Einen die Publikumsneugier stillenden Blick in Mietsverhältnisse bringen die Akteure des Mundarttheater Gehringswalde mit ihrer jüngsten Inszenierung auf die Bühne. Gerade eine spezielle Zeitgenossin bringt die turbulenten Geschehnisse zum Sieden.
Hilmersdorf/Gehringswalde. Oh diese Sperrguschen! Wie wäre es um das zwischenmenschliche Klima in einer Hausgemeinschaft bestellt, würden es nicht derart spezielle Zeitgenossinnen beleben. In der neuesten Inszenierung des Mundarttheaters Gehringswalde bekommt das aufgeschlossene Publikum ein Paradebeispiel eines neugierigen Weibsbildes, welches im übertragenen Sinne aufgesperrten Mundes das Geschehen der Nachbarschaft aufnimmt und bereitwillig sehr zu Begierde der Mitbewohner die Neuigkeiten weiterträgt.

Das eigentlich eher träge dahinfließende Leben in dem Mehrparteienhaus erfährt gerade durch die nie zu stillende Wissbegier von Lene, lachmuskelstrapazierend von Sieglinde Lehnert dargestellt, seine Bereicherung. Wie wird deren Ereignissuche befruchtet, als eines Tages Fräulein Ida (Lena Wagener) einzieht. Schnell wickelt die ankommende pfiffig-aufgeweckte Neubewohnerin die angestammte und manch Wehwehchen pflegende Herrenrunde mit Rudi (Andreas Loos), Hans (Jens Wünsche) und Otto (Michael Just) um die Finger. Trotz Rücken und anderer Leiden erwacht deren Mitgefühl für die junge Frau, welches sogar im Transport des Klaviers in die vierte Etage gipfelt.

Wie mancherorts in eingespielten Hausgemeinschaften üblich, werden Zimmertüren nicht verschlossen. Dies spielt der Lene in die Karten, findet sie doch in einem unbeobachteten Moment den Kalender der Neuankommenden. Dessen Eintragungen fördern den höchstmöglichen Erregungszustand. Nicht nur bei der Sperrgusch, vielmehr den Ehefrauen des Hauses, denen sie von ihrer Errungenschaft berichtet. Es sind die Namen von Otto, Rudi & Co darin termingenau verzeichnet, offenbar haben die Herren regelmäßig die Dienste der ohnehin der freizügigen Lebensart zusprechenden Frau in Anspruch genommen.

Welch Abgründe für die bürgerliche Fassade, ein Puff im Mietshaus. Nudelholz, wir fordern Rache, lautet fortan die Devise der offenbar gehörnten Ehefrauen. Die verabreden sich, zur Genugtuung von Lene, ihre Gatten zuschlagend um die Ecke zu bringen. Das Geschehen nimmt seinen dramatischen und doch heiteren Verlauf.
Andreas Loos, wiederholt Autor aus den eigenen Schauspielreihen, versteht die Instrumente eines sehenswerten Bühnenspektakels zu spielen.

So manch Alltagsszene findet sich im gespielten Witz im Rampenlicht wieder, das Publikum erkennt die Portion Lokalkolorit. Die Story setzt auf Halbwahrheiten, Missverständnisse und Doppeldeutigkeiten – bis zum Finale der wahre Sachverhalt das erheiternde Geschehen sieden lässt.
Mit Ovationen würdigten die Zuschauer zur jüngsten Aufführung im Gasthof Hartmann in Hilmersdorf die Vorstellung der neun Schauspieler und zwei Souffleusen. Das neuerliche Gastspiel der Gehringswalder zeigte erneut, mit welch Heißhunger die Einheimischen die Beiträge in erzgebirgischer Mundart verfolgen.

Boten die Gastgeber der renommierten Einkehrstätte vordem eine Aufführung an, wurde heuer bereits ein Zusatzgastspiel auf die Bühne gebracht. Angesichts der nicht zu stillenden Nachfrage soll es im kommenden Jahr nunmehr noch ein drittes Abendprogramm im Rahmen des angestammten Schlacht- und Bockbierfestes geben. (hy)





