Gerissenes Papier, Kleister und Wasser sind Basis kunstvoller Objekte

Der Tag des traditionellen Handwerks gibt den Blick auf reizvolle Gewerke und teils einzigartige Techniken frei. Im Erzgebirgskreis stellt Konstantin Brückner die seltene Kunst der Pappmaché-Herstellung vor. Seine Werkstatt öffnet am 17. Oktober.

Annaberg-Buchholz. Filigrane Massefiguren, in anspruchsvoller Detailarbeit hergestellt, sind das Metier des Erzgebirgers. Der Mildenauer hält eine Handwerkskunst am Leben, deren Akteure immer rarer geworden sind.  
Seit 1864 werden unter dem Familien- und zugleich Markennamen Friedrich Hermann Lahl Pyramiden-, Krippen- und Leuchterfiguren sowie Miniaturen aus Masse hergestellt. Konstantin Brückner führt in fünfter Generation die wechselvolle Familiengeschichte und einen nahezu ausgestorbenen Berufszweig im Erzgebirge fort.

„Dem Firmengründer folgte seinerzeit Sohn Paul Lahl nach. Doch mit dessen Tod 1959 endete vorläufig die Herstellung am ursprünglichen Familiensitz in Annaberg, da dessen Sohn im Krieg gefallen war“, erzählt Konstantin Brückner. „Vor allem aber eroberten neue Materialien den Markt und die Pappmaché-Produktion geriet aufs Abstellgleis.“ Die gesamte Werkstatt landete vorerst vergessen auf einem Scheunenboden in Geyersdorf. „Und die gehörte meinem mit Paul Lahl eng befreundeten Opa Markus Brückner. Der, eigentlich Bauer, begann 1976, im Sinne des Wunsches der Lahls diese Hinterlassenschaft zu sichten und stellte als Hobby zu DDR-Zeiten wieder eine Kleinsauflage her.“

Konstantin Brückner setzt er das ganz selten gewordene Handwerk von 1860 fort, benutzt die Gipsformen des Gründers. Foto: Christof Heyden

Seit 2018 zeichnet Konstantin Brücker für die Geschicke verantwortlich. „Eintauchen in den Charme einer Werkstatt vor über 100 Jahren macht den Reiz bei uns aus“, erklärt der studierte Designer. Das Sortiment der Firma besteht aus ca. 700 verschiedenen Figuren von Zwei-Zentimeter-Miniaturen bis zu Figuren von 50 cm Größe. Längst sind Bergmänner, Türken, Zwerge, Tiere, Religiöse Figurengruppen sowie Genrefiguren und Jagdszenerien gefragte Erzeugnisse einer bundesweiten Kundenschar. Selbst Sammlern im europäischen Ausland und den USA ist die Adresse unterdessen ein Begriff, zumal Reparaturaufträge ein weiteres Standbein ausmachen.

„Was wir bieten, entsteht in 100%iger Handarbeit nach altem Vorbild. Ich nutzte keine CNC-Fräse oder Lasergerät. Mein Handwerk lässt keine Massenproduktion zu.“ Konstantin Brückner berichtet, dass sich das verwendete Arbeitsmaterial im Lauf der Jahre verändert hat. „Die Gründer zerrissen wirklich Zeitungen, um Zellulose zu erhalten und diese zu verarbeiten. Heute haben mineralische Werkstoffe Einzug gehalten.“

Das selten gewordene Handwerk basiert auf den Gipsformen des Gründers. Foto: Christof Heyden

Als Schatz gelten die rund 1.000 von den Vorgängern hinterlassen Gipsformen, die die Basis des Handwerks bilden. „Mit denen verdrücke ich das Kunststoffmaterial in die gewünschte Figur. Allein für die Zubereitung der von mir im Schnitt pro Arbeitsgang verwendeten zwei Kilogramm des Ausgangsmaterials, benötige ich beispielsweise eine Stunde Arbeit. Diese Arbeitsprozesse will ich Gästen gern erklären, wie ich Verständnis wecken will, wie aufwändig die Nachbearbeitung, etwas das Abtrennen des Formenübersatzes mit den Holzspatel und die Bemalung der Figuren ist“, so der Fachmann.

Im Rahmen der Aktionstage wird der Kunsthandwerker auch davon berichten, welch Tüftelarbeit von den Brückners geleistet werden musste, um anhand der hinterlassenen Inventarlisten zu erfahren, in welchem Mischungsverhältnis die Vorgänger ihr Material zubereitet haben. „Die Massefiguren zeichnen sich durch ihre Realitätsnähe aus, wir können Figürlichkeit und Details herausarbeiten, die an einer Drechselbank schwerlich zu machen sind. Das weckt das Interesse der Kunden“, konstatiert Konstantin Brückner angesichts voller Auftragsbücher.

Das sind die filigranen Massefiguren-Kunstwerke. Foto: Christof Heyden

Pappmaché, auch Papiermaché oder Pulpe genannt, besteht aus gerissenem Papier, Wasser und einem Bindemittel wie Kleister. Optional können Zusätze wie Kreide oder Ton verwendet werden, um die Masse stabiler zu machen oder spezielle Effekte zu erzielen.

siehe: http://www.lahl-massefiguren.de

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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