Ein Jahrgang mit Fritz Walter, Walter Matthau und Marcel Reich-Ranicki

Marianne Partenfelder ist seit Mittwoch 106 Jahre „jung“ – und damit eine der ältesten Menschen im Erzgebirge. Eine Rekordliste gibt es nicht …

Eibenstock.  „Es ist schön, wenn man noch so gut allein zurecht kommt!“, zeigt sich Marianne Partenfelder an ihrem hohen Ehrentag hoch zufrieden. Seltene 106 Jahre wird die Eibenstockerin am heutigen Mittwoch. „Es geht mir gut“, sagt sie beim gemeinsamen Geburtstags-Mittagessen mit Schwiegertochter Karin und Sohn Christoph, in deren Einfamilienhaus sie jeden Tag „einkehrt“. Dorthin läuft die Hochbetagte tagtäglich allein vom 500 Meter entfernten „Betreuten Wohnen“, um mit ihrer Familie Kaffee zu trinken. Zum Abendbrot gibt es dann oft ihre Lieblingsspeise Pizza. Und nach „guter alter Sitte“ geht es dort allwöchentlich freitags in die Badewanne. Zurück in ihren Alterswohnsitz „Schindlershof“ geleitet sie am Abend dann ihr Sohn.

Für all ihre Spaziergänge lehnt sie Gehstock oder gar Rollator strickt ab. Marianne Partenfelder: „Das brauche ich noch nicht!“ Auch eine Brille besitzt sie keine. Für die tägliche Zeitungslektüre benutzt sie eine Lupe. „Die Überschriften erkenne ich“, meint die jeweils zweifache Mutter und Oma sowie dreifache Urgroßmutter. Auch wichtige Notizen auf ihren Merkzettel schreibt sie noch selber. „Reporter müsste man sein“, kommentierte sie augenzwinkernd denn auch das emsige Mitschreiben des Journalisten beim Geburtstags-Interview. 

Die Jubilarin beim gemeinsamen Mittagessen am 106. Geburtstag im Haus von Sohn Christoph Partenfelder. Foto: Eberhardt Mädler

Geboren wurde sie als Marianne Stölzel am 9. September 1920 in Schönheide. Die Weltwirtschaftskrise erlebte sie im kleinen Laden der Eltern. „Da mussten wir die Lebensmittel bei den Leuten direkt in der Wohnung verkaufen“, erinnert sie sich. Viel schlimmer sei die Nazi-Zeit gewesen. Zu DDR-Zeiten wurde ihren Söhnen der Zugang zur Erweiterten Oberschule (EOS) verwehrt. Grund dafür war, dass sie sich im evangelisch-lutherischen Kirchenvorstand engagierte. 


Zeitlebens verdiente sich die Jubilarin ihren Lebensunterhalt als kaufmännische Angestellte. Seite 30 Jahren ist sie Witwe. Verwurzelt bleibt sie im christlichen Glauben. Jeden Tag liest sie im Losungsbüchlein ausgewählte Bibelverse. Seit Jahrzehnten ist sie treue Besucherin der sonntägigen Gottesdienste in der evangelisch-lutherischen Stadtkirche und der Landeskirchlichen Gemeinschaft der Bergstadt. Zum Abschied mit auf den Weg gibt sie gern ein „Behüt’ Dich Gott!“

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