Da staunt selbst der Waschbär

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Noch herrscht grünende Ruhe, doch in den Wipfeln mächtiger Eichen entwickelt sich Leben. Dafür interessieren sich jetzt Forstwissenschaftler.

Falkenau. Nicht alltäglichen Waldbesuch erhielten jetzt Eichen im Falkenauer Forst: Baumkletterer Heiko Schwarz erklimmt die höchsten Wipfel ausgewählter Bäume. „Wir schneiden fünf junge Triebe aus der Krone, um die Rösschen im Labor zu untersuchen“, erklärt Heiko Schwarz. „Während für uns Zapfenpflücker in den frühen Sommermonaten die eigentliche Ernte beginnt, steigen wir derzeit binnen 14 Tagen auf Bäume in mehreren Referenzrevieren des sächsischen Staatswaldes, leisten der Wissenschaft Hilfe“, so der 49-Jährige. Ziel der für Laien scheinbar gewagten aber professionell bewerkstelligten Wipfelaktion:

Heiko Schwarz in Aktion: Baumkletterer in den Eichen von Falkenau. Foto: Christof Heyden

Die Waldarbeiter sind dem Eichenwickler und -prozessionsspinner auf der Spur. Denn abgeschnittene Zweige werden den Fachleuten des Forstbetriebsteils Graupa bei Pirna überbracht: In den Knospen haben sich die Larven der Schmetterlinge versteckt. Mit einer speziellen Technik wird von den Wissenschaftlern den mikroskopisch kleinen, potenziellen Schädlingen in speziellen Behältnissen der Frühling vorgespielt. So schlüpfen diese aus und werden gezählt, Basis der vorzulegenden Eichenwicklerprognose. Damit können die Forstleute eine Vorhersage leisten, wie stark die sächsischen Eichenbestände an Fraßschäden gefährdet sein könnten. „Wir wollen wissen, mit welcher Ernte an Samen wir rechnen können oder ob der Schädling unser für den Waldumbau geplantes Genmaterial, auf welches eigentlich die Baumschulen warten, fressen könnte“, ergänzt Heiko Schwarz. Neben den Falkenauer Eichen erklettert er mit den Kollegen auch Referenzbäume in der Lausitz sowie auch südlich von Leipzig. Und dies seit 20 Jahren, immer die gleichen Exemplare.

Ungefähr 100 Knospen werden pro Baum gesammelt. Foto: Dietmar Hösel
MIt Teleskopschere ausgerüstet, werden einige der höchsten Triebe abgeschnitten. Foto. Christof Heyden

Der Hainichener Heiko Schwarz gehört zum Team der Samendarre Flöha und ist einer von zwölf höhentauglichen Kletterern, die in Sachsen als Zapfenpflücker tätig sind. Bis zu 30 Metern, manchmal auch mehr, geht es nach oben. „Da sollte man schon bissel Mut haben, drahtig und nicht allzu groß sein, zuviel Gewicht sollte die Waage auch nicht anzeigen“, sagt er. An einem weiteren kleinen Seil führt er eine Teleskopschere mit, mit der er hoch droben die Triebe abschneidet. „Etwa eine Stunde dauert es für jeden Kollegen pro Baum hoch- und wieder herabzukommen“, erklärt Heiko Schwarz. „Die Schädlinge lieben die Wärme der Sonne, daher werden die Eier eben ganz oben im Baum abgelegt.“

Diese Plätzchen lieben genauso Waschbären. „Die haben wir durchaus schon überrascht, da war Staunen auf beiden Seiten zu konstatieren“, sagt Heiko Schwarz schmunzelnd. Indes, die 150 Jahre alten Falkenauer Bäume hielten keine Überraschung bereit.

Wer sich für einen Forstberuf interssieren sollte, hier der Link zum Staatsbetrieb Sachsenforst.