Anne, Arthur und Henriette wissen an diesen Ferientagen mit Flugmanövern ihr Publikum zu unterhalten. Falken und Adler durchkreuzen das Flugrevier Augustusburg. Auch ein bislang Namenloser ist mit dabei.
Augustusburg. Die imposanten Greifvögel haben mit Falkner Michael Löbel und Ehefrau Antje auch in diesem Sommer ihr zeitweiliges Quartier am Fuße des Galgenbergs in Augustusburg bezogen. „Jeweils von Donnerstag bis Sonntag laden wir die Besucher ab 15 Uhr ein, unsere Tiere aus nächster Nähe zu bestaunen und sie in einer rund 45-minütigen Vorführung in Aktion fliegen zu sehen“, so der Greifvogelexperte. „Wir stellen etwa 20 Greifvögel in der Anlage aus, zu denen zählen verschiedene Falken, Bussarde, Adler, Geier und Uhus.“
Seit 1992 pflegt Michael Löbel das Handwerk des Falkners und begründete den ersten sächsischen Adler- und Falkenhof nach der Wende. Ungezählte Besucher erfreut der Erzgebirger mit seinen Jagdvögeln an verschiedenen Standorten. Viele Jahre hatten die Greife auch auf dem Jagdschloss Augustusburg ihren Horst. Unterdessen ist Wolkenstein der Hauptsitz von Menschen und Tieren. Zu deren Arbeitsalltag zählt beispielsweise das Bejagen von Vögeln und Kleintieren auf Flughäfen in Dresden und Leipzig.
„Unsere Arbeit ist von dem Willen bestimmt, einen Beitrag zur Erhaltung des wertvollen Kulturgutes von Beizjagd und Falknerei zu leisten. Gerade in den Kontakten mit dem Publikum wird uns klar, wie wichtig die Vermittlung von Wissen über heimische und nicht heimische Greife ist. Insofern bieten wir nicht nur Unterhaltung, sondern berichten über die Greife, demonstrieren natürliche Verhaltensweisen im Freiflug. Und zu bemerken ist, dass die Falknerei als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist“, erklärt Michael Löbel.
Unterdessen sind unter den Besuchern nicht nur jüngere Generationen im Publikum, auch der Vogelbestand wächst nach, zumeist durch eigene Zucht. „Bisherige Nachzuchten gelangen beim Wander- und Sakerfalken sowie Uhu. Angestrebt wird die Nachzucht von Milanen und europäischen Seeadlern“, so der Fachmann.

Zu dessen jüngsten Flugakteuren zählt auch ein Gerfalke. „Dieser jetzt zweijährige Greif ist ein stolzer Vertreter seiner Art, derart Flugkünstler schätzen beispielsweise die jagdvogelbegeisterten Menschen der Arabischen Emirate.“ So diszipliniert in den regelmäßig trainierten Flugvorführungen mitarbeitend, wusste dieser Federträger jüngst auszufliegen. „Der Bursche war drei Tage weg. Das ist für unsere Falknerei nicht so ungewöhnlich, hin und wieder drehten einige Vertreter schon einmal eine größere Runde, schwebten etwa bis an Zschopau- oder Flöhafluss.“
Doch heuer war die Suche schwierig. „Der Sender, mit denen die Greife bestückt sind, fand sich bei der Suche abgerissen im Wald. Was tun?“ Wie manches Mal vordem meldete sich aber ein aufmerksamer Zeitgenosse. „Wir erhielten einen Anruf von einem Anwohner bei Niederwiesa, der an der Ampelanlage am Ostkreuz den Greifvogel bemerkte und schlussfolgerte, uns als Fachleute anzurufen. Es stellte sich bei unserer sofortigen Kontaktaufnahme heraus, dass es unser Gerfalke war.“ Das Happyend zeitigte noch ein erfreuliches Ergebnis: der Vogel kam endlich zu seinem Namen. „Bislang ohne persönliche Bezeichnung, tauften wir ihn auf Thomas, so wie sein Finder heißt“, erzählt Michael Löbel schmunzelnd.





