Verlorene Orte, unvergessliche Bilder

Verlassene und verschwundene Bauwerke rückt das Schlossbergmuseum in Chemnitz in den Blickpunkt. Mit den von Christian Sünderwald gefertigten Fotografien tauchen Besucher in eine städtische Zeitreise unter besonderem Blickwinkel ein.

Chemnitz. In seiner Reihe der Chemnitzer Fotografen präsentieren die Gastgeber sechzig großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Diese halten fest, was die Stadt im Wandel zurückließ – Bauwerke in Chemnitz und seiner Umgebung, die heute verschwunden oder grundlegend verändert sind. Die bevorzugten Bildmotive des 58-Jährigen sind sogenannte Verlorene Plätze (Lost Places) – von Ballsälen über Krankenhäuser bis hin zu Villen und ganzen Stadteilansichten, allesamt bewegende Schnappschüsse des Vergehens und des Zerfalls einstiger Produktionsstätten.

Ob verlassenes Fahrzeugwerk oder verwaiste Spinnerei, verstummtes Textilunternehmen oder energieverlorenes Kraftwerk, Christian Sünderwald stöbert in den früheren Hochburgen der Arbeit im sächsischen Raum und versteht jene Gegebenheiten abzulichten, die die einstige Betriebsamkeit erahnen lassen.

Den haben es jene Schauplätze angetan, die er als sogenannte Zeitkapseln bezeichnet, in denen Vergangenes konserviert ist. Verlassen und vergessen, die Motive lassen erahnen, welche Bedeutung einst diese Stätten innehatten. Da umschlingen sich im „Wurmfortsatz“ genannten Foto mächtige Versorgungsrohre im Gaswerk Chemnitz, um ehedem ausgeklügelt auf engstem Raum Antriebsstoff weitergegeben zu haben.
Ein Besuch zeigt den bei Sünderwalds Arbeiten immer wieder zu beobachtenden Fakt, dass die Fotos dem interessierten Besucher weit zu fassendes thematische Futter liefern. Der lässt angesichts der Abbildung seine Gedanken schweifen und unternimmt seine individuelle Entdeckungsreise, gleicht sein Erlebtes ab. Da stellt sich schon Wehmut ein, werden aber auch Erinnerungen unter Ja so war das, geweckt.

„Meine Sache sind aus der Zeit gefallene Orte, von den Wogen der lebendigen Veränderung umspült und erodiert, weil für den Menschen nutzlos geworden zurückgelassen und dem Zahn der Zeit überlassen“, beschreibt Christian Sünderwald seine Leidenschaft. Längst hat der gebürtige und seit der Wende in Chemnitz lebende Münchener seine Bildsprache in der bevorzugten Schwarz-weiß Fotografie gefunden. „Es ist der passende Ausdruck, das Gesehene zu verarbeiten. Da bedarf es keiner Farben, um das Bedrückende hervorzuheben oder das Morbide zu unterstreichen. Licht und Schatten korrespondieren einander.“ (hy)

Die Sonderausstellung „Architektonische Agonie in Licht und Schatten“ ist vom 26. Juni 2026 bis 20. Sep. 2026 zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen.

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Autor

Christof Heyden
Christof Heydenhttps://www.erzgebirge.tv
in Chemnitz lebend, geb. 1961 in Pirna, Diplom-Kulturwissenschaftler Humboldt-Uni Berlin, seit 1993 Freier Journalist und Pressefotograf. Mailadresse: christof.heyden(at)erzgebirge.tv

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