Sommerwürmel oder Krabbelkaafer

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Crottendorf. Aller lesenswerten Büchlein sind drei: dieses Motto lässt sich dem jüngeren literarischen Schaffen von Monika Tietze zusprechen. Die Mundartautorin legt aktuell ein drittes Büchlein vor, in dem sie wieder vom heimischen Zungenschlag inspiriert, den Lebensalltag der Erzgebirger aufgreift.
Erneut präsentiert die Crottendorferin einen von persönlichen Erlebnissen bestimmte Querschnitt an Beiträgen, die unter dem Titel „Sommerwürml -Krabbelkaafer“ stehen und in den zurückliegenden zwei Jahren entstanden sind.

Die Crottendorferin Monika Tietze zählt zu den beachteten MundartautorInnen des Erzgebirges, ihr Thema ist die Lebensart der Einheimischen, Naturerlebnisse und Dorfgeschichte. Foto: Christof Heyden

Thematisch öffnet sie ihre Augen für die eher stillen Begleiter des Alltags, lässt ihr Herz für Natur und Umwelt vor der Haustür schlagen. „Dabei gewinnt auch die Frage, ob die erzgebirgische Mundart wie so viele Pflanzen und Tiere vom Aussterben bedroht ist, diesmal für mich eine Rolle“, so Monika Tietze. Die möchte zeigen, welch großen und schönen Wortschatz die westerzgebirgische Mundart birgt. Leser der beiden vorangegangenen Büchlein wissen, dass die 62-jährige Schneidermeisterin ihren roten Handlungsfaden mit Humor und nuancierter Beobachtungsgabe aber auch dosierter Wehmut und dem Wissen um Vergängliches zu verweben versteht. „Mir geht es nicht darum, in Mundart sogenannte Schnorken zu erzählen, auf die sie viel zu oft reduziert wird. Vielmehr will ich zeigen, dass Mundart durchaus ihren eigenen Reiz hat und Poesie birgt.“

Und da taugt auch Marienkäfer zum begrifflichen Sympathieträger. „Wann haben Sie zuletzt einen Marienkäfer gesehen? Die hübschen kleinen Krabbeltiere haben sich rar gemacht“, konstatiert Monia Tietze und verweist darauf, dass Tiere und Pflanzen den benötigten Lebensraum nicht mehr finden, Menschen unachtsam mit der Natur umgehen. Und sie wirft polemisch die Frage auf, ob man das Aus für die erzgebirgische Mundart befürchten muss? Der Alltag besorgt sie, denn das eigene Erleben speist die Erfahrung, dass sich die regional gefärbte Muttersprache rarmacht. „Ich hoffe, dass es immer wieder Menschen gibt, die den erzgebirgischen Wortschatz für sich als Ausdrucksweise entdecken, reden und schreiben.“

Dazu soll auch ein von ihr verfasster Liedtext beitragen, der dem Marienkäfer gewidmet ist. Der gestandene Professor für Zahnmedizin und renommierte Jazzmusiker Götz Methfessel hat dabei auch die Melodien-Idee der Autorin in das entsprechende Notenbild umgesetzt.

Monika Tietze:

Sommerwürml, Krabbelkaafer

Sommerwürml-Krabbelkaafer,
Groshalm-nauf-un-nunner-Laafer,
hast e Röckl, glänzig rut,
dir sei alle Kinner gut!

Hast siebn Pünktle of dein Frackl,
blebbst net lang an salben Flackl,
mit sechs Baanle, wie zen Tort,
rennst‘ de aah lang wieder fort.

Krabbelst an menn Finger nauf,
spannst ubndrubn de Flügeln auf.
Überlegst dir’s ganz genau –
un fliegst nei ins Himmels-Blau…