Mundartautorin Monika Tietze hat ein viertes Büchlein von in erzgebirgischer Mundart verfasster Beiträge veröffentlicht. Die frühere Schneidermeisterin zeigt erneut eindrucksvoll, welch literarisches Netzwerk sie mit Worten zu schreiben versteht.
Crottendorf. Reichen thematischen Ertrag hat Monika Tietze 2026 erneut aus ihrem Hausgarten eingefahren. Auch die jüngste Auflage des ergiebigen schöpferischen Schaffens resultiert aus der feinsinnigen Beobachtungsgabe der Crottendorferin. Aus dem Miteinander von Mensch und Natur speisen sich 72 in einem vierten Büchlein veröffentlichter Gedichte und Kurzgeschichten. Wie in zurückliegenden Publikationen praktiziert, folgt deren inhaltliche Anordnung dem Lauf der Jahreszeiten. Beginnend mit dem letzten Tag des Vorjahres, reicht die Palette des roten Fadens über Frühjahr und Sommer hin zu Herbst und Winter.
In Anbetracht des Werdens und Gedeihens macht sich die Erzgebirgerin ihre Gedanken über das Erwachen der Natur, gespiegelt in ihrem wechselvollen Alltag. Sie teilt ihre Freude über den schmelzenden Schnee und weichende Kälte, begrüßt lautstark ankommende Vögel und sehnt die Ankunft des Osterhasens herbei. Mit erstaunlicher Wortvielfalt beschreibt die Preisträgerin von Mundartwettbewerben die Blumenvielfalt im Hausgarten, bricht eine Lanze für das verkannte Stiefmütterchen. Genugtuung macht sie mit Worten deutlich, die eine große Pfütze allemal lieber beschreiben, als jene im Einheitsgrau zugpflasterten Wege.

Zudem liefert die Schneidermeisterin unterhaltsamen Wissensstoff erzgebirgischen Zungenschlags und erklärt etwa, was die Begriffe „epper“ und „emende“ unterscheidet. Kenner des Erzgebirges wissen, wenn es ans Mannle-Aufwecken geht, wird die Adventszeit vorbereitet. Auch derart Sitten finden in Reimform Berücksichtigung. All ihr Beobachten, Schreiben und innerliche Ruhe finden ist dabei von einem inspirierenden Gedanken viel weiter und höher gefasst.
„Unner Labn is wie e Letter- wir klettern auf der Lebensleiter aufwärts un es gibt kein zurück“, so Monika Tietze und zitiert die Zeile: „… of der ganzen Fahrt hot dor Hergott dich bewahrt. Das Wort „Fahrt“ steht auch für erzgebirgische Wort „Leiter“. Im übertragenen Sinne steigen wir mit dem Lebensalter höher und höher, nehmen zugleich mehr und mehr Gepäck mit. Ist der Rucksack schwer, weil er mit Angst, Ärger, Neid und Unzfriedenheit gefüllt ist, oder reisen wir mit Dankbarkeit, Zufriedenheit und Fröhlichkeit, die wir in unseren Rucksack gepackt haben?“
Für die Autorin ist die Frage beantwortet. Sie sieht sich mit dem Schöpfer aller Dinge im Bunde. Und verrät ihren Kniff, auch an grauen Tagen guter Stimmung zu sein: „Halten sie Ausschau nach einem Himmelsguckloch, denn hinter den Wolken ist der Himmel blau und die Sonne scheint“!

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