86er-Dampflok und Taiga-Trommel rollen Kopf-an-Kopf auf dem Showgleis

Im Sinne des Mottos „Aller guten Dinge sind Drei“ bereiten die Akteure des Eisenbahnmuseums Hilbersdorf das 33. Heizhausfest vor. Diese wollen mit ihrer Fangemeinde vom 21. bis 23. August ein dreifaches Jubiläum der Technik- und Vereinsgeschichte feiern.

Chemnitz. Für die Akteure am Schauplatz Eisenbahn gewinnt die Zahlenkombination 35.60.100. in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk: „In Jahr 1991 datiert die Gründung des Vereins Sächsisches Eisenbahnmuseum. Vor 35 Jahren fanden sich nach wendebedingter Einstellung des Eisenbahnbetriebs im Bahnbetriebswerk Hilbersdorf nach der Wiedervereinigung Enthusiasten, die einen Beitrag zur Erhaltung des eisenbahnhistorischen Erbes leisten wollen“, erklärt Marketingmitarbeiter Johnny Ullmann.

Johnny Ullmann, l. und Max Beier bereiten mit Vereinsfreunden die Lok-Schaumodelle für die Präsentation zum Heizhausfest vor. Foto: Christof Heyden

„Von A wie Alma-Triebwagen bis Z wie Zollbahn im Miniaturformat reicht unser Themenkreis“, freut sich der Marketingmitarbeiter auf die Besuchermassen. „In bewährter Manier laden wir Gäste ein, in die bewegte Szenerie einzutauchen, rund 50 Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven zu bestaunen, ausgewählte Maschinen zu Fahrzeugparaden in Bewegung zu erleben und im Führerstand mitzufahren.“
Ein Knüller dürfte das Spektakel einer Parallelfahrt werden. „Schnauften zur zurückliegenden Auflage 2024 zwei Dampfloks mit angespannten Reisewagen gen Oederan, werden diesmal auf den parallel verlaufenden Gleisen eine Dampflok der 86er Baureihe und eine Diesellok der Baureihe V 200 vorgespannt“, so Ullmann.

Max Beier im Führerstand eine der legendären Taiga-Trommeln aus den 1960er Jahren. Foto: Christof Heyden

„Technikinteressierten lassen diese Exemplare die Herzen höherschlagen, sind es doch noch Maschinen der ersten Baureihe. Die in der Sowjetunion gebauten Modelle wurden unter ihrem Kosenamen Taigatrommel bekannt. Legendär deren unverwechselbarer Sound. Ein mächtiges Hämmern zeichnet sie aus, welches akustisch deren Zugkraftpotenzial weithin signalisierte. Das kräftige Wummern brachte ihr im mitteldeutschen Raum auch den Spitzname Wumme ein.“ Johnny Ullmann verweist darauf, dass die Vereinsfreunde mit dem Themenschwerpunkt an dieses Geschehen vor 60 Jahren erinnern wollen.

„Ein weiteres Jubiläum ist mit Dampfloks der Baureihe 44 verbunden. Wir erinnern an deren 100-jährige Modellgeschichte. Voraussichtlich können wir vier Exemplare präsentieren, darunter unsere im Museum abgestellte Maschine. Hierzu kommen, wenn auch nicht betriebsfähig, jene aus Arnstadt und Zwickau.“

Johnny Ullmann, r. und Max Beier präparieren die Rückkehrer-Lok 502740 für die Präsentation zum Heizhausfest vor. Foto: Christof Heyden

Eine besondere Veteranin haben die Bahnenthusiasten am zurückliegenden Wochenende bereits willkommen geheißen. „Nach 38 Jahren kehrt mit der 50 2740 eine Eiserne Lady an ihre frühere Heimstätte zurück“, berichtet der Chemnitzer. „Deren Geschichte bewegt Fans, kein Wunder, dass diese zahlreich zur Begrüßung vor Ort waren.“ Bis 1944 wurde diese Modellreihe in über 3.100 Exemplaren gebaut. Die Schlepptenderlokomotiven waren universell vor Personen- und Güterzügen einsetzbar und für die Strecken in den mittelsächsischen Flusstälern ideal geeignet.

„Eine, die 50 2740, war nach dem zweiten Weltkrieg in der DDR verblieben und gelangte 1967 zum Bahnbetriebswerk Karl-Marx-Stadt-Hilbersdorf. Hier verblieb sie fast 20 Jahre, bis zum Dampfende kurz vor der Wiedervereinigung. Ihr markantes Aussehen machte Sie bereits zu Betriebszeiten zu einem begehrten Fotomotiv. 1988 endete der reguläre Einsatz in der DDR, sie wurde in die Bundesrepublik verkauft. 2026 bot sich die Möglichkeit die Lokomotive als Kooperation zwischen der Dampfnostalgie Karlsruhe und dem Verein Sächsisches Eisenbahnmuseum als Leihgabe nach Chemnitz-Hilbersdorf zu überführen“, so der Vereinsvertreter.

Dampferlebnis Eisenbahn: auch 2026 geht es zur Schnupperfahrt nach Hetzdorf zum Eisenbahnviadukt. Wie im Vorjahr werden ungezählte Fotografen dabei sesein. Foto: Christof Heyden

„Unser Heizhausfest rückt zudem unseren eigenen Geburtstag ins Blickfeld: wir feiern 35 Jahre Verein Sächsisches Eisenbahnmuseum. Nach der Einstellung des Eisenbahnbetriebs im Bw Hilbersdorf kurz nach der Wiedervereinigung fanden sich glücklicherweise mehrere Eisenbahnfreunde zusammen und gründeten 1991 die Interessengemeinschaft zur Erhaltung des eisenbahnhistorischen Erbes. Seitdem konnten viele Dampflokomotiven vor der Verschrottung bewahrt werden. So wuchs die Sammlung bis heute auf über 40 regelspurige Fahrzeuge an, die zu den regelmäßig bewunderten Ausstellungstücken gehören“, konstatiert Johnny Ullmann. (hy)

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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