Fotos sagen mehr als Worte

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Foto-Workshop für den guten zweck: Junge Leute unterbeiten Vorschläge, wie ihre Stadt aussehen sollte. Foto: Christof Heyden

Das ist pfiffige Interessenpolitik: Mit einer Fotoserie haben Jugendliche dem Oberbürgermeister der Stadt Flöha Volker Holuscha ihre Wünsche vorgelegt.

Flöha. Ein dreitägiger Workshop brachte knapp zwei Dutzend Schüler zusammen, die sich für Kommunalpolitik interessieren und gern gestaltend tätig werden wollen. Den Treff hatte Sozialpädagogik-Studentin Nicole Sacher als ein Vorhaben im Rahmen eines in der Stadt zu bildenden Jugendparlamentes unter dem Projektnamen Jugendstimme Flöha organisiert. Auf dem Prüfstand: Wie präsentiert sich die Stadt durch den Blick der jungen Leute, die in einem Jahrzehnt selbst die Stadtväter sind?

So bildet das Gelände der früheren Spinnerei in Gückelsberg, später als Möbelhaus genutzt, für die Nachwachsenden einen trostlosen Zustand. Genauso kritisieren sie die Situation des Bahnhofs Flöha. Eingeworfene Scheiben, beschmutzte Wände. „Die Schmiererein haben nichts mit Graffiti zu tun, das ist schlimm“, so ihre Meinung.  Indes wünschten sie sich, dass auch durch Sprayaktionen Farbe in die Stadt kommt.
Erstaunlich, dass auf der Wunschliste der Zustand der Bushäuschen, auch jener in Falkenau, stehen. Als Wartestelle seien viele in schlechtem Zustand, undicht, so dass es hereinregnet, mit kaputtem Glas und beschmierten Wände. Oft nicht beleuchtet.
Dritter Schwerpunkt: Über eine fetzige Einkaufsmöglichkeit verfügen zu dürfen, in der beispielsweise neueste Jugendmode angeboten wird. „Unsere Altersgruppe muss mit Eltern in die Großstadt fahren, um schicke Bekleidung zu kaufen oder per Online-Handel ordern. Aber mal mit Freundinnen vor Ort shoppen zu gehen, fehlen die Angebote.“

Auch dieses Logo haben die jungen Leute entworfen. Repro: Christof Heyden

Oberbürgermeister Volker Holuscha zeigt sich sowohl dem Projekt Jugendstimme und den Ergebnissen des kommunalpolitischen Workshops aufgeschlossen gegenüber. „Prima, dass sich die Smartphone-Generation für ihren Heimatort interessiert, Vorschläge unterbreitet. Inwieweit dies realisierbar ist, muss geprüft werden.“ Aber gerade im Hinblick auf das derzeit erarbeitete Stadtentwicklungskonzept für Flöha bis 2030 habe er festgestellt, dass eine Vielzahl von Beteiligten daran mitarbeitet. „Indes: Die Jugend haben wir eigentlich bislang nicht mit am Tisch sitzen. Da machen diese Hinweise viel Sinn. Die werden wir aufgreifen.“

Als ein Stück gelebte Demokratie sieht Ideengeberin Nicole Sacher das Projekt. „Die Thematik Jugendparlament klingt hochtragender, als die Idee, die wir damit verbinden wollen. Es geht darum, eine Plattform zu schaffen, in der sich junge Leute finden, um über ihr Lebensumfeld zu sprechen, Vorschläge zu unterbreiten. Die machen sich durchaus einen Kopf, wie ihr Zukunftsweg aussieht, das ist keine Null-Bock-Generation.“
Mit dem Projekt wolle sie die Interessierten aber nicht „politisch zuknallen“. „Daher die Idee des Fotoworkshops mit dem Thema Heimatstadt. Fotografieren und Computer kommt immer an. Und wenn einige Ideen von den Stadtvätern aufgegriffen werden, ist das ein erfolgreicher Schritt.“

Bleibt abzuwarten, welchen nächsten die Beteiligten gehen werden. „Es ist gar nicht so einfach, die Schüler aus Oberschule und Gymnasium zusammenzubringen. Zum einen haben sie ein enormes Lernprogramm zu bewältigen, zudem stehen andere Hobbys wie Sport oder Kultur eher in der Gunst oben an, als sich über kommunale Belange einen Kopf zu machen“, sagt Nicole Sacher.