Filigrane Glaskunst regt Fantasie an

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Glasfiguren und Krippen sind im Turmmuseum Geyer zu bestaunen. Diese Kunst stammt auf Böhmen, wo nur noch wenige Meister dieses Handwerk pflegen. Diese Burschen sind glasgeformte Vertreter ihrer Zunft. Foto: Christof Heyden

Leicht zerbrechliches Material, in ausdrucksstarker Form: Das charakterisiert einzigartige Glaskrippen, die jetzt in einer Sonderschau im Turmmuseum Geyer zu bestaunen sind.

Geyer. In dem die Stadt der Posamentierkunst überragenden Bauwerk wird in einer kleinen Sonderausstellung das traditionelle Krippenmacher-Handwerk und die Fertigung filigraner Stücke vorgestellt, die mit dem im Isergebirge liegenden Städtchen Železný Brod (bei Jablonec, deutsch Eisenbrod) aus einer Hochburg der Glasmacherbranche kommen.

Die gut 100 vorgestellten Figuren stammen aus dem Fundus der Künstlerin Alena Kortanova. „Die kommt aus einer Glasbläserfamilie und hat durch die Gründung einer Figurenherstellungsmanufaktur ihres Mannes 2009 über Umwege zu den Wurzeln ihrer Herkunft zurückgefunden“, so Museumsleiter Lutz Röckert. „Diesen Betrieb übernahm sie dann später selbst und begann, regionaltypisches durch den Aufbau ihrer Sammlung für spätere Generationen zu bewahren.“ Besucher können Maria und Josef, die Heiligen Drei Könige, die Zunftvertreter der Weihnachtsgeschichte und manch andere Figur bestaunen.

Lutz Röckert stellt in einer Sonderausstellung Glaskrippen aus Böhmen vor. Foto: Christof Heyden

„Bei einem Privatbesuch bin ich 2017 eher zufällig auf diese Kostbarkeiten gestoßen. Für mich stand schnell fest, diese Kunstwerke einmal zu ins Erzgebirge zu holen. Ich will ein völlig anderes Genre in den Blickpunkt einer genauso ums Brauchtum engagierten Region stellen“, erzählt Lutz Röckert. „In einem Fenster eines Familienbetriebes standen die Glasarbeiten, die meine Neugier weckten.“ Er sei von den bunten, feingliedrig verarbeiteten Materialien angetan gewesen, wie er spürte, dass zugleich die Fantasie des Betrachters angeregt werde.

Im Zuge des Aufbaus der Ausstellung hat sich Lutz Röckert mit der Geschichte beschäftigt. „Professor Jaroslav Brychta begründete dieses Kunsthandwerk in den 1920er Jahren, welches zunehmend zu florieren begann.“ Die ursprünglichen Stücke waren anfänglich aus einzelnen Wickelperlen zusammengesetzt, die zuerst auf Fäden, später auf Drähten aufgereiht wurden. Drahtfiguren habe man bald auch nachträglich umzuformen und umzuarbeiten begonnen. „Später entstanden Glasfiguren aus einem Stück“, so Lutz Röckert.

Das sind gravierte bzw. geschliffene Motive in Glasflächen. Foto: Christof Heyden

Der hat vor Ort erfahren, dass sich heute immer schwerer Nachwuchs finden lasse, dieses spezielle Handwerk fortzuführen. „Nach den Angaben von Alena Kortanová ist die Kunst der gläsernen Figurenherstellung ein aussterbendes Gewerbe in dieser Region. Nur noch einige wenige Glasmacher widmen sich diesem Handwerk, welches ganz besonders an den wirtschaftlichen Folgeerscheinungen in den Jahren nach der Finanzkrise 2008 zu leiden hatte. Die letzte Großfirma in der Figurenproduktion musste 2009 in Železný Brod schließen und so gibt es nur noch vereinzelt Familienbetriebe.“

Die in Geyer gezeigten Kunstwerke sind zum einen mit Hand in heißer Flamme gezogen oder im Brennofen geformt worden. „In der kleinen Ausstellung sind Krippen aus Glasperlen, Krippen in Glasmalerei, Krippen aus hohlen Glasröhren und in Glas gravierte und geschliffene Krippen zu bestaunen“, so der Museumsleiter. Der ist beim Aufbau durchsaus ins Schwitzen gekommen, galt es doch mit großer Vorsicht zu agieren.