Restaurierter Schnelltriebzug Görlitz passiert die stillgelegte Seilablaufanlage Hilbersdorf

Chemnitz. Hitzegestählte Eisenbahnfans ließen es sich auch am zurückliegenden sommerheißen Wochenende nicht nehmen, einem Eisenbahn-Veteranen eine Stippvisite abzustatten. Das historische Areal der Rangierbahnhofs in Hilbersdorf am Schauplatz Eisenbahn Chemnitz war deren Ziel. Wenig erinnert heute noch an das florierende Eisenbahngeschehen eines der wichtigsten Knotenpunkte im ostdeutschen Verkehrsgeschehen. Weltweit einzigartig war zu seiner Zeit die Seilablaufanlage, die für das Sortieren und Zusammenstellen der Güterzüge am Ablaufberg benutzt wurde. Tausende Waggons wurden unter der Woche von der Deutschen Reichsbahn abgefertigt, hielten engagierte Mitarbeiter den Lebensnerv der Wirtschaft am Leben.  

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Zum Aktionstag wurden die Türen zum Stellwerk geöffnet, in welchem sich das technische Herz des Rangiersystems befand und das Netz der Weichen- und Wagenablauf bedient wurde. Sachzeugnisse und Ausstellungsutensilien erinnern an dieser Zeit.
Ungezählte Fotos und Videoclips wurden von den Anlagen und Gebäuden gefertigt, aber ein Augenblick begeisterte die Besucher besonders: die zweimalige Vorbeifahrt des soeben restaurierten historischen Schnellverkehrstriebzuges SVT  18.16 der Bauart Görlitz. Dieser war zu ersten Passagierfahrten zwischen Dresden, Riesa und Chemnitz unterwegs. (hy)

Restteile der früheren Seilablaufanlage. Foto: Christof Heyden

Ein Rückblick zum Thema SVT Triebzug:

Bereits 2013 hatte erzgebirge.tv Gelegenheit, einem derart Luxus-Reisezug der DDR einen Besuch abzustatten. Damals wurde ein erhaltenes Exemplar in Hilbersdorf zwischengeparkt und zu Tagen der Industriekultur vorgestellt. Seinerzeit war bei etv zu lesen:

Windschnittig, mit kulleraugenartigen Scheinwerfern und stark verjüngender Frontschnauze zieht er die Blicke auf sich: der ICE des Ostens. Mit Hochdruck bringen die Mitglieder des Vereins Sächsisches Eisenbahnmuseum Hilbersdorf ein Schmuckstück deutscher Schienengeschichte für das 22. Heizhausfest in Position. Zum Jahreshöhepunkt soll der Schnell-Verbrennungs-Triebwagen (SVT) mit der Betriebsnummer VT 18.16.03, eines von drei erhaltenen Exemplaren aus dem Fahrzeugpark der Ostflotte, empfangsbereit sein.
„Die markanten Gleisflitzer feiern in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag, Zur Leipziger Frühjahrsmesse 1963 stellte der volkseigene  Waggonbau Görlitz die Baureihe vor“, gehört Jürgen Kabus derzeit zu den Enthusiasten, die einen Triebkopf für eine Sonderausstellung salonfähig machen.

Im Eisenbahnmuseum Hilbersdorf laufen die Vorbereitungen für das 22. Heizhausfest. Im Blickpunkt soll dann der Schnell-Verbrennungs-Triebwagen (SVT) mit der Betriebsnummer VT 18.16.03 stehen. Rolf Wagner (68) bringt den Triebkopf auf Vordermann. Foto: Christof Heyden


Von 1963 bis 1969 wurden neun Stück der mit Speise- und Gesellschaftswagen bestückten Züge gebaut. Sie hießen „Karlex“, „Neptun“ oder „Vindobona“, in Anlehnung an ihre Fahrziele. Für gelernte DDR-Bürger waren das zumeist  nie erlebte Fernreisen. Denn wer durfte schon in den seinerzeit schnellsten und bequemsten Zügen Europas mit einer Innenausstattung wie im Flugzeug nach Kopenhagen, Wien und Malmö düsen? Allenfalls Budapest und Karlovy Vary buchte der Normalbürger.
„Bis 1981 waren die 200 Tonnen schweren Züge mit Spitzengeschwindigkeiten von 160 Kilometern pro Stunde im Regelbetrieb mit anderen europäischen Eisenbahngesellschaften im Einsatz, dann wurde die Unterhaltung zu teuer“, so Kabus weiter, die Mehrzahl der Züge gerieten auf Abstellgleise, wurden verschrottet.

Im Eisenbahnmuseum Hilbersdorf laufen die Vorbereitungen für das 22. Heizhausfest. Im Blickpunkt soll dann der Schnell-Verbrennungs-Triebwagen (SVT) mit der Betriebsnummer VT 18.16.03 stehen. Jürgen Kabus (32) hat das Ausstellungskonzept verfasst. Foto: Christof Heyden


Der umgerüstete Chemnitzer Zug mit der Nummer 03 rollte indes als Jugendklub „Ernst Thälmann“ bis 1989 über die Schwellen des Landes. Nach der Wende diente das Fahrzeug unter dem Namen „Solaris-Express“ vor dem Deutschen Spiele- Museum als Restaurant.
Nun soll in einem Teil des seit 2007 wieder nach Hilbersdorf  umgesetzten SVT die Fahrzeuggeschichte lebendig werden. (HY)

Anmerkung: Der Reisezug ist aktuell vom Besitzer im Chemnitzer Solaris-Zentrum untergestellt.

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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