Steigerlied soll klingendes Kulturerbe werden

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Zeitgenössische Darstellung von Bergleuten auf Freiberger Notgeld mit Textzeile des Liedes. Foto: SLV/Neuber

Oelsnitz/E. Es gilt als die Hymne der Berg- und Hüttenleute: „Glück auf! Der Steiger kommt“. Der Sächsische Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine (SLV) spricht sich jetzt für die Aufnahme des traditionsreichen Liedes in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aus und hat einen entsprechenden Antrag eingereicht.

„Am 19. November 2021 konnte nach gründlichen Vorarbeiten der Antrag zur Aufnahme eingereicht werden“, erklärt Heino Neubert, 2. Vorsitzender der Interessengemeinschaft. Der verweist darauf, dass mit einem ersten regionalen Versuch vor zwei Jahren zunächst die Eintragung in das Landesinventar des Kulturerbes in Nordrhein-Westfalen erreicht wurde aber die Empfehlung als nationales Kulturerbe vorerst versagt blieb.
„Nun stehen alle deutschen Montangebiete gemeinsam hinter der Einreichung. Mit der Anerkennung soll dem weltweit verbreiteten „Hauptlied“ der Berg- und Hüttenleute besonderer Schutz zuteilwerden“, so Neuber, der sich mit den Antragstellern einen wichtigen Impuls für die lebendige Traditionspflege als Grundlage eines wesentlichen Bereiches nationaler Identität erhofft.

Zeitgenössische Darstellung von Bergsängern. Foto: SLV/Neuber

Bereits mit Bekanntwerden der Bemühungen um eine Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis hatte der SLV als Standesvertretung der Ursprungslandschaft des Liedes, die Verbindung zu den damaligen Initiatoren gesucht. „Es folgte eine kameradschaftliche Verständigung mit dem Verein Ruhrkohle Musik. Denn es zeigte sich deutlich, dass unser Lied durch vielfältige Einflüsse geprägt ist, die es getreu bergmännischer Eintracht gleichwertig einzubeziehen galt“, so Heino Neuber. Daher wurde der Antrag nochmals eingehend überarbeitet und umfassend erweitert.

Eine hochkarätig besetzte Lenkungsgruppe trat beratend hinzu. Ihr gehörten mit Andreas Artmann und Wilfried Blappert Vorstandsmitglieder des Vereins Ruhrkohle Musik, der Direktor des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, Prof. Dr. Stefan Brüggerhoff, der Präsident der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum, Prof. Dr. Jürgen Kretschmann, die Leiterin Bildung, Wissenschaft, Kultur der RAG-Stiftung, Heike Humpf, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine, Kurt Wardenga, sowie Heino Neuber, der 2. Vorsitzende des SLV, an.

Das von Heino Neuber herausgegeben Buch mit der Geschichte des Steigerliedes. Foto: SLV/Neuber

Auf Vorschlag und in Koordination des SLV wurden alle Landesverbände der berg- und hüttenmännischen Brauchtumswahrer in Deutschland um Stellungnahmen gebeten, um dem Antrag seine nationale Bedeutung zu verleihen und die Verbreitung und Prägung des Liedes in den Montanregionen Deutschlands zu unterstreichen.

Nun heißt es aber erst einmal: „Der Bergmann muss seine Kraft im Hoffen haben, sonst weigert sich ihm der Berg.“ Denn bis zum Frühjahr 2022 haben die Länder Zeit, ihre Vorschläge an das Sekretariat der Kultusministerkonferenz weiterzureichen. Die Expertenkommission wiederum kommt zwischen Juni und November 2022 zusammen.

Eine Titelverleihung könnte im Frühjahr 2023 möglich sein.

„Die Stellungnahme Sachsens ist getragen von einem die Geschichte des Liedes darstellendes Buch „Glück auf! Der Steiger kommt.“ Es greift ein Jahrhunderte altes, im Munde des Volkes bewahrtes und dabei stetig weiter zurechtgesungenes Erkennungszeichen eines Standes von seltener Lebendigkeit auf, das gerade in diesen Zeiten symbolisch und wirkmächtig für Einigkeit und Verbundenheit, für Zusammengehörigkeit und Gleichheit wirbt“, erklärt der 2. Vorsitzende Neuber.

Dabei steht nicht nur die Entwicklung in Sachsen im Mittelpunkt, sondern die Verbindungen, die durch das Lied nach allen deutschen Landschaften entstanden und seine weltweite Verbreitung.