Bohrhammer im Netz ersteigert

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Im Rahmen des Museumsangebots in Freiberg lädt das Bergbaumuseum zu einer Zeitreise ins Mittelalter. Zu den Aufgaben gehört auch, mit einem Begriff etwas zu beschreiben, was auf einem Foto aus der Geschichte zu sehen ist. Dr. Eberhard Pönitz, links, als Bergakademiker und Roland Tschajanek als Bergbaubeamter checken mit Antje Albrecht die Vorschläge der Kinder. Foto: Christof Heyden

Geschichtsbewusste Bergstädter suchen bergbauliche Zeitdokumente und Werkzeuge für die Erweiterung der Dauerausstellung im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg.

Freiberg. Dank der Ebay-Web-Tauschbörse zählt ein mächtiger Bohrhammer zu den jüngsten Schaustücken im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg. Im Rahmen des am zurückliegenden Sonntag veranstalteten weltweiten Museumstages unter dem Motto „Museen – Zukunft lebendiger Traditionen“ nutzte Lasse Eggers die Gelegenheit, Besuchern diese technische Zeitstück aus jüngerer Bergbaugeschichte zu zeigen.
„Das Werkzeug war im Grubenbetrieb in Halsbrücke einst im Einsatz“, so das Mitglied im Verein Reiche Zeche, der gemeinsam mit Vertretern der Freiberger Bergmanns- und Hüttenknappschaft das Museumsteam zum Aktionsteam verstärkte. „Später wurde es unter   der in DDR scherzhaft genannten Devise „Aus unseren Betrieben ist noch mehr herauszuholen“ für private Abbruchzwecke weiterverwendet“, so der studierte Technikexperte.
Im Zuge der gestarteten Aktion, die Sammlung der Dauerausstellung im Stadt- und Bergbaumuseum zu erweitern, sei ein Hinweis aufgekommen, dass im Netz dieses Exemplar angeboten werde. „Dank eines Bergbaufans wurde es für unser Vorhaben ersteigert“, so Lasse Eggers.

Lasse Eggers mit dem Bohrhammer, auf den die Freiberger im Internet aufmerksam geworden sind. Foto: Christof Heyden

Lasse Eggers nutzte den Schausonntag für den Sammlungsaufruf zu werben. „Vor 50 Jahren wurde der Bergbau in der Region endgültig eingestellt. Wir dürfen jetzt nicht den Moment verpassen, jene Zeitzeugen zu befragen, die uns noch darüber erzählen können. Auch aus diesem Grund wurde die gemeinsame Aktion gestartet. So existiert beispielsweise manches Fotos, doch wir wissen nicht, wer darauf abgebildet ist“, so der seit 13 Jahren in der Bergstadt lebende Akteur.

Nicht nur dessen Interesse ist es, in neuen ZEITreiseRäumen des Museums bergbauliche Gerätschaften, originale Kleidungsstücke und Zeitdokumente zu zeigen, die allesamt vor allem nach 1900 stammen sollen. „Wir sind gespannt, was zum einen noch auf Dachböden, in Kellern oder Omas Schrankwand schlummert. Aber genauso spannend sind für uns eben die Geschichten. Wir freuen uns, wenn auch persönliche Bergbauerlebnisse weitergegeben werden.“
So zeigt sich der Zeitforscher angetan, jüngst einen Bericht zum Lohntag auf dem David-Schacht erhalten zu haben. „Interessant zu erfahren, dass da die Frauen seinerzeit gleich mit anstanden, um zu sichern, dass der Ehemann nicht alles gleich in der Schankwirtschaft umsetzt.“

Das Mitglied des Altertumsvereins Dr. Egon Stelzner, links, ließ sich als Besucher von Dr. Eberhard Pönitz, als Bergakademiker und Roland Tschajanek als Bergbaubeamter, rechts, ins Habit einkleiden. Foto: Christof Heyden

Egon Stelzner gehörte zu den Besuchern, der Lasse Eggers einige Hinweise geben konnte. Das Mitglied im städtischen Altertumsverein nutzte genauso die Gelegenheit, das Zeitreise-Projekt kennen zu lernen. Dazu zählt, persönliche Postkarten gekleidet in bergmännisches Habit zu gestalten.
In ihren Rollen als Bergakademiker und Bergbaubeamter gaben Dr. Eberhard Pönitz und Roland Tschajanek als Mitglieder der Berg- und Hüttenknappschaft Freiberg den Besuchern Einblicke in die Anzugordnung der Bergleute und berichteten vom Leben in der Bergstadt.

Besonders die jungen Leute waren eingeladen, am Wettbewerb „Ein Bild – ein Laut“ teilzunehmen und sich mit dem Berufsbild des Bergmanns zu beschäftigen. Dabei gilt es, auf Fotos abgebildete bergmännische Tätigkeiten mit einem, maximal zwei Worten zu beschreiben. So standen die Szenen vom Untertagebetrieb mit vor Hunte gespannten Pferden im Blick, wie das Pochwerk, die Gebetsstube oder Sägetätigkeiten für den Ausbau der Strecke.