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Als Talsperren-Erbauer auch den Fußball in Cranzahl wiederbelebten

Das stolze Jubiläum des 100. Gründungstages des Fußballvereins Cranzahl jährte sich, doch Feierlaune machte sich dem Lauf der Geschichte geschuldet im Sehmatal nicht breit. 

Cranzahl. Ortschronist Johannes Ullrich erinnert an das Ereignis, hat zum Werdegang der Disziplin nachgeforscht und Sachzeugnisse aufbereitet. „Um 1900 erreichte der Fußballsport die Erzgebirgsregion, erste Abteilungen, zumeist in den Turnvereinen, entstanden. Erste Clubs waren FC Concordia Schneeberg (1909), der FC Auer (1910) und der 1. Zschopauer Fußballclub (1919)“, so der Cranzahler. „In Cranzahl begann man 1912 dem Streitobjekt nachzujagen. Seinerzeit befand sich eine Spielfläche in der Siedlung hinter der Stellmacherei Fröhner, diese wurde 1913 eingeweiht. Es formierte sich eine Gruppe, die den Vereinnamen SV Pfeil trugen. Leider gibt es keine Unterlagen, es findet sich allein ein Foto von der damligen Elf, die zu den Sporttagen im Juni 1932 in Cranzahl antraten“, berichtet Ullrich.

Johannes Ullrich hat zur Geschichte des FC Cranzahl nachgeforscht und aufbereitet. Foto: Christof Heyden

Die Entwicklung habe ihren Lauf insbesondere durch das 1923 gegründete Sportkartell genommen. „Dieses verfolgte den Bau des Turnerheimes. Neben dem Turn- und Radfahrerverein engagierte sich der SV Pfeil. Doch das ehrgeizige Vorhaben entzweite die Aktiven, die vor allem die finanziellen Belastungen nicht mehr mittragen wollten. Die Abteilung verlor Spieler. Aus dieser Krise entstand aber neues: 1926 trafen sich treueste Anhänger der Disziplin.“

Das Ergebnis: am 14. Mai 1926 trafen sich diese Enthusiasten und 16 Sportler hoben in der Gaststätte Habichtsberg den Fußballclub Cranzahl aus der Taufe. Fritz Grunert wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Neben der 1. Mannschaft wurde eine 2. Elf gebildet und eine Jugend- und Knabenmannschaft formiert.

Die Gründer des FC Cranzahl. Foto: Johannes Ullrich


„Das erste Spiel fand am 20. Juni 1926 statt. Gegner war der BV Schlettau. Seinerzeit firmierte der Wettbewerb nicht als Spielbetrieb, man nannte die Begegnungen Gesellschaftsspiele. Die Einheimischen Farben erwiesen sich als talentiert, ab 1927 trat die Truppe in der 2. Spielklasse an. Zu den Vereinen zählten damals der DSK Weipert, der DSK Pleil, Rasensport Buchholz, der SV Wiesenbad, Mars Crottendorf und Rasensport Elterlein“, so der Erzgebirger. Nach einer Spielzeit standen die Cranzahler mit 16:0 Punkten und einem Torverhältnis von 20:6 an der Tabellenspitze. Mit dem Aufstieg in die 1. Liga warteten 1928 Gegner vom VfB Annaberg, VfB Geyer und SV Bärenstein sowie BV 08 Thum auf die Blau-weißen.

„Der Blick in die Ergebnislisten zeigt, dass es ein Auf und Ab wurde. In die Chronik sind heiße Derbys eingegangen. Als einer der wichtigsten Vergleiche gilt der Aufstiegskampf 1931, als Cranzahl mit Weipert um den Aufstieg in die Bezirksklasse wettefieerte. Das Heimspiel gegen die Tabellennachbarn gewannen die Platzherren zunächst vor sagenhaften 3.000 Zuschauern mit 2:1. Damit machte sich ein Entscheidungsspiel erforderlich. Dieses wurde auf neutralem Platz in Geyer ausgetragen, aber mit 1:2 verloren“, kennt Johannes Ullrich das Geschehen.

Schnappsshuss vom Derby-Spiel am Turnerheim. Repro Christof Heyden

Den gravierendsten Einschnitt brachte der II. Weltkrieg mit sich, 20 Spieler verloren ihr Leben oder erlitten schwere Verletzungen, der Spielbetrieb wurde wie andere Vereinsaktivitäten ohnehin eingestellt. „Der 1949 gestartete Talsperrenbau belebte auch den Ballsport neu. Unter den Bauleuten waren gute Fußballer. Die BSG Talsperre Cranzahl etablierte sich und die Aktiven schafften es sogar bis in die Bezirksklasse. Seit den 1930er Jahren wurden die Partien auf dem von den Einheimischen geschaffenen Sportplatz am Turnerheim ausgetragen.“

Im Kontext des gesellschaftlichen Werdegangs bestand ab 1952 die SG Cranzahl, aus der die BSG Fortschritt erwuchs. Der Trägerbetrieb wurde der VEB Eminett. Als erster BSG-Leiter ging Günter Nestler in die Geschichte ein. Als Urgesteine der Jahre gelten etwa die Lenk-Zwillinge oder die Brüder Erich und Siegfried Grunert. Als bemerkenswert gilt der Jahrgang der Junioren 1963/64. Der spielstarken Truppe gehörte Hans-Jürgen Thomas und Harald Richter an, die später bei Wismut Aue an den Ball traten.

Eine Mitgliedskarte im FC Cranzahl. Foto: Chronik/ Johannes Ullrich


„Der Werdegang nach der Wende führte dazu, dass sich die Cranzahler Aktiven 2002 in der Spielgemeinschaft Sehmatal anschlossen und die Geschichte des hiesigen FC ihr letztes Kapitel schrieb“, bedauert Johannes Ullrich, dass der Geburtstagstermin öffentlich ungefeiert bleibt. Umso mehr würden wir uns freuen, wenn wir erhaltene Sachzeugnisse bewahren können und vielleicht Mitbürger noch über Materialien verfügen.“

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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