimischen Zungenschlag

Sachsens ältestes Mundarttheater rückt den jüngsten Streit einer Lokalgeschichte ins Rampenlicht: die Rivalität zwischen den Köchen zweier Dorfgasthäuser, deren Twist um den Goldenen Kochlöffel entbrennt.

Crottendorf. Am Fuße des Fichtelbergs tobt eine sich zum Kochduell ausweitende Auseinandersetzung: was mundet dem Erzgebirger besser: Kartoffelsuppe, Rouladen und Sauerbraten oder Suzuki und Souvlaki? Im Wettstreit die Gaststätte Zum Lamm und die TAVERNE. Deren Lokale liegen Tür an Tür, allein durch eine Deutsche Eiche räumlich getrennt. In Crottendorf wird in diesen Wintertagen die finale Entscheidung zwischen deutscher und griechischer Kochkunst gesucht.

Zumindest auf der Bühne des Mundarttheaters. Und dessen dramaturgischer Speiseplan verspricht erneut bekömmliche Kost: die Aufführungen munden dem Publikum als Gesamtpaket mit Lachmuskeltherapie und emotionale Kreislaufmassage inclusive.

Das Ensemble Mundarttheater Crittendorf versammelt sich auf dem Dorfplatz der Inszenierung. Foto: Christof Heyden

„Diesmal mussten wir nicht lange nach einer Spielvorlage suchen, schnell war die Entscheidung gereift, mit dem Lustspiel von Autor Dirk Salzbrunn einen Stoff auf die Bühne im Deutschen Haus zu bringen, die vor Jahren schon einmal für große Begeisterung gesorgt hat. Heuer wird das Thema aufgefrischt aufgetischt“, erklärt zur Hauptprobe Vereinschefin Conny Gläser-Rennau.

Und verrät die Lage: „Rita, mit ihrem in die roten Zahlen geraten Gasthof, hat einen Koch eingestellt, der sich auf griechische Spezialitäten versteht. Seitdem floriert der Laden. Dies passt ihrem Nachbarn, dem Besitzer des Lamms nicht, ist der doch ein leidenschaftlicher Verfechter der Guten Deutschen Küche. Und dennoch hat er im Restaurantführer „Schlemmerpost“ nur einen von fünf möglichen Sternen erhalten. Genauso viel, wie die TAVERNE. Nun sind wieder Testesser unterwegs. Dies ruft in beiden Gasthöfen hektische Betriebsamkeit hervor. Man wappnet sich auf diese Vorkoster. Und klar, die vermeintlich reisenden Gourmets sind nicht jene, die die Gastronomen ausgemacht haben wollen. Ein Mix an Verwicklungen und Verwechslungen nimmt seinen Lauf. Wie die gelöst werden und wer den Kochlöffel gewinnt, zeigen wir mit 15 Aufführungen bis in den März 2026.“

Unverrückbar wie ein Stammtisch ist der Premierentermin: immer am ersten Adventswochenende öffnet sich der Theatervorhang. Die jetzt startende Saison ist die 116. der Interessengemeinschaft, deren Gründungstermin ins Jahr 1909 fällt.

Nico Müller ist neuer und jüngster Mitspieler im Ensemble Mundarttheater. Foto: Christof Heyden

„Ein Wehrmutstropfen für Kulturhungrige bleibt indes auch diesmal: das Sitzplatzkontigent war binnen eines sonnabends ausverkauft. Erstmals haben wir selbst zu Monatsbeginn den Kartenvorverkauf in die Hand genommen. Eine bis zu vier Stunden wartende Kundenschlange, die ersten rückten für den 14 Uhr anberaumten Verlauf schon 9 Uhr an, wurde letztmals in Vorwendetagen gesehen“, konstatiert Regisseur Stefan Gläser mit einem lachenden und weinenden Auge.

Der gilt mit Uta Gläser als Urgesteine des derzeit 16 Akteure zählenden Amateurensembles. „Seit 1969 bin ich dabei, Uta seit 1980“, so der Crottendorfer. „Wir sind durch Höhen und Tiefen, zur Wendezeit war sogar zu befürchten, dass die Lichter endgültig ausgehen. Alles zog damals westwärts, suchte Unterhaltung in bislang unbekannten Regionen.“ Doch Beharrlichkeit siegte. „Mit Ende der 1990er Jahre verspürten wir wieder die Nachfrage. Unser Publikum begeistert sich für unsere regional geprägte Lebens- und Spielart und schätzt den Fakt, für drei Stunden dem Alltagsleben für bekömmliche Kunstbeiträge zu entfliehen.“ (hy)

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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