Wer kennt Flaschner, Feierriebl und Borzeldreher?

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Am Heimatmuseum in Großolbersdorf findet sich dieser Mundartspruch an der Fassade des Hauses, welches Einblicke in die Handwerksgeschichte der Region bietet. Foto: Christof Heyden

Mundartliche Meisterstücke sind jetzt von den Erzgebirgern gefordert: Zum dritten Mal werden Einheimische und Freunde des hiesigen Zungenschlags aufgerufen, ihr Lieblingswort zu finden.

Annaberg-Buchholz. Der Erzgebirgsverein und die Freie Presse starten, unterstützt von erzgebirge.tv auch 2019 eine Neuauflage der öffentlichen Begriffssuche. Und das dürfte neben manch Kopfzerbrechen auch den Plausch in der Familie oder mit der Nachbarschaft erfordern.
Getreu dem Motto „Ohne Schweiß, kein Preis“ sind solche Wörter gesucht, die die Arbeitswelt abbilden, Werkstoffe bezeichnen, Maschinen vorstellen, Technologien beschreiben und Berufe charakterisieren.
Die Initiatoren rufen die Erzgebirger und Freunde der Region auf, unter dem Motto „Unner Arzgebirg – Wo das Handwerk nicht auf den Mund gefallen ist“, ihre Vorschläge einzureichen.
Nun sind Aktivitäten auf Meisterniveau gefragt. Wörter und Redewendungen sind längst nicht so redeparat, wie jedermann die Siegerbegriffe der beiden Vorjahre mit „Maarguschn“ und „kabsch“ kennt.
Gesucht sind Namen, wie etwa der des Flaschners. Der stellte einst Wärmflaschen aber auch metallene Trinkbehältnisse für das Militär her. Die waren seinerzeit aus Kupperblech (Kupferblech).

Regine Seifert zeigt im Heimatmuseum Hormersdorf eine Kanne mit Schnäuzel, hergestellt vom Flaschner. Foto: Christof Heyen

In der Arbeits- und Wohnwelt der Erzgebirger gab es beispielsweise die Nodelzang (Nadelzange), ein Werkzeug der Strumpfwirker, aber auch die Rodwall (Schubkarre), man kennt Schaffel (kleine Wanne), die Kraut- und Bruthubel, den Täpphoder (Topflappen), die Sagn (Sägen) und Schlitzenzieher (Schraubenzieher).
In einen Haushalt gehörten de Socksch (Socke), der Hansch (ein Handschuh) und Hansching (ein Paar Handschuhe). Eine Ladehus bezeichnet die Lederhose und die Ladegag die Jacke. Damit Hosen nicht rutschen, gibt es die Troibänne.

Ein Flickflack bezeichnet einen Stofffleck, ein Ohwaschflackl ist der Waschlappen. Ein Federnstaubwedel wird als Fladerwiesch gesprochen und Plättlock bzw. -brat sind Bügeleisen und Bügelbrett. Eine Weißbärscht besitzt der Maler, der Schuster bedient die Ausputzmaschin und besitzt nicht nur eine Ohl (Ahle).

Von der Landwirtschaft berichten de Ses (Sense), ein Troikorb (Tragekorb) wurde auf den Rücken geschnallt. Hiesige sagen zum Heuhaufen Heihhöffel und zum liegen gebliebenen Gras- bzw. Heu-Samen Heigesam. Mit einem Kilberstriek aus Hanf wurden Kälber festgebunden, ein Kühgung musste auf die Vierbeiner aufpassen.

Im Heimatmuseum Hormersdorf sind beispielsweise kleine Wannen, als Schaffel bezeichnet, zu sehen. Foto: Christof Heyden

Wettbewerb:
Erzgebirgsverein und „Freie Presse“ suchen das Erzgebirgische Mundartwort des Jahres 2019 unter dem Motto: „Unner Arzgebirg – Wo Handwerk nicht auf den Mund gefallen ist“. Für den Begriff ist jeweils eine kurze hochdeutsche Übersetzung hinzuzufügen. Zudem muss der Einsender Name und Kontaktdaten angeben – wichtig für finale Siegerehrung.
Vorschläge per Post an: Geschäftsstelle des Erzgebirgsvereins, Markt 6, in 08289 in Schneeberg oder an „Freie Presse“, Lokalredaktion Annaberg, Markt 8, in 09456 Annaberg-Buchholz. Via E-Mail an: Red.Annaberg@freiepresse.de.
Einsendeschluss für die Vorschläge ist der 1. September 2019.