Nu gucke: Modellbahn im Etui

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Eisenbahn vor Alpenlandschaft. Diese filigrane Arbeit im Maßstab Spur Z (1:220) ist die raffinierteste Bastelarbeit von Heinz Jüttner. Foto: Christof Heyden

An langen kalten Wintertagen erwärmt die Basteltätigkeit die Seele von Modelbauern. Zu den geschickten Akteuren gehört Heinz Jüttner.

Eppendorf. Der Eppendorfer begeistert Modelleisenbahnfans: Wer hat schon einen Triebwagen in einem herkömmlichen Brillenetui rollen gesehen? Dieses raffinierte Arrangement gehört zu den filigransten Arbeiten des 64-Jährigen. Wird der Deckel aufgeklappt, bekommt der Betrachter ein Alpenpanorama mit Eisenbahn zu sehen. „Auf einem speziellen, so lang wie die Hülle eingesetzten Gleisabschnitt,  kann ich mit einem Faden den Zug durchs die Kulisse ziehen“, erklärt Heinz Jüttner. Dieses Modell zeigt eindrucksvoll seinen Anspruch. „Ich wollte nie ein einzelnes Modellbahnbrett haben. Vielmehr versuche ich, meine Ideen in immer wieder in neuen Projekten umzusetzen.“

Seine Anlagen der Modell Spur Z sind einzigartig. Diese Eppendorfer Landschaft hat er in einen Reisekoffer gebastelt. Foto: Christof Heyden

So staunen denn Besucher über große Koffer, Kisten und selbst eine Kosmetiktasche im zum Bastelraum umfunktionierten Kinderzimmer. „Darin habe ich meine Modelle der Spur Z eingebaut, es ist die mit 0,6 Zentimetern Breite kleinste Spur. Sie entspricht dem Maßstab 1:220“, erklärt der frühere Maschinenarbeiter, über 40 Jahre bei der Firma Ratiomat Küchenmöbel beschäftigt. 2008, als er im Berufsleben kürzer trat, entdeckte er das Hobby. „Als Kind habe ich nie eine eigene Anlage besessen.“ Und so mache er sich daran, die Szenerie mit Bahnhof und Eisenbahn seines Heimatortes en minature in einen Reisekoffer zu basteln.

Allein die Lokomotiven und Waggons stammen aus dem Handel, die stimmungsvollen Kulissen mit den in den jeweiligen Bildern agierenden Figuren sind alle in akribischer Handarbeit selbst entworfen worden. „Oft nutzte ich H0- oder TT-Bastelvorlagen, um sie per Computer maßstabsgerecht für meine Größe umzurechnen.“ Dabei zeigt er sich als gewiefter Tüftler. „Die im Handy verbaute Technik für die Vibration habe ich beispielsweise in einen meiner am Modellhimmel kreisenden Hubschrauber eingesetzt, so lasse ich dessen Rotorblätter kreisen.“ Für eine detailgetreue Litfasssäule in einem Bild wurden originale Tageszeitungen am Computer gescannt und geschrumpft, bis sie an der Anschlagswand angeklebt werden konnten.

Die Waggons sind aus Kunststofmaterial und stammen aus einem Überraschungsei. Foto: Christof Heyden

Selbst der Adventskranz ist bei Familie Jüttner ein Eisenbahnmodell. Und auch mit Überraschungseier-Inhalten versteht Heinz Jüttner zu basteln. „Aus einer Serie mit Lokomotiven habe ich ein Bild gebaut. Dabei habe ich diese Modelle auf einen Plattenteller angeordnet, der die Züge scheinbar durch einen Tunnel rollend, in Bewegung versetzt.“