Für Impfausweis lohnt sich Blick ins Kreisarchiv

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Im Kreisarchiv Freiberg lassen sich Impfkarteien finden, die frühere Informationen geben können, die für die Ausstellung des neuen Impfausweises wichtig sind. Foto: Christof Heyden

Im Kreisarchiv Mittelsachsen lagern 18.000 laufende Meter Akten. Unter den Dokumenten lassen sich auch alte Impfkarteien finden. Die geben im Bedarfsfalle auch Informationen für den neuen Impfausweis.

Freiberg. Mit der Impfung gegen Covid-19 begann bei vielen die Suche nach dem Impfausweis. Bleibt der unauffindbar und kann auch der Arzt nicht helfen, lohnt sich eine Anfrage beim Gesundheitsamt. Die Mitarbeiter können im Kreisarchiv nach alten Impfkarteien suchen. Solche Anfragen gibt es, laut Hartmut Petzak, dem Leiter des Kreisarchivs, regelmäßig.

Rund 18.000 laufende Meter Akten verwahrt das Kreisarchiv Mittelsachsen aktuell an seinen drei Standorten in Freiberg, Mittweida und Wechselburg sowie in einem Archivmagazin in Döbeln. Das entspricht der Entfernung zwischen Freiberg und Siebenlehn. Rund 500 Meter Akten kommen pro Jahr hinzu, etwa 100 Meter werden jährlich entsorgt. Maximal 30 Jahre bleiben die Unterlagen im Verwaltungsarchiv. Danach wird entschieden, ob sie ins Historische Endarchiv übernommen werden. Die Mitarbeiter wissen, was einen bleibenden Wert für die Nachwelt hat. Während das Verwaltungsarchiv nur aus dem Schriftverkehr der Behörde besteht, sammelt das Historische Endarchiv auch alte Geburtsbücher, Zeitungen, Chroniken und Protokolle.

Ein Erbbuch aus dem Jahr 1559 gehört zu den ältesten Akten im Kreisarchiv. Es ist etwas vergilbt und die Schrift schwer zu entziffern, aber noch gut erhalten. „Alte Akten bestehen in der Regel aus gutem Papier“, erklärt Hartmut Petzak. Schwieriger sei da der Umgang mit dem Archivmaterial aus DDR-Zeiten. Da ist auch die Digitalisierung keine Lösung. „Das wäre unverhältnismäßig teuer, weil es sich um enorme Datenmengen handelt“, erklärt Hartmut Petzak. Außerdem schreibt das Archivgesetz vor, dass Akten in ihrer Entstehungsform, sprich als Originale zu erhalten sind.

Eine Besonderheit ist, dass das Kreisarchiv für Bauakten die Direktbenutzung abwickelt. Das heißt, sowohl im Verwaltungsarchiv die Unterlagen ab 1990 für die Bauverwaltung als auch im Historischen Endarchiv die Unterlagen von vor 1990 für die Bürger. Dies trifft insgesamt auf rund 200.000 Bauakten aus der Zeit letztes Drittel des 19. Jahrhunderts bis heute zu. Darüber hinaus ist das Kreisarchiv für das Archivgut jener Städte und Gemeinden im Kreis zuständig, die kein eigenes Archiv unterhalten. Das sind in Mittelsachsen 36 Kommunen.

Grundsätzlich darf jeder im Kreisarchiv recherchieren. Etwa 2.000 Anfragen gibt es laut Hartmut Petzak jedes Jahr. Familiengeschichtliche Unterlagen und Bauakten werden am häufigsten nachgefragt. Die Beschäftigten des Kreisarchivs suchen die gewünschten Akten raus und stellen sie auf Wunsch auch digital zur Verfügung. Für umfangreichere Recherchen vor Ort gibt es Benutzerräume. Hierhin kommen zum Beispiel Historikerinnen und Historiker von Universitäten. Bürgerinnen und Bürger recherchieren im Schnitt jährlich an 330 Tagen in den Beständen der drei Standorte des Kreisarchivs. Selbst in den Regalen stöbern ist allerdings nicht erlaubt. Und auch die Ausleihe ist nicht möglich. „Die Originale hüten wir wie unsere Augäpfel“, so Hartmut Petzak. (pr)