Ein Fingerdruck – und im Schaubergwerk wird gerumpelt

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Dieser von Arno Neubert vor über 100 Jahren geschaffene orientalische Weihnachtsberg gehört zu insgesamt acht solcher geschnitzen Groß-Kunstwerken, die die Jahnsbacher Schnitzer in Ehren und am Laufen halten. Foto: Christof Heyden

Eisenbahnfreunde und Holzliebhaber kommen dieses Wochenende in Jahnsbach voll auf ihre Kosten: Die Jahresschau der Modellbahner und Schnitzer bietet reizvolle Erlebnisse.

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Jahnsbach. Drück mich – so lautet der aufmunternde Zuspruch an Gäste der Schnitzausstellung in Jahnsbach. Mit einen Fingerstoß auf jeweilige Schalter kann der Besucher den raffinierten Landschaftsbergen verschiedenster Themen filigranes Leben einhauchen. Da setzen sich Skifahrer und Bergleute in Bewegung, erklimmen Handwerker ihren Arbeitsplatz, taucht der Schornsteinfeger im Kamin auf, rattert und klappert das Werkzeug samt Hunten im Bergwerksstollen. Von wegen verstaubt und leblos – die acht Weihnachtsberge des Vereins sorgen für generationenübergreifendes Leuchten und Lachen der Gästeschar. Die Einheimischen beweisen, dass sie es drauf haben, das Schnitzhandwerk.

Heimatliche Winterlandschaft. Wird ein Knopf gedrückt, beginnt der Berg mit seinen Miniatur-Menschen zu leben. Foto: Christof Heyden

Das Vereinsheim erweist sich als Schatzkammer analogen Erlebens. In Zeiten virtuellen Spektakels erweisen sich die Schnitzarbeiten als klassisch verwurzelt, als ein Ergebnis geschickter Handarbeit. Die Mechanik, zumeist aus der Zeit der Ur- und Großväter stammend, verblüfft die Computergeneration. Da werden Stricke und Seile, Umlenkscheiben und Metallplättchen, Gewichte und Zwirnräder in einem schieren Wirrwarr unter den Schauanlagen so angeordnet, dass im Sichtfeld alles wie geschmiert läuft.
Die Großexponate, von solchen Experten ihrer Zunft wie Max Welsch oder Manfred Knobloch gefertigt, sind auch heute eine Augenweide.
1912 wurde die Interessensgruppe gegründet, deren wichtigsten Werke gerade aus Zeiten des Mangels und der schweren Lebensumstände stammen. Schnitzen gab den Menschen einst Halt und bedeutete sozialen Kontakt.

Die jungen Leute haben als Gemeinschaftsarbeit dieses spezielle Schachbrett angefertigt. Foto: Christof Heyden

Und auch die heutigen Aktiven wissen mit ihrer künstlerischen Handschrift zu überzeugen. 46 aktive Mitstreiter zählt die Interessengruppe um Vereinschef Stefan Groß. Zudem erlernen 14 Kinder derzeit den Umgang mit Messer und Eisen. Seit 1996 nennen die Gastgeber das schmucke Vereinsheim samt Museum ihr Eigen, organisieren seit 2008 die jährliche Leistungsschau für die Öffentlichkeit.

Reizvoll wird der Ausflug durch die Verbindung zu den Modelleisenbahnfreunden. Die zeigen ihr Geschick auf besondere Weise: Die große Hauptanlage haben die Akteure durch eine Drei-Zimmer-Wohnung aufgebaut. Hier fahren die Züge wahrlich durch Wände. Die Meinerstal genannte Hauptstrecke umfasst 200 Meter Gleislänge der Spur H0. Zudem ist eine Schmalspurstrecke H0e in diese Landschaft eingeordnet, so wie sie einst vor den Türen des Schnitzerheims zu finden war. Auf 42 Metern Streckenlänge wird Fahrverkehr wie zu Großmutters Zeiten nachgestellt, rollt die Kleinbahn übers Brett.

Ein Einblick in die Kulisse der Gemeinschaftsanlage, die durch drei Zimmer der Vereinsheimes gebaut worden ist. Foto: Christof Heyden

Immerhin 20 unterschiedlich bestückte Hauptzüge und neun Garnituren der Schmalspurvariante sorgen für optische und akustische Hingucker.
Aber auch Utensilien von einst, etwa Eisenbahnausrüstung, Fahrkarten, Schilder und Bekleidung werden von den Jahnsbachern als Sammelstücke gehütet.
Angesichts der duften Bahnmodelle dürfte bei so manchem Ehemann und Freunde die bessere Hälfte zuhause mit dem Mittagessen gewartet haben. Schließlich wollten sich die Besucher an dem Verkehrsgeschehen satt sehen.

Ausflughungrige sollten den Sonntag noch nutzen, das Jahnsbacher Angebot für alle Sinne noch kennen zu lernen. [/ihc-hide-content]