Die Kirche „Herz Jesu“ in Neugeschrei, einem Ortsteil der tschechischen Stadt Vejprty war am Wochenende Treffpunkt von Bergleuten aus Sachsen und Böhmen.
Vejprty. Auf Einladung der Mitglieder der Bergbauvereinigung Weipert versammelten sie sich am Sonnabend zur feierlichen Weihe der historischen, restaurierten Vereinsfahne der Gastgebergruppe. Nach einer kleinen Zeremonie in der Stadtverwaltung folgte der symbolische Akt im Gotteshaus, dabei Abordnungen des sächsischen Landesverbandes u.a. aus Ehrenfriedersdorf, Frohnau, Waldkirchen in Neugeschrei.
Unter zünftigen Akkordeon-Klängen des Musikanten Jörg Heinicke marschierten die Delegationen ins Kirchenschiff. Angeführt vom Vorsitzenden, Martin Hippmann, nahmen die Bergleute Aufstellung. Pfarrer Simon Polivka vollzog die Zeremonie der Fahnenweihe, erinnerte an den einst bedeutenden Berufstand in der Freien Bergstadt und wünschte den Bestrebungen der Akteure gutes Gelingen. Mit dem Besprengen der Fahne mit Weihwasser vollzog er den Brauch, jede Feindseligkeit und Arg von den Bergleuten und ihrer Fahne zu bannen und den hilfreichen Beistand des Heiligen Geistes herbeizurufen.

Die Fahne symbolisiert den Werdegang des Bergbaus. Bereits 1550 entwurzelte ein Sturm eine Fichte, eine Silberader wurde freigelegt. Ein großes „Berggeschrei“ entstand, der Ort des Silberfundes wurde daher Neugeschrei genannt. Die entwurzelte Fichte mit der Silberader wird dargestellt. Zudem tragen zwei Bergleute eine Weintraube. Denn der Sage nach sollen die Bergleute auf Grund der reichen Silbervorkommen ausgerufen haben „Das ist ein fruchtbringender Weinberg“.

Die Erinnerung an den Bergbau einer einst stolzen Gilde ist vor allem das Lebenswerk der Familie Hippmann. Toni Hippmann, selbst früher Sprengmeister in der Kupfermine Medenec, begründete die Aktivitäten der Hornicky spolek Vejprty , Bergbrüderschaft Weipert genannt. Diese werden heute von seinem Sohn Martin und Familienangehörigen und Freunden fortgeführt. Derzeit gehören der Gruppe ein Dutzend Mitglieder an. Die Bergbrüder haben sich zudem dem Sächgsischen Landesverband der Berg- und hüttenleute angeschlossen.

Bei Aufräumarbeiten in der Kirche war 2016 ein alter, zerschlissener Aufsatz für eine Fahnenstange mit der Jahreszahl 1882 gefunden worden. Da dieser Bergmannsmotive enthielt, wurde er in Zusammenarbeit mit Bergleuten aus dem benachbarten Sachsen auf Spendenbasis restauriert und bei einem ersten Berggottesdienst vorgestellt.Der etwa ein Meter große Fahnenaufsatz befand sich zwar in desolatem Zustand, die Inschrift kaum lesbar, der Stoff zerfetzt.

Doch schnell wurde die Bedeutung dieses maroden Stücks der Zeitgeschichte klar. Zeigte es doch die Verbindung von Bergbau und Kirche. Das Utensil trägt bei, die bewegte Geschichte der Gemeinde Neugeschrei mit den Wirren der 2. Weltkrieges aufzuarbeiten. Umso wichtiger war der Erhalt dieses Fundstückes durch den Einsatz vieler, allen voran von Anton Hippmann und der Restauratorin Waltraud Ranft und der POSA Polstersysteme GmbH aus Satzung.





