Mit Grumpele wärscht de sot

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Auch die lustigen Hammerschmiede-Gesellen wissen ein Lied von ihrem Berufsstand und dem Durstlöscher Bier zu singen. Eine historische Liedpostkarte. Foto: Christof Heyden

Das waren noch Zeiten im Erzgebirge, als Konsumenten ihre Lebensmittel in Gedichtform priesen und sogar Melodien anstimmten.

Annaberg-Buchholz. Ganz nach dem Geschmack von Lutz Walther. Denn der Lössnitzer zählt zu den renommierten Sammlern von Liedpostkarten im Erzgebirge und kann auf so manches Exemplar verweisen und sagt: „Ob Kartoffel und Fisch oder ob Käse und Pilze: Liedpostkarten berichten lebensnah vom Essen und Trinken der Einheimischen.“ Die betagten Druckerzeugnisse geben aufgeschlossenen Zeitgenossen heute eine Vorstellung, wie sich die Urgroßvätergeneration einst ernährte, welche lukullischen Freuden den eher kargen Speiseplan des kleinen Mannes aufwerteten. „Mit Grumpele, mit Worscht un Fett, nooch wärscht de sot un stark“, heißt eine der von Hans Siegert geschriebenen Textzeilen seines Aardäppel-Liedes.

„Die Kartoffel dürfte wohl zu den meistbesungenen Grundnahrungsmitteln der Region gehören, denn da gibt es mehrere Versionen“, sagt der 57-Jährige. Der Reiz: „Da geht es um mehr als eine Begriffsbestimmung mit Blick auf den Zungenschlag.“ Denn die Autoren würden ihren Alltag erzählen. Beispiel: „Zr Kirmis, im die Zeit do machen mr naus, do tu´ mr sich unnere Ardeppeln raus, es gibt for uns alle ka schännera Zeit, do ham mr sich schi ´s ganze Gahr drauf gefreit“, heißt es im Ardeppellied von Ernst Geßner aus Aue. Und der schreibt auf, wie vielgestaltig die Kartoffel verarbeitet wurde: als Spalten, Kließ, Rauchemaad, Brei und Eigeschniedena.

Lutz Walther aus Lössnitz ist renommierter Sammler von Liedpostkarten. Foto: Christof Heyden

Reinhold Illing wiederum zeige sich in seinem Ardepp´l –Lied ernährungsbewusst: „War immer Fleisch isst dar wird kronk, su is ah mit d´r Worscht, dos Harichzeig mocht viel Gestonk un ub´ndrauf grussn Dorscht.“ Daher rät dieser: „Aus Ardepp´ln do macht mr Brei un Knödle, och herjeh! Mocht Getz´n draus un Buzala un Ardepplsalot. Doch olles schmeckt noch net su gut, ols wie da Rauchamod.“
So mancher Berufsstand findet sich auf den Druckerzeugnissen wieder. Seien es Waldarbeiter, Bergmänner oder Kaufleute. „En Sommer gieht mei Hannl ah, mit Grü´zeich, Kemml on Meierah. En Wentr bräng ich Eppl on Nüß, on Pflauma, die sei zuckersüß.“ So Anton Günther in seinem „Dr alta Hannelsmah“.
Aber auch Stärken und Schwächen der Akteure werden beschrieben. Etwa „Die Dicke von Zwicke“, aus der Feder von Hilmar Mückenberger. „Un mit Käs´tut sa haneln. Un mit Bittling nambei. Ka sich noch za sehr wasch´n, D´r Geruch bläbt´r treu.“

Der geschichtsinteressierte Erzgebirger fragt sich: Würde die Facebook-Generation womöglich ein musikalisches Hoch auf Pommes frites, Hamburger oder Pizza als zeitgemäßen Rapsong oder Schlager anstimmen?