StartAktuellesWarum riffelt, bricht und hechelt der Landwirt Leinen?
Sonntag, 15. Februar 2026

die heimat sehen

-6.7 C
Altenberg
-4.9 C
Marienberg
-2.5 C
Flöha
-4.2 C
Komotau
-5.5 C
Eibenstock

Warum riffelt, bricht und hechelt der Landwirt Leinen?

Das Dorfmuseum Gahlenz lädt am 7. September zum Erntefest ein. Im Mittelpunkt des Aktionstages von 13 bis 17 Uhr steht diesmal Faserleinen. Selbst vor Ort angebaut, wird seine Verarbeitung gezeigt.

Gahlenz. Raufen, Riffeln, Brechen und Hecheln – so heißt die Devise für die Akteure des Gahlenzer Heimatvereins und Betreiber des Dorfmuseums. Die haben unter dem Jahr erstmals Faserleinen angebaut und im Juli in gemeinsamer Aktion vom Feld eingeholt. „Zum Aktionstag wollen wir den Besuchern zeigen, wie der weitere Werdegang des Naturstoffs hin zu einem verarbeitungsfähigen Textilfaden reicht“, so Objektleiterin Beate Mühl.

„Bekanntlich haben wir uns 2025 einer europaweiten Idee namens Vom Saatkorn zum fertigen Leinentextil angeschlossen. Die Mitmachinitiative „1qm Lein als Communityprojekt“ ermunterte Betreiber von Landwirtschaftsflächen aber auch Besitzer von privaten Grundstücken, Balkonen und Höfen, Faserlein, auch Flachs genannt, anzupflanzen und so einen Beitrag zum Erhalt dieser Jahrtausende alten Kultur zu leisten und deren Anbau- bzw. Verarbeitungsarbeiten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, so die Gahlenzerin.

„Das Thema passt hervorragend zu unserem Museumskonzept, das Leben und die Landwirtschaft früherer Generationen zu zeigen. Unter unseren Exponaten finden sich jene Werkzeuge, die einst von unseren Großvätern dazu genutzt wurden. Wir leisten nun beispielhaft einen praxisorientierten Beitrag.“

Den Faserlein haben die Einheimischen von seiner Anbaufläche gerauft, wie der Prozess fachmännisch heißt. Die Pflanzen werden inklusive ihrer Wurzeln als ein handumfassendes Bündel aus der Erde gezogen und gebunden. Damit beginnt der Verarbeitungsgang, zu denen nachfolgend das Trocknen der Garben gehört und sich dann das Riffeln, das sogenannte Flachsrechen per Kamm, anschließt. Dabei werden die Samenkapseln vom Flachsstängel getrennt. Dem folgt das Flachsrösten.

Heinz Naumann zeigt ein Bündel des im Juli gerupften Leins samt Wurzel und Kapsel. Foto: Christof Heyden

„Helga Hofmeister als unsere Expertin wird aufzeigen, dass es immer noch weiterer Arbeitsgänge wie Brechen, Schwingen und Hecheln bedarf, um die gewonnene Faser zu einem Textilstück verspinnen zu können.“ Beate Mühl ermutigt Teilnehmer des Projektes 1qmLein, auch ihren gerösteten und getrockneten Lein zur weiteren Verarbeitung mitzubringen und eine fachliche Beratung zu erfahren.

Kenner des Aktionstages wissen, dass der Holzbackofen angeheizt wird, leckeres Brot und Kuchen verkauft werden. Die Kräuterexpertin Angelika Künzel wird durchs Kratzgärtel führen und bei geeignetem Wetter bietet ein Pilzberater seine fachkundige Beratung an. Für die musikalische Unterhaltung sorgen die Gahlenzer Blasmusikanten. (hy)

WEITERE BEITRÄGE AUS DIESER KATEGORIE

Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

Beiträge mit ähnlichen Schlagwörtern